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Daimler geht mit car2go in Stuttgart an den Start und setzt auf eine reine E-Version.

Stuttgart - Lust darauf, erste Erfahrungen mit der Zukunft des Straßenverkehrs zu sammeln? Mitte 2012 sollte das kein Problem mehr sein. Die Landeshauptstadt wird nämlich die dritte Stadt der Welt mit einer großen Elektro-Leihwagenflotte des Daimler-Konzerns sein.

Von der Idee, dass in der Landeshauptstadt ein paar hundert Elektrofahrzeuge zu mieten sind, wurde OB Wolfgang Schuster schon vor längerer Zeit infiziert. Seit Monaten hat er inzwischen an dem Plan gefeilt und Kontakte zur Daimler AG spielen lassen. Nun ist es so weit, obwohl zunächst andere Städte in Deutschland wie Berlin und Hamburg die besseren Karten gehabt haben sollen: Stuttgart soll die erste Stadt in Deutschland sein, in der Daimler das Leihwagenkonzept car2go in großem Stil in der E-Version einführt. Global betrachtet, ist Stuttgart nach Amsterdam und nach San Diego in Kalifornien die dritte Stadt. In Ulm rollen seit August zwar auch Leih-Smarts mit Elektromotoren, aber nur zur Vorbereitung des Projektes in Amsterdam. Es handelt sich auch um nur fünf E-Smarts unter 200 car2go-Fahrzeugen. Hier in Stuttgart sollen von Anfang an 200 bis 300 Stromer an den Start gehen. Später könnte der Elektrofuhrpark auf insgesamt 500 Wagen in Stuttgart aufgestockt, in einem weiteren Schritt auf einige Städten des Umlands ausgedehnt werden.

 Leihwagen sollen so manchen Privat-Pkw überflüssig machen

Stuttgarts OB erhofft sich davon nicht nur Entlastung an der Lärm- und Schadstofffront, wo oft sehr hohe Feinstaub- und Stickoxid-Werte gemessen werden. Wenn erst einmal Hunderte von kleinen E-Mobilen für die Kurzzeitmiete bereitstünden, könnte auch die Blechlawine in der Stuttgarter Innenstadt ein wenig abschwellen und der Parkplatzmangel entschärft werden, meint Schuster. Der Grund: Wenn sie leicht und spontan auf Stromflitzer zurückgreifen könnten, müssten manche Einwohner vielleicht kein Auto mehr kaufen, das sie nur für wenige Fahrten benötigen und das sonst in der Gegend stehe.

Schuster benützt meist eine große Dienstlimousine mit Stern und ohne Elektromotor, hat den Stromer aber schon getestet: einen Smart, den die Stadt geleast hat und der nach dem Intermezzo mit dem OB inzwischen im Fuhrpark der Stadt seinen Dienst tut.

Das Land, das die Aktivitäten koordinieren soll, und die Stadt verfolgen aber auch noch andere Ziele mit dem Projekt als die Verringerung von Parkplatzmangel, Lärm und Abgasen. Mit Daimler, EnBW, der car2go GmbH und der Stuttgarter Straßenbahnen AG wollen sie der ganzen Welt zeigen, dass Stuttgart eine Vorzeigestadt für Innovation und urbane Mobilität der Zukunft sei. Dabei kommt es auf das Zusammenspiel verschiedener Elemente an. Die Vernetzung von Bussen, Bahnen, Leihwagen und weiteren Mobilitätsdiensten soll mit einem Pilotversuch ausgelotet werden. Die Präsentation im Internet ebenfalls. Angepeilt werden ein gemeinsames Informations-, Abrechnungs- und Bezahlsystem. Damit empfiehlt man sich als Musterschüler für die Bundesinitiative "Nationale Plattform Elektromobilität".

Das alles würde aber nicht funktionieren ohne Strom für die E-Mobile. Darum ist die Errichtung er Ladestationen der Kern der Operation. Einige Ladesäulen, an denen beim EnBW-Pilotversuch mit Zweirädern Strom gezapft werden konnte, gibt es im Stadtzentrum schon. Insgesamt 500 Tankstellen, an denen die Batterien der E-Smarts in rund dreieinhalb Stunden wieder aufgeladen werden können, sollen in Stuttgart künftig angeboten werden. Schuster will die zu den Ladesäulen gehörenden Parkplätze zur Verfügung stellen, die auch mit anderen Elektrofahrzeugen genutzt werden dürfen. Die EnBW errichtet die Ladesäulen und versorgt sie mit Ökostrom. Die Absichtserklärung über das Gesamtprojekt wollen Schuster, Ministerpräsident Winfried Kretschmann und ihre Partner am heutigen Donnerstag verabschieden.