Marken prägen die schwäbisch-alemannische Fastnacht – hier die Teufelsmaske Foto: Fotolia

Am Samstag haben sich die Vertreter der schwäbisch-allemannischen Narrenzünfte im Kursaal in Bad Cannstatt getroffen. Von der Aufnahme ins Unesco-Kulturerbe erhoffen sich die Narren neben ihrer Würdigung auch finanzielle Erleichterungen.

Stuttgart - Seit 1950 prägt in Bad Cannstatt der Verein Kübelesmarkt mit den Narrenfiguren Felbe, Mond und Brunnengeist das alljährliche Faschingstreiben. Am Samstag haben sich im Kursaal Hästräger aus 68 Zünften bei der vom Kübelesmarkt ausgerichteten Hauptversammlung der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte ein Stelldichein gegeben. Die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte zählt rund 70 000 Hästräger aus 68 Gebietschaften, hauptsächlich im Südwesten, der Schweiz und in Vorarlberg. Bad Cannstatt zählt zur Gebietschaft Neckar-Alb mit zwölf Zünften.

Ein wichtiges Gesprächsthema der versammelten Narren war ein kulturpolitisches Ereignis: Am 12. Dezember hatte die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (Unesco) die schwäbisch-alemannische Fastnacht als nationales Kulturerbe anerkannt. „Die Aufnahme in die geschützten immateriellen Kulturgüter ist eine wunderbare Anerkennung und Würdigung für alle brauchausübenden Zünfte, die sich dem Erhalt und der Weiterentwicklung der örtlichen Fastnachtsbräuche verschrieben haben“, sagte Roland Wehrle, Präsident der Vereinigung.

Mit der Aufnahme in die Liste des nationalen Kulturerbes verknüpfen die Vereine Hoffnungen. „Zu diesem Kulturerbe gehört natürlich auch die Musik. Es könnte deshalb sein, dass wir bei Narrenmärschen, anders als bisher, künftig von den Gema-Gebühren befreit werden“, sagte Roland Wehrle. Wie teuer die Abführungen an die Gema sein können, illustrierte Kübler-Zunftmeister Steffen Kauderer: „Beim europäischen Narrenfest 2009 in Bad Cannstatt forderte die Gema 25 000 Euro.“ Bei Umzügen und größeren Veranstaltungen kämen stolze Summen für Ordner und medizinische Betreuer zusammen. „Wir müssen mit den Kommunen und den Landratsämtern vernünftige Lösungen finden“, sagte Roland Wehrle. So hätten bei einem Narrenmuseum für den Brandschutz 60 000 Euro investiert werden müssen. Durch Nachverhandlungen und die Begehung des Gebäudes sei es gelungen, 25 000 Euro zu sparen.

„Wir hoffen, dass sich die Kommunen durch die Aufnahme der Fastnacht als Kulturerbe der Bedeutung der Narrenzünfte noch mehr als bisher bewusst werden“, sagte Wehrle. Fasching sei ja auch ein Wirtschaftsfaktor. Jährlich brächten die Deutschen in der fünften Jahreszeit rund 14,5 Milliarden Euro in den Konsumkreislauf.

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