Das Cannstatter Volksfest verspricht viel Spaß – wenn man einige Dinge beachtet. Foto: dpa

Anmachsprüche, die unter die Gürtellinie zielen. Der Geldbeutel, der plötzlich verschwunden ist. Oder die berühmte Maß Bier zu viel. Die Wasenzeit hat auch Schattenseiten. Wir haben Tipps, wie man sie umgeht.

Stuttgart - Die allermeisten der dreieinhalb bis vier Millionen Besucher, die auf dem Cannstatter Wasen in den nächsten zwei Wochen erwartet werden, wollen vor allem eines: Friedlich feiern. Doch ab und zu gibt es auch auf dem friedlichsten Fest Ärger – weil zu viel Alkohol fließt, weil Taschendiebe ihr Unwesen treiben oder weil es handfesten Krach gibt. Wir haben Experten um Tipps gebeten, wie man solchen Situationen vorbeugen kann und was man tut, wenn doch etwas passiert.

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„Nein heißt nein“ – auch auf dem Wasen: Der Anmachspruch, der unter die Gürtellinie zielt, die Hand, die plötzlich auf dem Oberschenkel liegt – wie wehren sich junge Frauen und Mädchen, wenn sie auf dem Volksfest belästigt oder begrapscht werden? „Andere mit ins Boot holen“, lautet ein Ratschlag von Isabel Mentor, Sozialpädagogin beim Mädchengesundheitsladen, einer Beratungs- und Präventionsstelle in Stuttgart. „Man sollte in solchen Situation laut auf sich aufmerksam machen und ganz konkret eine bestimmte Person um Hilfe bitten.“ Außerdem empfiehlt die Expertin, gezielt die Security in den Zelten anzusprechen, wenn es zu einem solchen Vorfall kommt.

Die Sozialpädagogin rät Mädchen und jungen Frauen nicht alleine, sondern besser in einer Gruppe auf dem Wasen unterwegs zu sein: „So kann man aufeinander achten und einschreiten, wenn jemand in eine unangenehme Situation kommen sollte.“

Mentor rät Wasenbesucherinnen zwar einerseits, nicht zu viel Bier zu trinken, „um sich in keine wehrlose Situation zu bringen“, betont aber auch: „Die Verantwortung für einen solchen Vorfall liegt nicht beim Opfer, sondern immer beim Täter.“

Zu viel Alkohol: „Kenn’ dein Limit“, heißt eine Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) zum Thema Alkoholkonsum. Das gilt vor allem auch zur Wasenzeit. Denn viele, oft besonders junge Volksfestbesucher unterschätzen die Wirkung, die die Wasenmaß hat. „Je mehr konsumiert wird, umso stärker die Wirkung. Das kann im Extremfall in einer Alkoholvergiftung enden. Gerade für junge Leute ist Rauschtrinken riskant und kann in einer Intoxikation enden“, weiß Michaela Goecke, Leiterin des Referats für Suchtprävention bei der BzgA.

„Für junge Frauen gilt, dass sie noch vorsichtiger beim Alkoholkonsum sein sollten. Da gibt es nämlich einen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Bei Frauen steigt die Alkoholkonzentration im Blut schneller und sie bauen Alkohol langsamer ab“, erklärt Goecke.

Es gelte, beim Maß stemmen Maß zu halten: Zwischendurch sollte man eine Apfelschorle oder eine Cola trinken und nicht auf leeren Magen Alkohol konsumieren. „Wer auf dem Wasen alkoholbedingte Koordinationsprobleme hat, nicht mehr deutlich spricht und seine Umwelt vielleicht verschwommen wahrnimmt, hat sein Limit in jedem Fall schon deutlich überschritten und sollte nur noch zu alkoholfreien Getränken greifen, damit nichts Schlimmeres passiert“, so die BzgA-Expertin weiter.

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Die Stuttgarter Polizei will während der Wasenzeit vor allem junge Menschen über die Gefahren von zu viel Alkohol informieren, denn der spiele „bei der Gewaltbereitschaft dieser Zielgruppe eine erhebliche Rolle“, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Verstärkt werde es im Umfeld des Volksfests auch Verkehrskontrollen geben, heißt es von Seiten der Polizei weiter. Die Beamten raten deshalb, mit Bus, Bahn oder Taxi heimzufahren oder in der Gruppe einen Fahrer zu bestimmen, der ganz auf Alkohol verzichtet.

Und was, wenn der beste Freund oder die beste Freundin zu tief ins Glas geschaut hat? „Wer zuviel Alkohol getrunken hat, sollte nicht alleine gelassen werden“, sagt Michaela Goecke. „ Junge Leute sollten daher in ihren Gruppen immer gut aufeinander achten und sich helfen, wenn es nötig wird. Bei einer massiven Alkoholvergiftung muss der Notarzt informiert werden.“

Taschendiebstahl: Im Gedränge eines Festzelts oder in der Schlange vor einem Fahrgeschäft schlagen sie zu – für Taschendiebe ist der Cannstatter Wasen ein ideales Revier. Polizeisprecher Stephan Widmann rät Wasenbesuchern, „nur so viel Bargeld mitzunehmen, wie man wirklich braucht.“ Handy, Papiere und Geld sollte man nah am Körper tragen, „am besten in einer Innentasche oder in einem Brustbeutel unter der Kleidung.“

Der Veranstalter rät ohnehin, beim Wasenbesuch auf Rucksäcke oder große Taschen zu verzichten, denn die Kontrollen an den Eingängen dauern dann länger. Wer mehr dabei hat, als er zum Feiern braucht, kann seine Taschen gegen eine Gebühr auch zur Aufbewahrung abgeben: Die Abgabestelle findet man neben der Wasenwache, zwischen dem Festzelt „Zum Wasenwirt“ und dem Verwaltungsgebäude der in.Stuttgart Veranstaltungsgesellschaft.

Wenn es doch Ärger gab:

Die Polizei ist präsent auf dem Cannstatter Wasen – sei es auf der Wasenwache (hinter der Fruchtsäule und dem Festzelt „Zum Wasenwirt“, an der Mercedesstraße) oder durch die vielen Beamten, die Streife laufen. Im Notfall: die 110 anrufen.

Das Deutsche Rote Kreuz hat auf dem Wasen zwei Erste-Hilfe-Stationen aufgebaut: Eine findet man an der Wasenwache, die andere hinter dem Dinkelacker-Festzelt. Im Notfall: die 112 anrufen.

Im Festzelt steht auch die Security bereit, um einzugreifen, wenn es Stress gibt.

Blieb etwas liegen, wurde es mit etwas Glück beim Fundbüro abgegeben. Dieses findet sich neben der Wasenwache, zwischen dem Festzelt „Zum Wasenwirt“ und dem Verwaltungsgebäude der in.Stuttgart. Es hat montags bis donnerstags von 17 bis 23 Uhr und freitags bis sonntags sowie feiertags von 12 bis 23 Uhr geöffnet.

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