Der Wechsel der Gäste auf dem Cannstatter Volksfest soll anders gestaltet werden Foto: lichtgut/Max Kovalenko

Der Schichtwechsel in den Bierzelten soll in Zukunft anders gestaltet werden. Wenn des Nachmittags die einen Zecher gehen mussten, und die anderen schon warteten kam es zu Rangeleien und Schubsereien. Nun will man die Leute nach und nach hinauslassen.

Stuttgart - Die Schausteller wissen schon was kommt. Wer gegenüber der Zelte seinen Stand hat, fährt samstags und feiertags gegen 16.30 Uhr die Rollläden herunter und schließt seine Bude. Damit nur keine Leute stehen bleiben, denn gleich wird es eng auf der Straße. Wenn Schichtwechsel ist in den acht Bierzelten, wenn auf einen Schlag Tausende herauskommen und Tausende hineinwollen, prallen Menschenmassen aufeinander. Und mittendrin finden sich die überraschten Passanten wieder, die nur vorbeigehen wollen. Einer Anwältin aus Berlin ist das am vergangenen Samstag passiert, sie fühlte sich einer Panik nahe und will nun „wegen aller möglicher in Frage kommender Tatbestände“ die Stadt verklagen.

„Da geht es schon turbulent zu“, hat ein Beschicker beobachtet, man warne mittlerweile die Passanten und hat „auch schon Kinder und ältere Menschen da rausgezogen“. Die Veranstalterin in.Stuttgart ist sich des Problems bewusst. Am Mittwoch habe man mit der Polizei und den Ordnungsbehörden gesprochen, sagt Marcus Christen, Abteilungsleiter bei in.Stuttgart. „Wir werden da für nächstes Jahr eine Lösung finden“, sagt er, „und uns für diesen Samstag etwas einfallen lassen.“

Das Problem entsteht, weil die Wirte an den Samstagen und am Feiertag, 3. Oktober, in zwei Schichten die Bänke reservieren. Wer um 11 Uhr kommt, muss gegen 16 Uhr wieder gehen. Dann folgt gegen 17 Uhr die zweite Schicht. Meist gönnt man sich eine Stunde Zeit zum Putzen, doch die meisten Gäste warten da bereits. Die großen drei Brauereizelte sowie das Zelt der Familie Weeber haben zwar mehr Besucher, bis zu 6000, aber noch vorne hin mehr Platz, weil sie vor der Fruchtsäule stehen. Die Zelte von Peter Brandl, Sonja Merz und Karl Maier stehen aber nebeneinander an einer Straße, gegenüber in knapp zehn Meter Entfernung sind Buden und Fahrgeschäfte. In ihren Zelten finden bis zu 4000 Menschen Platz.

„Wir haben uns jetzt Gedanken gemacht“, sagt Brandl, „und werden das schon am Samstag ändern.“ Man habe die Erlaubnis, dass die Ankommenden in der Feuergasse warten dürften. Dann werde man wie die anderen Kollegen auch, das Zelt nach und nach leeren und putzen. „Wir starten um 15 Uhr bis 15.30 Uhr und geben uns zwei Stunden Zeit für den Wechsel“, sagt Brandl, „damit verzichten wir auf Geld, aber die Sicherheit geht immer vor.“ Er selbst hat erst vor kurzem erlebt, wie es ist, in einer Menge gefangen zu sein. Beim Oktoberfest wird ja zweimal gewechselt, da gehen die Schichten von 11 bis 15 Uhr, von 16 bis 19 Uhr und dann bis Mitternacht. Bei einem solchen Wechsel war Brandl im Zelt plötzlich gefangen zwischen jenen, die hineinmussten und jenen, die hereinstürmten. „Das war nicht schön“, sagt Brandl, „dort ist das aber kein großes Thema.“

In Stuttgart will man es aber künftig besser machen. Wirtesprecher Werner Klauss: „Wir werden daran arbeiten und es unseren Gästen so angenehm als möglich machen.“

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