Die Calwer Straße muss wegen des neuen Flugfeldklinikums ganz andere Bedingungen erfüllen als bisher. Daher wird sie umgestaltet – und bis Sommer 2027 gesperrt.
Eine wichtige Böblinger Stadtzufahrt wird ab dem Wochenende für voraussichtlich eineinhalb Jahre komplett gesperrt: die Calwer Straße auf Höhe des künftigen Flugfeldklinikums. Ab diesem Samstag, 28. Februar, müssen Autofahrer und Linienbusse die Umleitung über die Hanns-Klemm-Straße und die Heinkelstraße wahrnehmen. Die Haltestellen Calwer Straße stadtauswärts und Calwer Straße (Hulb) werden nicht bedient. Als Ersatz gibt es Haltestellen in der Hanns-Klemm-Straße Ost und der Heinkelstraße.
Anders als die Stadt Anfang der Woche kommuniziert hatte, können Radfahrer und Fußgänger bis voraussichtlich Herbst weiterhin den Rad- und Fußweg auf der Nordseite der Calwerstraße benutzen. Für Autofahrer bietet die Otto-Lilienthal-Straße, die als Einbahnstraße ausgewiesen wird, vorerst eine Alternativroute, um auf die Calwer Straße zu fahren. Später wird das wegen der Bauarbeiten nicht mehr möglich sein.
Was der Umbau der Calwer Straße für Autofahrer bedeutet
Grund für den Umbau ist das neue Flugfeldklinikum, das Zufahrten braucht und für alle Nutzerinnen und Nutzer erreichbar sein muss. Der Landkreis trägt mit rund zehn Millionen Euro den Großteil der Kosten, auf die Stadt entfallen rund eine Millionen Euro.
Zahlreiche Pendler dürften von der Sperrung betroffen sein. Mit Baustellenampeln und verkehrsabhängigen Ampelschaltungen versucht die Stadt laut Sprecher Gianluca Biela den Verkehr auf der Umleitungsstrecke zu regeln. Linienbusse sollen Vorrang haben. Biela bittet vor allem in den ersten Tagen um Geduld. Die Stadt werde sich die Situation anschauen und die Technik bei Bedarf anpassen. „Es wird am Anfang etwas dauern, bis sich alles eingerüttelt hat.“
Weitere Baustellen in der Nähe
Verschärfen könnte sich die Verkehrslage aufgrund weiterer Baumaßnahmen und Sperrungen in der Stadt. Zwar sollen die Fernwärmearbeiten in der Hanns-Klemm-Straße bis Freitag abgeschlossen sein. Die Dornierstraße, die eine Ausweichstrecke von Dagersheim kommend auf die Böblinger Hulb und weiter in die Innenstadt bieten würde, ist hingegen auf Höhe der Autobahnunterführung voraussichtlich noch ein Jahr gesperrt.
Die Deges, kurz für Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH, erneuert dort die Autobahnbrücke im Zuge der A81-Erweiterung. Die Stadt empfiehlt daher, von Dagersheim kommend bereits über die Schickardstraße Richtung Innenstadt und Hulb zu fahren. Außerdem will die Deges, so wurde es zumindest im Oktober angekündigt, ab diesem Frühjahr mit dem Ausbau des neuen Knotenpunkts an der Kreuzung Wolfgang-Brumme-Allee/Flugfeld-Allee beginnen. Eine weitere Großbaustelle im näheren Umfeld also.
Ein Spur offen zu halten keine Option
Allerdings hat die Stadt keinen großen Spielraum bei der zeitlichen Planung. Die Calwer Straße muss rechtzeitig vor der Eröffnung des Flugfeldklinikums – voraussichtlich Ende 2028 – fertig sein. Sie während des Umbaus zumindest einseitig für den Verkehr offen zu halten, ist laut Pablo Burkhardt, Leiter des Böblinger Tiefbauamts, keine Option – zu komplex und umfangreich seien die Arbeiten. Lediglich Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht dürfen während der Bauphase auf der Calwer Straße fahren. „Das ist aber nur eine Schotterpiste, die dann extra fürs Blaulicht geräumt wird“, so Burkhardt.
Nach dem Umbau dürfte die Calwer Straße kaum wiederzuerkennen sein. Stichpunkte: weniger Spuren und mehr Grün. Die Stadt hatte bei der Planung Wert auf den Erhalt der bestehenden Bäume und das Pflanzen von neuen gelegt.
Viele Autofahrer befürchten nach dem Umbau mehr Staus, weil die Zahl der Fahrspuren reduziert wird. Der städtische Pressesprecher Gianluca Biela versucht, diese Sorge zu nehmen. Leistungsfähige Kreuzungen und Abbiegespuren seien das entscheidende, nicht die Anzahl der Spuren auf gerader Strecke – was bei der Planung berücksichtigt wurde. Der Realtitäts-Check steht noch aus – und jetzt beginnt erst einmal der eineinhalbjährige Umbau.