Calw/Renningen/Weil der Stadt Die Hesse-Bahn schürt Emotionen

Von Marius Venturini 

Die freigelegte Trasse der Schwarzwaldbahn in Calw. Foto: Venturini
Die freigelegte Trasse der Schwarzwaldbahn in Calw. Foto: Venturini

Besuch an der historischen Strecke der Schwarzwaldbahn. Dabei findet der Calwer Landrat Helmut Riegger unmissverständliche Worte für die Kritik am Projekt, die aus Renningen und Weil der Stadt herüberweht.

Calw/Renningen/Weil der Stadt - Renningen und Weil der Stadt sind nicht in der Position, uns Ratschläge zu erteilen.“ Zack, das sitzt. Die Antwort des Calwer Landrats Helmut Riegger auf die Bitte nach einem Kommentar zur Situation um die Hermann-Hesse-Bahn im Kreis Böblingen fällt äußerst emotional aus. Doch damit nicht genug: „Einige sollten sich auf eine gute Zusammenarbeit besinnen“, schiebt Riegger nach.

Was sich zu einer Art Wutrede steigert, beginnt eigentlich harmlos. In Calw haben die Mitglieder des Vereins „Württembergische Schwarzwaldbahn“ einen Teil der historischen Trasse von Büschen und Bäumen befreit. Um sich ein Bild von den Arbeiten zu machen, stattet Helmut Riegger den Helfern einen Besuch ab. Quasi mitten im Ort geht es anfangs zunächst um die aus Calwer Sicht positiven Seiten der Hesse-Bahn, der geplanten Direktverbindung nach Renningen. Darum, dass eine Wirtschaftlichkeit sowohl im Elektro- als auch im Dieselbetrieb gegeben wäre und um das Warten auf den Fördermittelbescheid des Landes. Und darum, im Frühjahr 2015 mit den Bauarbeiten starten zu können.

Doch auf Renningen und Weil der Stadt angesprochen, ist der eitle Sonnenschein beim Calwer Landrat plötzlich dahin. Zur Erinnerung: der Renninger Gemeinderat hatte in der jüngsten Vergangenheit deutlich gemacht, dass die Bahn nur bis nach Weil der Stadt fahren soll. Das Gremium wandte sich gegen die geplanten Dieselloks, gegen zusätzliche Züge auf der Strecke zwischen Renningen und Weil. Außerdem, so fürchtet man am Rankbach, könnte es zu Problemen bei der S-Bahn-Taktung kommen. Und, so das schlimmste Szenario, es könnte durch die reaktivierte Hesse-Bahn der Teilort Malmsheim vom Schienennetz abgekoppelt werden – sollte dadurch eventuell die S-Bahnlinie 6 zwischen beiden Städten eingestellt werden (wir berichteten). Auch der Weil der Städter Bürgermeister Thilo Schreiber machte sich jüngst für seine Stadt als Endstation stark.

Die Bedenken kann Helmut Riegger allesamt nicht nachvollziehen. „Ein Zug der S 6 ist 220 Meter lang. Die Hesse-Bahn wäre 25 Meter lang“, führt er den Anwesenden an den stillgelegten Gleisen die Verhältnisse in Sachen Kapazität vor Augen. Und das Diesel-Thema? „Geräusche werden durch Rollen verursacht, nicht durch Diesel oder Elektro“, so der Landrat. Und außerdem: die Menschen, die nahe an die Bahn gebaut haben, „hätten sich das vorher überlegen sollen“. Insgesamt lautet sein Fazit: „Die Städte sollten die gute nachbarschaftliche Zusammenarbeit einhalten.“ Punkt.

Auch Roland Esken, der Vorsitzende des Vereins „Württembergische Schwarzwaldbahn“, hat wenig übrig für den Gegenwind, der aus dem Kreis Böblingen nach Calw weht. Vor allem die Angst um die S-Bahn sorgt bei ihm für Unverständnis. „Dass die Region Stuttgart wegen der Hermann-Hesse-Bahn die S-Bahn einstellt, ist doch sehr unwahrscheinlich.“ Andererseits denkt das ein oder andere Vereinsmitglied bereits einen Schritt weiter, über Renningen oder Weil der Stadt hinaus. Zum Beispiel der langjährige Vorsitzende Hans-Ulrich Bay. Er sagt: „Es könnte ja sein, dass die Bahn irgendwann bis nach Stuttgart durchfährt.“

Abseits dieser Gedankenspiele ist es Fakt, dass der Landkreis Calw die Planungen für das in der Dieselvariante 41,5 Millionen teure Vorhaben mit Vehemenz vorantreibt. „Wir gehen in Vorleistung und warten nicht, bis irgendjemand entscheidet“, so der Landrat. Dabei will sich der Kreis auch nicht von den Entscheidungsträgern in Renningen oder Weil der Stadt beirren lassen. Riegger: „Ich höre diese Ratschläge zwar, aber sie sind unangebracht.“ Als Endpunkt ist nach wie vor Renningen geplant – denn alles andere würde das Projekt in die gutachterliche Unwirtschaftlichkeit bugsieren und damit wohl sterben lassen.

Geplant ist nun ein sogenannter „Stresstest“ – er soll in Kürze aufzeigen, ob ein Bahnbetrieb zwischen Weil der Stadt und Renningen ohne Probleme beim S-Bahn-Takt und ohne größere Emissionen funktionieren könnte.

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