Die Hotelpreise ziehen während der Cannstatter Volksfestes mächtig an. Foto: imago; rechts: imago

Zur Wasenzeit schnellen die Hotelpreise in die Höhe. Wie rechtfertigt die Branche die enormen Schwankungen – und die teils extremen Ausreißer nach oben?

Wer zum Cannstatter Volksfest anreist und in Stuttgart übernachten möchte, muss tief in die Tasche greifen: Wenn das Fest an diesem Freitag beginnt, werden die Hotelpreise in der Stadt spürbar ansteigen. Während ein Doppelzimmer in einer einfachen Unterkunft am Wochenende vor Festbeginn 50 bis 60 Euro kostete, liegen die günstigsten Zimmer nach Festbeginn bei 90 bis 110 Euro – nahezu eine Verdoppelung, wie ein Blick auf gängige Preisvergleichsportale (z. B. Booking.com) zeigt.

 

Der Preissprung betrifft nicht nur Hotels in unmittelbarer Nähe des Festgeländes, sondern auch Unterkünfte in größerer Entfernung, etwa rund um den Stuttgarter Flughafen. Mit dem Ende des Volksfestes fallen die Preise erfahrungsgemäß wieder auf ihr vorheriges Niveau zurück. Dieses zyklische Phänomen ist nicht neu: Seit Jahren lässt es sich rund um die großen Feste beobachten – sowohl beim Frühlingsfest als auch beim Cannstatter Volksfest.

Ein Extrembeispiel: das Hilton Garden Inn

Besonders deutlich zeigt sich der Preissprung direkt am Wasengelände in Bad Cannstatt. Ein Beispiel: Für ein Doppelzimmer im Hilton Garden Inn am Neckarpark werden für die Nacht vom 4. auf den 5. Oktober – wegen des Feiertags am 3. Oktober ein besonders gefragtes Wochenende – satte 500 Euro fällig (laut Booking, Stand: 23. September). Schon nach der Wasenzeit sinkt der Preis für eine Nacht wieder auf unter 200 Euro. Wie solche Sprünge zustande kommen und welche Rechnungen sich dahinter verbergen, das möchte das Hotel auf Anfrage unserer Zeitung nicht erläutern.

Die Preise im Hilton Garden Inn am Neckarpark steigen mit dem Cannstatter Volksfest. (Archivbild) Foto: IMAGO/imagebroker/IMAGO/imageBROKER/Wolfgang Diederich

Noch teurer wird es nur im Fünf-Sterne-Hotel Steigenberger Graf Zeppelin am Hauptbahnhof, wo für eine Übernachtung inklusive Frühstück mehr als 700 Euro fällig werden. Aber auch weniger exklusive Hotels verlangen hohe Preise: Die meisten Unterkünfte in der Stadt liegen mittlerweile zwischen 200 und 400 Euro pro Nacht.

So mancher Schwabe dürfte bei solchen Preisen den Kopf schütteln. Stellt sich unweigerlich die Frage: ist das vertretbar? Auf die einzelnen Preise will der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga nicht eingehen. „Übernachtungspreise sind Unternehmenssache, das kommentieren wir nicht“, sagt Daniel Ohl, Pressesprecher des Dehoga Baden-Württemberg. Grundsätzlich seien nachfragebedingte Schwankungen im Reisegeschäft aber nichts Ungewöhnliches. „Ich bin mir sicher, dass es in der Region Stuttgart auch für kleinere Übernachtungsbudgets Angebote gibt – auch während des Cannstatter Volksfestes.

Wie bei Flugtickets oder Bahnfahrten gebe es auch bei Hotelübernachtungen saisonale Preisschwankungen. Dass die aktuellen Preissteigerungen vor allem auf das Cannstatter Volksfest zurückgehen, hält der Verband für wahrscheinlich: „Das Geschehen auf dem Wasengelände ist touristisch für Stuttgart äußerst wichtig“, betont der Sprecher. Im vergangenen Jahr knackte das Cannstatter Volksfest einen neuen Rekord, in 17 Tagen kamen rund 4,6 Millionen Menschen, so viele wie noch nie.

Gleichzeitig verweist der Dehoga auf die generellen Herausforderungen der Branche. So lag die Bettenauslastung in Baden-Württemberg im ersten Halbjahr 2025 bei nur 38 Prozent. „Man muss verstehen, dass Hotelbetten oftmals auch leer bleiben“, erklärt der Sprecher. Vor diesem Hintergrund sei es nachvollziehbar, dass die Betriebe in Zeiten hoher Nachfrage ihre Preise anpassten.