Seit Januar fährt die Hermann-Hesse-Bahn nach Weil der Stadt. Foto: Simon Granville

Bei der Kreistagssitzung am Montag stellte der Landrat Roland Bernhard klar, dass es keine Verpflichtung gebe, sich an der Hesse-Bahn zu beteiligen.

„Mir zahlat nix.“ So könnte man kurz und schwäbisch beschreiben, was der Böblinger Landrat Roland Bernhard in der Kreistagssitzung am Montag unter dem Punkt „Verschiedenes“ behandelte. Der Landkreis Böblingen hat demnach nicht vor, sich an den Kosten der Hermann-Hesse-Bahn zu beteiligen. Dabei distanziert sich Roland Bernhard von einer Sicht der Dinge, die wie ein Zweikampf zwischen ihm und dem Calwer Landrat Helmut Riegger aussieht.

 
Die Hermann- Hesse-Bahn bei ihrer Jungfernfahrt Foto: Simon Granville

Konkret geht es um 4,2 Millionen Euro, die der Kreis Böblingen für die Hermann-Hesse-Bahn bezahlen soll, zumindest nach Ansicht der Landkreises Calw. Die Hermann-Hesse-Bahn führt von Calw über Althengstett nach Weil der Stadt und soll noch weiter ins Böblinger Kreisgebiet nach Renningen gehen. Im Jahr 2019 war errechnet worden, dass der Kreis Böblingen etwa 40 Prozent des wirtschaftlichen Nutzens aus der Hesse-Bahn ziehen würde, daraus hat der Landkreis Calw die jetzt geforderte Summe von 4,2 Millionen Euro errechnet.

Es geht um 4,2 Millionen Euro

Zuvor hatte es einen Briefwechsel zwischen den beiden Landräten gegeben. Der Calwer Landrat Helmut Riegger zitierte ein Eckpunkte-Papier aus dem Jahr 2019, in dem es heißt: „Hinsichtlich der Finanzierung der Infrastruktur streben die Partner eine anteilige Finanzierung anteilig des Kommunalanteils an.“

Darüber hinaus fand es der Landrat Roland Bernhard „etwas schräg“, dass der Kreis sich wegen einer geplanten Haltestelle in Renningen mit diesen 4,2 Millionen Euro beteiligen solle. In einer Replik auf den Brief seines Amtskollegen schrieb Bernhard: „Die Formulierung, die Partner strebten eine anteilige Finanzierung an, beschreibt dabei aber schon dem Wortlaut nach unmissverständlich immer noch eine unverbindliche Absicht, keine verbindliche Regelung oder gar verpflichtende Zusage.“

Hermann-Hesse-Bahn: Von 48 auf 240 Millionen Euro

Das würde sich auch schon in der tatsächlichen Handhabung zeigen, argumentierte der Böblinger Landrat weiter. Für eine etwaige Kostenbeteiligung sei damals ein gesonderter Entwurf erarbeitet worden, der aber nie unterzeichnet worden war. Außerdem müsse vor Abschluss solcher wichtiger Vereinbarungen die Zustimmung aus den Gremien eingeholt werden. Dies sei 2019 aber nicht erfolgt und hätte keine politische Mehrheit gefunden.

Die Hesse-Bahn war immer wieder in die Schlagzeilen gekommen, weil die Kosten für die Bahn exorbitant gestiegen waren. Ging man zu Beginn der Planung noch von 48 Millionen Euro aus, so haben sich die Kosten inzwischen verfünffacht. Noch im September 2025 hatte der Zweckverband eine Summe von 207 Millionen Euro als äußersten Betrag für die 19 Kilometer lange Strecke genannt. Doch waren die Kosten am Tag der Eröffnung Ende Januar auf etwa 240 Millionen Euro geklettert.

85 Millionen Euro für Fledermausschutz

Besonders kritisiert wurden auch die Kosten für den Naturschutz. Seit der Stilllegung 1983 hatten sich 18 Fledermausarten in den Tunneln aus dem Jahr 1872 angesiedelt. Um die Fledermäuse zu schützen, wurde in den Tunneln ein zweiter Tunnel eingebaut, der den Bau noch einmal um 85 Millionen Euro verteuerte.