Manfred Hülsmann von der Taxi-Zentrale ist unzufrieden Foto: Leif Piechowski

Stadt, Veranstalter und die Taxi-Zentrale fürchten einen Taxi-Engpass beim Cannstatter Volksfest. Doch während die Taxifahrer dafür schlechte und zu knapp bemessene Stellplätze verantwortlich machen, bemängelt die andere Seite, es kämen einfach zu wenig Wagen zum Wasen.

Stuttgart - Auf dem Cannstatter Wasen wachsen bereits die Zelte fürs Volksfest in die Höhe. Am 26. September beginnt der Rummel. Wenn Manfred Hülsmann in Richtung Festgelände schaut, schüttelt er immer wieder den Kopf. „Das ist alles sehr unglücklich“, sagt das Vorstandsmitglied der Taxi-Auto-Zentrale Stuttgart, die die meisten Fahrten in der Stadt vermittelt.

Die Branche ist unzufrieden mit den Stellplätzen beim Volksfest. Seit einiger Zeit müssen sich die Taxis in der Daimlerstraße aufstellen. „Das sind gerade einmal zwölf Plätze“, kritisiert Hülsmann. Auch die Beschilderung sei mangelhaft. Wenn dort gerade kein Wagen stehe, sei kaum zu erkennen, dass es sich um einen Taxistand handle.

Das Konzept des Ordnungsamts sieht vor, dass sich Taxis auch im Veielbrunnenweg aufstellen können. Und falls viel Andrang herrscht, kann die gesamte Daimlerstraße als Standfläche ausgewiesen werden. Doch das stellt die Fahrer nicht zufrieden. Auch, weil es keine Ausstiegsmöglichkeit mehr ­direkt am Gelände gibt. „Die Leute wollen aber direkt am Fest aus dem Auto. Das geht nur im fließenden Verkehr und ist nicht ­sicher für die Fahrgäste“, sagt Hülsmann.

Die Stadt gibt den Schwarzen Peter umgehend zurück. „Wir glauben, dass wir die Situation optimal gestaltet haben“, sagt Ralf Maier-Geißer vom Ordnungsamt. Das Problem stelle sich ganz anders dar: „Wir haben schlicht noch nie erlebt, dass die Taxiflächen alle voll waren. Es kommen einfach zu wenige Taxis zum Wasen.“

Die Streitigkeiten haben eine gewisse Tradition. Beim Volksfest im vergangenen Jahr gab es scharfe Kritik vom Veranstalter in.Stuttgart in Richtung der Taxibranche. Speziell samstagabends seien viel zu wenige Fahrzeuge vor Ort. Manche Wasenbesucher hätten sich in ihrer Verzweiflung schließlich zu Fuß zu ihren Wohnungen oder Hotels aufgemacht – zum Teil bis nach Feuerbach. Von der Taxi-Zentrale kam daraufhin der deutliche Hinweis, die Stellplatzsituation sei ­weder Fahrern noch Besuchern zuzumuten.

In einem Besprechungsprotokoll der Beteiligten vom Juni heißt es: „Aus Sicht von in.Stuttgart sowie der Straßenverkehrsbehörde handelt es sich um ein Kapazitätsproblem der Taxi-Zentrale.“ Das weist diese zurück. „Wir haben die Kapazitäten, fast 800 Autos“, sagt Hülsmann. „Man muss sie aber auch vernünftig unterbringen.“ Früher konnten die Fahrer ihre Passagiere direkt am Festgelände in der Mercedesstraße aussteigen lassen. Das geht inzwischen aufgrund von Umbaumaßnahmen nicht mehr.

Bei in.Stuttgart ist man besorgt. „Das Volksfest wird immer internationaler. Die Leute sind nicht ortskundig und müssen ein Taxi bekommen“, sagt Sprecher Jörg Klopfer. Das habe beim vergangenen Volksfest nicht immer funktioniert. Beim Frühlingsfest sei die Situation zwar besser gewesen, „die Bewährungsprobe aber kommt erst jetzt“. Neben dem Volksfest findet in diesem Jahr das Landwirtschaftliche Hauptfest statt, es gibt praktisch keine Parkplätze am Wasen. Noch mehr Leute werden aufs Taxi umsteigen wollen. „Wir hoffen, dass die ­Taxifahrer sich als Dienstleister verstehen und die Chance erkennen“, so Klopfer.

Einigkeit besteht nur in einem Punkt: Die Situation ist schwierig. „Wir werden uns ­exemplarisch einen gut frequentierten Tag herausgreifen und anschauen“, kündigt Maier-Geißer an. Dann soll sich zeigen, wo die Probleme tatsächlich liegen.

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