Im städtischen Café Connect, dessen Erhaltung derzeit auf der Kippe steht, treffen sich zwei Mal in der Woche junge Erwachsene. Jule und Arman erzählen, warum die Menschen dort für sie wie eine Familie sind und das Café wie ihr Wohnzimmer ist.
Jule und Arman, die beide nur ihren Vornamen nennen, sind Stammgäste im Café Connect. Jeden Dienstag und Donnerstag sitzen sie an der gelb lackierten Bar in der Villa BarRock wenige Meter vom Ludwigsburger Bahnhof entfernt. Links hinter der Eingangstür steht ein knallblauer Tischkicker. Rechts eine Telefonzelle, die mit Stickern beklebt ist. „Love Metal, hate Fascism“, übersetzt liebe Metal-Musik, hasse Faschismus, steht auf einem Kleber. Arman bekommt von Elena Jäger, eine der beiden Verantwortlichen, einen Chai-Tee angeboten, noch bevor er seine Winterjacke ausgezogen und seine mitgebrachten Kekse in eine Schüssel gegeben hat. Man kennt sich.
Im Café Connect sollen junge Erwachsene aus Ludwigsburg und Umgebung zusammenkommen. Menschen, die sich engagieren wollen oder einen Ort suchen, an dem sie mit anderen ins Gespräch kommen können. Viele der Gäste haben Fluchterfahrung. Neben dem offenen Treff organisieren Elena Jäger und Julia Siebert gemeinsame Ausflüge wie Theater und Bouldern oder die Kulturtapete, bei der einmal im Monat in Kooperation mit der Bar Flint Musiker auftreten. Das Angebot soll möglichst niederschwellig und kostengünstig sein.
Initiative setzt sich für Erhaltung ein
Seit 2016 wird das Projekt der Stadt immer um zwei Jahre verlängert, und auch wenn schon häufiger über die Zukunft des Connects diskutiert wurde – so haarscharf auf der Kippe stand es noch nie. Im Ludwigsburger Haushalt klafft ein mehr als 15 Millionen großes Loch, an allen Enden muss gespart werden – wenn es nach der Stadtverwaltung geht, auch am Connect. Ende August 2025 könnte das Projekt beendet werden. Nach der Bekanntgabe der Sparmaßnahme haben sich Fraktionen und Vereine jedoch für den Verbleib ausgesprochen, und es hat sich eine Bürgerinitiative gebildet, die sagt: Das Connect muss bleiben. In dieser Woche verhandelt der Gemeinderat über den Haushalt. Doch was würde es eigentlich für die Menschen bedeuten, wenn man ihnen das Connect nimmt – ihr Wohnzimmer, das viel mehr ist als ein Sofa und ein Tischkicker, sondern Familie? Ein Besuch vor Ort.
Jule fällt mir ihren türkisfarbenen Haaren auf. Die 27-Jährige ist jeden Dienstag und Donnerstag im Café. Tagsüber arbeitet sie vier Stunden in einer therapeutischen Werkstatt. Um ihren Lohn aufzustocken, sitze sie nachmittags manchmal am Bahnhof und hoffe auf ein wenig Kleingeld, erzählt sie. „Ich habe ein Problem mit Einsamkeit und hier habe ich endlich etwas gefunden, wo es mir besser geht“, sagt sie über das Connect. Sie schätzt die Gemeinschaft und Offenheit. An der Theke tauscht sie ihre Sorgen gegen ein Spezi oder Kokoschips, die Elena Jäger auf ihre Empfehlung hin eingekauft hat. Und wenn am Ende des Abends das Kleingeld gerade nicht reicht, zahlt sie eben wann anders. Man vertraut sich gegenseitig. „Und das Besondere hier ist, dass ich mich einbringen kann“, sagt sie.
Café Connect hilft im bürokratischen Dschungel
Neben ihr sitzt Arman. Der Afghane kam 2016 nach Deutschland, seit fünf Jahren ist er regelmäßig im Café Connect und nimmt, wenn es seine Arbeitszeiten zulassen, an Veranstaltungen teil. „Ich fühle mich hier besser“, sagt er. Tagsüber fährt er mit dem Lkw durch Baden-Württemberg, abends in seine WG in Tamm, wo jeder in seinem Zimmer sitzt. „Das ist langweilig“, sagt er. Arman kam ohne seine Familie nach Deutschland, im Café Connect findet er Anschluss und Hilfe. Seit drei Jahren versucht er seinen Einbürgerungstest zu machen, in wenigen Monaten ist es soweit. Er merkt, wie die Menschen am Telefon auf ihn reagieren. Und er merkt auch, wie sie plötzlich antworten, wenn Elena Jäger für ihn anruft.
„Auch dann kann man hier herkommen. Wenn man total überfordert ist und zum Beispiel Hilfe mit Briefen braucht“, sagt Julia Siebert. Das Besondere am Connect? Es sei immer wieder spannend, wer abends nebeneinandersitzen würde, sagt sie. Menschen, die sich ohne das Connect nicht getroffen hätten. Raus aus der Filterblase. Dafür sorgen auch Veranstaltungen wie eine Drag Performance oder eine Queer Party. Vorhin war eine junge Frau da, die Flyer für eine Demo für die Legalisierung von Abtreibungen an den Ständer bei der Telefonzelle gehängt hat. „Wisst ihr, was Abtreibung bedeutet?“, fragt Elena Jäger die Gäste an der Theke. Gesprächsthemen gibt es genug, das fängt bei der Erklärung an, was das Wort hibbelig bedeutet, und endet noch lange nicht bei der Hilfe mit dem Einbürgerungstest.
„Wir wollen einen Ort bieten, an dem sich möglichst viele Menschen wohlfühlen“, sagt Julia Siebert. Wie ein Wohnzimmer eben. Wie es für ihn wäre, wenn es das Connect nicht mehr geben würde? „Das wäre schlimm“, sagt Arman.
Café Connect
Adresse
Das Café Connect ist in der Pflugfelder Straße 5, wenige Meter vom Ludwigsburger Bahnhof entfernt.
Öffnungszeiten
Es hat dienstags und donnerstags von 16 bis 20 Uhr geöffnet.