Stundenlang Krüge stemmen und durchs Zelt flitzen: Kellnern auf dem Volksfest kommt Hochleistungssport gleich. Als Servicekraft muss man daher fit sein. Foto: dpa

Seit 19 Jahren arbeitet Slaven im Göckelesmaier-Festzelt auf dem Frühlings- und Volksfest. Mit dem Verdienst bessere er die Haushaltskasse seiner Familie auf, sagt der 45-Jährige.

Seit 19 Jahren arbeitet Slaven im Göckelesmaier-Festzelt auf dem Frühlings- und Volksfest. Mit dem Verdienst bessere er die Haushaltskasse seiner Familie auf, sagt der 45-Jährige.
Stuttgart – Slaven, die Arbeit als Kellner im Festzelt kommt Hochleistungssport gleich. Wie läuft Ihre Vorbereitung? Sind Sie fit fürs Volksfest, das am 26. September beginnt?
Auf jeden Fall. Ich bin zum Glück ohnehin ein sportlicher Typ, gehe drei-, viermal pro Woche ins Fitnessstudio und zudem ­joggen. Man muss in diesem Job nun mal ­anpacken können.
Auch in normalen Restaurants ist der Service gefordert.
Das stimmt schon. Aber auf dem Wasen wollen die Gäste nicht lange warten. Da muss es noch flotter gehen als in Speiselokalen. Und man muss konstant am Ball bleiben, darf nicht nachlassen.
Weil’s dann auch weniger Trinkgeld gibt?
Das könnte passieren.
Wie sieht’s bei den Wasenbesuchern aus? Sind sie eher knickrig oder spendabel?
Wir bei Göckelesmaier können uns nicht beschweren. Im Schnitt geben die Gäste acht bis zehn Prozent. Sie wissen schließlich, dass wir darauf angewiesen sind. Und wer clever ist, gibt das Trinkgeld gleich am Anfang: So kann er den ganzen Abend mit gutem Service rechnen. Aber wir sind natürlich zu allen Gästen freundlich und zuvorkommend. Das wird erwartet, vor allem in der Loge.
Wo Sie inzwischen arbeiten.
Genau. Wir arbeiten dort im Team, sprich auf einen Geldbeutel. Am Schluss wird geteilt. In der Loge sind die Plätze inzwischen zudem meist von Firmen gebucht. Das heißt, dass wir schon vorher wissen, was die Leute gern möchten – und vieles recht gut vorbereiten können. Wenn die Gäste kommen, wird ihr Essen somit binnen kurzer Zeit serviert.
Wie viele Maßkrüge können Sie denn auf einmal stemmen?
Vierzehn.
Wow!
Es gibt Kollegen, die mehr schaffen. Aber ja, das ist schon ordentlich. Jeweils sechs halte ich in den Händen. Und auf jeder Seite kommt dann noch ein Krug obendrauf. Allerdings­ kann man das nicht den ganzen Abend tragen, das würde man nicht lange durchhalten. Man macht es zwei-, dreimal, um die Gäste zum Staunen zu bringen. Die restliche Zeit bringt man dann sechs bis acht Krüge an den Tisch.
Womit verdienen Sie eigentlich mehr – mit Essen oder mit dem Bier?
Wir Kellner sind ganz normal angestellt, aber auch am Umsatz beteiligt. Pro Bier bekommen wir derzeit zum Beispiel 75 Cent. Somit verdient man daran mehr als am Essen­. Aber die Gäste trinken heutzutage weniger Bier. Nach der ersten Maß gehen sie auch gern mal an die Cocktail-Bar. Oder sie steigen ganz um.
Auf was?
Manche auf Wasser, viele aber auf Champagner. Das ist in der Loge seit einiger Zeit der Trend.
Sie sind seit Jahren dabei. Hat sich das Publikum verändert? Geht es heute zum Beispiel härter, gewalttätiger zur Sache?
Im Gegenteil: Es ging früher heftiger zu. Als die amerikanischen Soldaten noch hier waren, gab es immer mal wieder Schlägereien.
Und heute benehmen sich die Gäste gesitteter?
Na ja, wie es eben nach fünf Maß noch möglich ist. Im Ernst: Wir können uns nicht beklagen. Die meisten benehmen sich völlig im Rahmen. In der Loge sowieso. Und gibt es im Zelt doch mal ein wenig Stress, sind ja gleich die Kollegen von der Security zur Stelle.
Was war in all den Jahren Ihr schönstes, was Ihr unangenehmstes Erlebnis?
Ich erinnere mich eigentlich an gar nichts wirklich Unangenehmes. Dafür an etwas sehr Schönes: Ein Stammgast, ein Unternehmer, hat mich kürzlich zu seinem Geburtstag­ eingeladen – und mir damit gezeigt, dass er in mir mehr als nur eine Bedienung sieht. Das war etwas ganz Besonderes und hat mich irre gefreut.
Das Volksfest dauert 17 Tage. Kommt irgendwann mal der Punkt, an dem Sie genug haben?
Ehrlich gesagt bin ich während dieser Zeit wie in einem Tunnel. Wenn ich meine Arbeit mache, bin ich ganz darauf konzentriert. Ich bekomme sogar kaum mit, was für Musik läuft. Aber zugegeben: Am letzten Sonntag reicht es einem dann so langsam.
Lohnt es sich für Sie, auf dem Wasen zu arbeiten? Neben Ihrem normalen Job?
Ja, denn mit dem, was ich dort zusätzlich verdiene, bessere ich die Haushaltskasse auf. Meine Familie und ich können uns ­dadurch einige Extras leisten.
Gehen Sie auch privat auf Volksfeste?
Nein, das habe ich noch nie gemacht, würde ich aber gern mal. Das Oktoberfest zum Beispiel würde mich irgendwann mal interessieren – als Vergleich zum Wasen. Bisher hat sich allerdings leider noch nie die Gelegenheit ergeben. Es ist ja meist auch zeitlich gar nicht möglich.
Trinken Sie überhaupt Bier?
Meist alkoholfreies. Eine Maß habe ich in meinem Leben nur ein paarmal getrunken.
Und was machen Sie, wenn das Volksfest am 12. Oktober endet?
Ich arbeite dort ja während meiner Ausgleichszeit. Am Montag danach nehme ich einen Tag frei. Und dann geht’s wieder ganz normal weiter, in meinem Job bei einer Stuttgarter Firma.
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