Sven und Jule Baumgartner aus Kornwestheim haben sich einen Traum erfüllt und ihr eigenes Café eröffnet. Um einen Kaffee auszuschenken, müssen sie nicht mal ihr Grundstück verlassen.
Seit dem Wochenende ist es tagsüber deutlich schwieriger, ins Haus der Familie Baumgartner in Kornwestheim zu gelangen. Es bleibt einem kaum etwas anderes übrig, als über den kleinen Zaun im Vorgarten zu steigen, denn der reguläre Fußweg ist blockiert. Dort steht ein Verkaufswagen, darauf eine Siebträgermaschine mitsamt Kaffeemühle. Wer für unterwegs einen Kaffee kaufen will, muss einfach klingeln – und bekommt ihn frisch aufgebrüht.
Das Ehepaar hat sich den Traum vom eigenen Café mit dem geringstmöglichen Risiko erfüllt. „Wir können mit gutem Kaffee die Nachbarschaft bereichern und gleichzeitig unsere Jobs und Privatleben weiterführen“, erklärt Sven Baumgartner. Der 34-Jährige arbeitet als Ingenieur in der Autoindustrie, seine Frau Jule ist pädagogische Tanzlehrerin, kümmert sich zurzeit aber vor allem um die beiden Kinder.
Erster Café-Versuch in Schweden
„Unsere Faszination für Kaffee hat sich entwickelt, als wir nach Stuttgart gezogen sind“, sagt Sven. „Mittlerweile planen wir sogar unsere Urlaube so, dass wir bei Städtetrips immer die besten Cafés abklappern können.“ Die Idee für ihr „Café Noli“ kommt ihnen allerdings nicht in der Stadt, sondern auf dem schwedischen Land, wo Jules Eltern seit einiger Zeit leben. „Dort kann man im Sommer auf dem eigenen Grundstück relativ leicht Kaffee und Gebäck verkaufen“, erzählt Baumgartner. „Das haben wir ein Wochenende lang gemacht und gemerkt, dass sich das nur schwer mit dem Privatleben vereinen lässt.“
Insofern ist das Café Noli ein Kompromiss. „Es soll ein Hobby sein, das Spaß macht“, sagt Sven Baumgartner. „Und Spaß macht es nur, wenn du auch ein bisschen was verkaufst. Aber es ist nicht so, dass wir auf den Umsatz angewiesen sind, um über die Runden zu kommen.“
So könnten sie ihren Kaffee ohne wirtschaftliche Zwänge verkaufen, sagt er. Die Bohnen stammen von einer Bio-Kaffeerösterei aus Berlin, die sich faire Produktionsbedingungen und transparente Lieferketten auf die Fahnen geschrieben hat. Dennoch sind die Preise verhältnismäßig gering: Der Espresso kostet 2,20 Euro, für den Cappuccino sind es 2,90 Euro.
Am vergangenen Wochenende ging es mit großem Andrang los: 50 Becher habe er am Samstag verkaufen wollen, die seien bereits um 11.30 Uhr weg gewesen, sagt Sven Baumgartner. „Das war top, aber so muss es natürlich nicht jeden Tag sein.“ Für den Anfang hat das Café Noli montags bis mittwochs am Vormittag geöffnet, dazu kommen der Montagnachmittag und der Samstagvormittag.
Das Ehepaar scheint mit seiner Idee eine Nische getroffen zu haben. „So ein Angebot gibt es in der Gegend nirgends“, sagt ein Kunde, der sich am Dienstagmorgen auf dem Weg zur Arbeit einen Kaffee holt. „Wenn sich das herumspricht, hat das richtig Potenzial.“
Ideen für die nächsten Schritte hat Sven Baumgartner auch schon. Er habe mit der Bäckerei Dannemann gesprochen. Wenn es klappt wie geplant, könne er neben Kaffee bald auch kleinere Backwaren anbieten. Am liebsten wäre es ihm aber, wenn ausgehend vom Café Noli noch mehr Leben in die Stadt kommt. Er denke dabei etwa an Sitzmöglichkeiten auf ehemaligen Parkplätzen, wie es sie im Stuttgarter „Superblock“ gibt: „Das würde ich extrem cool finden.“
Und ein klein bisschen liebäugelt er dann doch auch mit dem Gedanken, seinen Kaffee auf einer eigenen Ladenfläche mit Sitzplätzen anzubieten. „Das hat aber noch Zeit und ist nur etwas für den Hinterkopf“, sagt er. „Darüber können wir vielleicht in zwei oder drei Jahren sprechen.“