Die Deutsche Bahn schickt schon lange nicht mehr nur Züge über Gleise, sie verleiht auch Fahrräder oder bietet Mietwagen an. Die Dienste werden nun zusammengeführt. Foto: LG/ Kovalenko

Die Deutsche Bahn will nahtlose Mobilitätsangebote von Tür zu Tür bieten, die online einfach buchbar sind und die Reisekette vor und nach der Zugfahrt schließen: vom Mitfahrdienst bis zum Lastenrad.

Berlin - Die Deutsche Bahn AG gründet für den Ausbau ihrer zahlreichen ergänzenden Mobilitätsangebote eine neue Dachgesellschaft. Die DB New Mobility GmbH soll nach Informationen unserer Zeitung noch in diesem Frühjahr starten. Mit der neuen zentralen Geschäftssparte im Personenverkehr bündelt der größte Staatskonzern erstmals seine Aktivitäten im Carsharing und Radverleih (Flinkster, Call a Bike), bei abrufbaren Autos und Bussen (Clever Shuttle, Ioki, Talixo) sowie digitalen Plattformen (darunter Qixxit und Mobimeo).

Den Chefposten bei der DB New Mobility wird der Vertriebsexperte Kalle Greven übernehmen. Der Niederländer ist Gründer und Geschäftsführer der jungen Berliner IT-Firma Mobimeo, die digitale Mobilitätslösungen entwickelt und zum DB-Konzern gehört. Ein Bahn-Sprecher wollte die Informationen weder dementieren noch bestätigen. Er verwies auf bisherige Aussagen von DB-Vorstand Berthold Huber. Demnach will der Staatskonzern „auch jenseits der Schiene führender Anbieter eines umfassenden Mobilitätsportfolios in Deutschland und Europa bleiben“.

Digitalisierung verändert Mobilitätsbranche

Die Gründung der DB New Mobility GmbH wird auch in internen Strategiepapieren von DB-Chef Richard Lutz für den Aufsichtsrat angekündigt, die unserer Zeitung vorliegen. Darin betont die Konzernspitze, dass die Digitalisierung die Mobilitätsbranche grundlegend verändere und sich das Geschäftsmodell der Bahn schneller anpassen müsse als je zuvor. Selbstfahrende Autos und Busse sowie innovative IT-Plattformen erforderten „rasch neue Antworten“. Nur so könne man den veränderten Ansprüchen der Kunden gerecht werden. Nötig seien „neue, durchgehende Mobilitätsketten“ aus einer Hand.

Die DB New Mobility soll künftig mit schnellem Handeln dafür sorgen, dass das Kerngeschäft des Schienen- und Regionalbusverkehrs durch ergänzende Angebote gestärkt und gesichert wird. „Ein nahtloses digitales Kundenerlebnis gewinnt zunehmend an Bedeutung“, heißt es. Shared- und E-Mobility, (teil)autonomes Fahren und Online-Plattformen eröffneten attraktive Wachstumschancen.

Allerdings drängten Wettbewerber wie Mobike, der weltgrößte Radverleiher aus China, und der US-Mietwagendienst Uber aggressiv in die Märkte, warnt das interne DB-Strategiepapier. Andere Konkurrenten gründeten neue Einheiten. Genannt werden Bosch, der VW-Mitfahrdienst Moia sowie die Allianz der Carsharing-Firmen von Daimler und BMW, Car2go und Drive Now. Deshalb sei die konsequente Digitalisierung von Vertriebsprozessen nötig, um nicht „hinter Wettbewerber zurückzufallen“. So habe man zum Beispiel beim Carsharing von Flinkster und bei Call a Bike die Geschäftsmodelle „nicht rechtzeitig angepasst“, konstatiert die DB-Spitze selbstkritisch. Als entscheidend sieht der Konzern den Wettlauf um die besten digitalen Mobilitätsplattformen an, über die immer mehr Kunden ihre Reisen und Verkehrsmittel organisieren und buchen.

Neun Millionen Kunden nutzen DB Navigator

Mit dem DB Navigator sieht sich der Konzern dabei gut aufgestellt. Mit bis zu neun Millionen Nutzern und zwei Millionen verkauften Handytickets pro Monat gehört die App zu den erfolgreichsten Online-Reiseplattformen. Insgesamt werden den Unterlagen zufolge bereits mehr als 70 Prozent aller DB-Fernverkehrstickets online per Smartphone oder über das Portal Bahn.de gebucht. Deshalb ist es – wie berichtet – auch Teil der Chefagenda, den kostenintensiven Automatenverkauf von ICE-Fahrkarten mittelfristig bis 2023 ganz aufzugeben. Im Regionalverkehr sollen die Automaten aber bleiben.

Alle Bahn-Kunden sollen – wie exklusiv berichtet – bis zum Sommer erstmals schnell und zentral über eine neue „Bahn-ID“ auf alle Mobilitätsangebote online zugreifen können. „Ein Zugang für alle Produkte“, verspricht der Deutsche-Bahn-Vorstand in seiner vertraulichen Agenda. Für die zuverlässige Abwicklung soll die neue IT-Architektur Vendo sorgen, die in diesem Jahr schrittweise eingeführt wird. Mit Vendo will die Bahn ­digital schlagkräftiger werden und mit Angeboten fünfmal schneller als bisher am Markt sein.

Zudem sollen Bahn-Kunden ab nächstem Jahr über die neue zentrale DB-Online-Plattform auch auf Angebote anderer Unternehmen wie der Lufthansa, der Deutschen Telekom und der Allianz zugreifen können. Dazu soll Bahn-ID in das branchenübergreifende Netzwerk Verimi eingebunden werden. Das Ziel: über die Partner und Gesellschafter von Verimi möglichst viele neue potenzielle Bahn-Kunden zu erreichen.

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