Welche Ausbildung kommt in Frage? Beiderhase und Mousavi prüfen. Foto: FunkeEva

Durch das Jobcoaching der Caritas, das vom bischöflichen Ordinariat finanziertem Pilotprojekt, haben rund 30 Geflüchtete einen Ausbildungsplatz oder Arbeit gefunden. Jetzt wird das Pilotprojekt um drei Jahre verlängert.

S-Nord - Die Büros der drei Mitarbeiter beim ZIFA Jobcoachings liegen auf dem Gelände der Flüchtlingsunterkunft an der Tunzhofer Straße. ZIFA: Das ist die Abkürzung für Zielgerichtete Integration von Flüchtlingen in Arbeit und Ausbildung. Gestartet hat die Caritas das Pilotprojekt vor drei Jahren. „Als damals die vielen Flüchtlinge nach Deutschland kamen, war klar, dass sie Unterstützung brauchen, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Das konnten die Sozialarbeiter nicht leisten. Deshalb sind wir in die Bresche gesprungen“, sagt Anke Beiderhase vom ZIFA-Jobcoaching. Zusammen mit zwei auf Jobcoaching spezialisierten Mitarbeitern hat sie ein Netzwerk zur Vermittlung Geflüchteter in den Arbeitsmarkt aufgebaut. Das Ergebnis der drei Jahre: 300 Flüchtlinge, die in den Unterkünften der Caritas untergebracht sind, wurden beraten. Rund 30 wurden in Ausbildung, Jobs oder Praktika vermittelt.

Sayed Nasrullah Mousavi aus Afghanistan ist einer von ihnen. Er ist seit einem Jahr in Deutschland. Vor den Taliban ist er vor etwa zehn Jahren in den Iran geflüchtet und schlug sich dort mit Jobs auf dem Bau durch. Der 29-Jährige ist verheiratet, Vater von zwei Kindern und macht seit einem Monat das Coaching bei der Caritas Stuttgart mit. „Ich will mich hier ganz schnell integrieren, alles kennenlernen, was die deutsche Kultur ausmacht, und dazu gehört jetzt das Weihnachtsfest“, sagt er. Mousavi spricht verständlich Deutsch, hat mittlerweile auch Freunde in Stuttgart und fühlt sich hier wohl. „Beim Coaching ist mir klar geworden, dass meine Sprache noch besser werden und ich auch schreiben können muss.“ Wo sein Weg hin führt, ist noch nicht ganz klar. Auf dem Bau im Iran hat er so ziemlich alles gemacht, „was die kollegen nicht machen wollten“. Da er zupacken kann, ist eine Ausbildung in einem Handwerk für ihn eventuell das Richtige.

Mitarbeiter telefonieren auf der suche nach Jobs die Betriebe ab

Ausbildungsplätze bietet die Caritas zum Teil selbst an – in ihren Pflegeheimen oder in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Gesellschaft in der Hauswirtschaft. Außerdem telefonieren die drei Mitarbeiter Kleinbetriebe wie Friseurgeschäfte, Bäckereien oder Autowerkstätten ab, um Flüchtlinge mit Interesse und dem nötigen Geschick dorthin zu vermitteln. Wo die Begabungen der Einzelnen liegen, wird in speziellen Tests festgestellt.

Bei der Caritas dauert die Ausbildung zum Altenpfleger oder zur Pflegerin vier Jahre. Im ersten Jahr wird Deutsch gelernt. Nach dem zweiten Ausbildungsjahr haben die Teilnehmer die Qualifikation als Pflegehelfer. Das gleiche gilt für den hauswirtschaftlichen Bereich. Erst wird intensiv Deutsch gelernt, dann intensiv ausgebildet. „Im Gegensatz zu anderen Institutionen kümmern wir uns in Sachen Arbeit und Ausbildung um jeden Flüchtling, der anerkannt oder im Anerkennungsverfahren ist und hier Arbeiten darf“, sagt Beiderhase und stellt fest, dass es nicht drum geht, die Menschen schnell, sondern langfristig zu vermitteln.

Die Teilnehmer an dem Projekt sind zwischen 16 und 60 Jahre alt. Derzeit machen noch mehr Männer als Frauen mit. Das soll sich kommendes Jahr ändern. Das Team hat bereits die mündliche Zusage, dass das Projekt auf weitere drei Jahre gefördert wird, und zwar aus dem Flüchtlingsfonds des bischöflichen Ordinariats.

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