Arbeiter beaufsichtigen die Belastungsversuche in der Cannstatter Straße zu nächtlicher Stunde. Foto: Tiefbauamt

In den vergangenen Wochen war die Cannstatter Straße entlang des Schlossgartens nachts immer mal wieder gesperrt. Ein Stahlgerüst stand auf der Fahrbahn. Der Grund dafür ist kurios: Wir lüften das Geheimnis.

Stuttgart - Wie standfest ist der alte Nesenbachkanal, über den auf der Cannstatter Straße am Rand des Schlossgartens täglich mehr als 60 000 Autos in Richtung Stadtmitte rollen? Damit diese Frage beantwortet werden kann, setzt das städtische Tiefbauamt eine große Stahlkonstruktion mit hydraulischen Pressen ein. Seit Anfang April laufen die Belastungsversuche, für die die B 14 nachts und an Wochenenden über mehrere Stunden stadteinwärts auf allen Fahrspuren gesperrt wird – zuletzt am vergangenen Sonntag von 0 bis 9 Uhr.

Weitere Sperrungen

Weitere Sperrungen sind am Wochenende 4./5. Mai sonntags von 0 bis 12 Uhr und in der Nacht von Freitag, 10. Mai, auf Samstag, 11. Mai, von 21 bis 9 Uhr geplant. Der Verkehr stadteinwärts wird in dieser Zeit über die sonst für die Schnellbusse reservierte Spur umgeleitet. Allerdings ist damit zu rechnen, dass die Arbeiten jeweils schneller beendet werden können. Der Ablauf sei inzwischen so optimiert, dass die Versuche nach sechs Stunden vorbei seien und die Straße nach neun Stunden wieder nutzbar sei, heißt es im Tiefbauamt.

Kanal gilt als standfest

Gerüchte, wonach die Standfestigkeit des Kanals nicht mehr gewährleistet und die Straße nicht mehr sicher sei, weist ein Rathaussprecher zurück. „Akute Gefährdungen sehen wir in diesem Bereich nicht“, sagt Sven Matis. Auch die Belastungsversuche hätten bisher nichts anderes erbracht. Von Anfang des Jahres an hat das Tiefbauamt an der Konstruktion des Nesenbachkanals auf Höhe der Villastraße gearbeitet, dafür war der rechte Fahrstreifen der Stadteinwärtsfahrbahn der Cannstatter Straße tagsüber zwischen den morgendlichen und abendlichen Spitzenzeiten gesperrt. „Das Amt handelt hier vorsorglich, um den Kanal kurz- und mittelfristig abzusichern“, so der Sprecher. Dazu dient auch, dass Lastwagen nur auf der rechten Spur in Richtung Innenstadt fahren dürfen, die mittlere und linke Spur sind für sie gesperrt. Bei den Belastungsversuchen werden eine Stahlkonstruktion und hydraulische Pressen eingesetzt, die beide auf der Fahrbahn stehen. Dann werden definierte Lasten aufgebracht, die daraus resultierenden Verformungen am Kanalgewölbe werden gemessen. Mit den Belastungsversuchen soll geklärt werden, ob Teile des 1960 erbauten Kanals zwischen dem Schwanenplatztunnel und der Heilmannstraße auch bei der Modernisierung verwendet werden können. „Falls die Versuchsergebnisse nicht den Anforderungen entsprechen, wären diese Bauteile voraussichtlich zu erneuern“, so der Sprecher. Die Sanierung des Kanals sei aber erst in fünf bis sieben Jahren geplant.

Reitzensteinkanal wird saniert

Konkret ist dagegen die Sanierung des benachbarten Reitzensteinkanals in der gleichnamigen Straße, der aus dem Jahr 1878 stammt. Dieses Bauwerk erhält einen größeren Querschnitt, um künftig mehr Schmutzwasser aufnehmen zu können. Die Stadt rechnet nämlich im Zug des Klimawandels damit, dass immer öfter Starkregen fällt. Für die Sanierung müssen auch andere Leitungen verlegt werden. Momentan prüft das Tiefbauamt mehrere Varianten der Kanalerneuerung in der Reitzensteinstraße, um möglichst viele Bäume erhalten zu können. Darüber soll demnächst der Bezirksbeirat Ost informiert werden.

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