Kein Elefant im Porzellanladen, sondern zwei Pferde im Bierzelt: Der ungewöhnliche Ausflug auf dem Cannstatter Volksfest ruft Kritiker auf den Plan. Und was sagt der Festwirt dazu?
Welche Regeln gelten für Pferdekutschen in einem vollen Wasen-Festzelt: Straßenverkehrsordnung? Hausrecht? Tierschutz? Oder eher ein Fall für den Amtsschimmel? Eine Kutschfahrt mitten durchs Dinkelacker-Festzelt am vergangenen Sonntag sorgt nachträglich für Aufregung.
Der Tierrechtsorganisation Peta ist das Video von der Pferdekutsche zugespielt worden – und sie sieht allen Grund dazu, bei der Stadt die Pferde scheu zu machen: „Angesichts zahlreicher schwerer Unfälle auf Volksfesten kritisieren wir das fahrlässige Verhalten der Verantwortlichen scharf“, sagt Sprecher Jonas Meyerhof. OB Frank Nopper wird aufgefordert, ein Verbot für Pferdekutschen zumindest für das Wasengelände auszusprechen. Doch gibt es überhaupt eine Erlaubnis für Pferdegespanne in Festzelten? Der städtische Veranstalter in.Stuttgart stellt fest, dass man zwar für den Festplatz insgesamt verantwortlich sei, bei Festzelten und Schaustellerbetrieben gelte dagegen das Hausrecht. „Der Vorgang ist freilich ungewöhnlich“, sagt Jörg Klopfer, Sprecher von in.Stuttgart.
Welche Vorschrift gilt da eigentlich?
Der Volksfestverein als Ausrichter des Festumzugs am vergangenen Sonntag verweist bei Fragen zu Vorschriften auf dem Wasen auf den Veranstalter. „Was Wirte davor oder danach machen, liegt in deren Verantwortungsbereich“, sagt Vorstandsmitglied Wulf Wager – der freilich nicht gut auf Tierschützeraktivisten zu sprechen ist. „Die haben unseren Festzug gestört und aufgehalten“, klagt Wager. Dabei sei die Teilnahme der Pferde keine Tierquälerei. „Kein Pferdehalter würde für seine kostspieligen Tiere Risiken wie stressbedingte Koliken oder Verletzungen auf sich nehmen“, sagt er.
Laut Peta hat es im Jahr 2022 insgesamt 46 Kutschunfälle in Deutschland mit vier Toten und 83 Verletzten gegeben. Die Zahlen stammten aus eigener Zählung. Kutschenunfälle in der Region hat es laut Datenbank unserer Zeitung in den letzten Jahren in Affalterbach (Kreis Ludwigsburg), Fellbach, Murrhardt und Urbach (Rems-Murr-Kreis), Filderstadt (Kreis Esslingen) und Sindelfingen (Kreis Böblingen) gegeben. Der letzte tödliche Kutschenunfall ereignete sich im November 2022 in Rot an der Rot im Kreis Biberach – nach ersten Erkenntnissen mutmaßlich verursacht durch einen Autofahrer beim Überholen.
Was Polizei und Festwirt sagen
Bei der Stuttgarter Polizei heißt es, man habe von der Kutschfahrt durchs Festzelt am Ende des Festumzugs nichts mitbekommen. „Man hätte das aber aus Sicherheitsgründen verhindert“, sagt Polizeisprecher Stephan Widmann. Bei der Stadtverwaltung heißt es auf Nachfrage, der Vorgang werde geprüft, wobei sich hier mehrere Dienststellen noch abstimmen müssten.
Festwirt Werner Klauss sieht bei diesem Fall indes aus einer Mücke einen Elefant gemacht. Es sei eine spontane Aktion gewesen, auf Initiative der Kutscher, die sich seit Jahrzehnten mit Hingabe und Engagement der Pferdehaltung widmeten. Diese Leute, „die ihr Leben auf Pferde abgestimmt haben“, seien sicher größere Fachleute als so mancher Tierschutzaktivist. Gleichwohl sei das in Zukunft alles kein Thema mehr, sagt Festwirt Klauss: „Ich kümmere mich darum, wir werden das nicht mehr machen.“