Die Geschäftsführerin Brigitte Hafner (li.), Seniorchefin Ruth Reisert-Hafner und Geschäftsführer Philipp Reisert blicken auf die Geschichte des Familienbetriebs zurück. Foto: Simon Granville

C. Hafner feiert in seiner Wimsheimer Zentrale sein 175-jähriges Bestehen. Die Ansiedlung war umstritten, seit Langem ist die Firma aber ein Aushängeschild der Gemeinde.

„Man sieht Ihnen Ihr Alter gar nicht an“, sagte Gunter Krichbaum mit Blick auf das moderne, lichtdurchflutete Gebäude im Wimsheimer Gewerbegebiet Breitloh-West, wo die Firma C. Hafner ihr 175-jähriges Bestehen feiert. „Ihr habt früh erkannt, dass man aus Abfall mehr machen kann“, meinte der Pforzheimer CDU-Bundestagsabgeordnete und Staatsminister im Außenministerium. In Pforzheim sei damals vermutlich das älteste Recycling-Unternehmen weltweit entstanden. „Wir sind zwar nicht die älteste Goldscheideanstalt, aber die älteste familiengeführte“, erklärte Philipp Reisert, der zusammen mit seiner Cousine Birgitta Hafner seit den 1990er-Jahren die Geschäfte der Firma C. Hafner führt.

 

Die beiden gehören bereits zur fünften Generation des 1850 von Carl Hafner gegründeten Unternehmens. Was damals als „Kehretsanstalt“ begann, die den Kehricht, also die Abfälle aus der Verarbeitung von Edelmetallen in der Region Pforzheim sammelte und wieder zu wertvollem Rohstoff aufarbeitete, wurde zu einer Erfolgsgeschichte. Noch heute lautet das Credo der Firma: kein Gold aus Minen, sondern ausschließlich sogenanntes Urban Mining, also nur mit schon vorhandenem Edelmetall arbeiten. Nachhaltigkeit ist ein in den Publikationen der Firma immer wieder betontes Prinzip.

Die C. Hafner GmbH hat ihre wechselvolle Entwicklung jetzt in einer allerdings nicht öffentlich zugänglichen Ausstellung unter dem Titel „Den Werten auf der Spur“ zusammengefasst. „Wenn man sich mit der Geschichte der eigenen Familie auseinandersetzt, wird man demütig“, sagte Philipp Reisert dazu, dessen hochbetagte Mutter und Seniorchefin Ruth Reisert-Hafner ebenfalls der Feier beiwohnte. „Jede Generation hatte ihre Herausforderungen, denen sie gerecht werden musste.“ Vom damals 20-jährigen Gründer Carl Hafner, der das Geschäft in Pforzheim von seinem Onkel Johann Gesell übernahm bis hin zur vierten Generation mit Ruth Reisert-Hafner, die nach 1945 das Unternehmen wieder aufbaute.

Und das kann sich sehen lassen. Am Stammsitz in der Goldstadt Pforzheim wurde 1997 eine Recycling-Anlage für Edelmetalle in Betrieb genommen, die durch den Einsatz moderner Technologie und erneuerbarer Energie weitgehend CO2-frei arbeitet. Vor gut zehn Jahren, als die Pläne der Firma Hafner bekannt wurden, ihre Zentrale mitsamt der sogenannten Gekrätzveraschung ins benachbarte Wimsheim zu verlegen, erhob sich ein Sturm der Empörung in dem kleinen, knapp 3000-Einwohner zählenden Ort. Bilder von riesigen, schwarzen Rauch ausstoßenden Schornsteinen am Waldrand kursierten in der Öffentlichkeit, Protestaktionen waren an der Tagesordnung, gegen den Bebauungsplan wurde geklagt und selbst die Zusammensetzung des Wimsheimer Gemeinderats wurde bei der Kommunalwahl 2014 durcheinandergewirbelt.

Arbeitgeber von rund 250 Beschäftigten

Die Firma mit heute rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verlegte 2015 ihren Hauptsitz mit einer modernen Verwaltungs- und Produktionsstätte nach Wimsheim. Die Recycling-Anlage blieb in Pforzheim. Der von den Protesten besonders betroffene Bürgermeister Mario Weisbrich, der vor seinem Studium an der Verwaltungshochschule eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei dem Unternehmen absolvierte, möchte diese heute nicht mehr thematisieren. „Das ist für mich erledigt“, sagt er auf Nachfrage. „Seit zehn Jahren läuft hier alles gut, die Firma ist längst in der Gemeinde angekommen und akzeptiert.“ Das bestätigen auch einige der Gemeinderäte im Gespräch.

Die Firmenzentrale. Foto: Simon Granville

Doch sowohl Gunter Krichbaum als auch der Landrat des Enzkreises, Bastian Rosenau, brachten diese Vorgänge bei der Jubiläumsfeier noch einmal zur Sprache. Mario Weisbrich habe auch gegen die Widerstände vor Ort dafür gesorgt, dass die Ansiedlung in Wimsheim realisiert werden konnte, so Krichbaum. Heute sei die Firma, die vor zwei Jahren mit der Wirtschaftsmedaille des Landes ausgezeichnet wurde, ein Schmuckstück im Ort und eine Bereicherung für die Region. Auch Landrat Rosenau erinnerte an die Auseinandersetzungen und dankte dem Bürgermeister und den Gemeinderäten, die die Ansiedlung schließlich mehrheitlich ermöglichten dafür, „dass ihr das durchgehalten habt.“ Die Firma sei heute ein Aushängeschild im Enzkreis.

Dank auch an die Beschäftigten in früheren Zeiten

Die Hafner-Geschäftsführer wiesen auf die Menschen hin, die hinter der langen Firmengeschichte stehen, nicht nur die eigenen Vorfahren, „die so viel aufgebaut haben“, so Birgitta Hafner, sondern auch die Mitarbeitenden. „Wir finden auch neue gute Mitarbeiter“, erklärte Philipp Reisert, „vielleicht auch dank unseres Standorts.“ Ausbildung, Know how und Technologie seien wichtige Zukunftsperspektiven sowie die Sicherheit, dass Edelmetalle auch künftig viele Einsatzmöglichkeiten haben.

Werten auf der Spur

Ausstellung
Die Ausstellung „Den Werten auf der Spur“ zeigt den langen Weg von Carl Hafner, der 1850 begann, mit Besen, Schaufel und Eimer loszuziehen, um auch kleinste Goldabfälle in den Schmuckwerkstätten der aufblühenden Goldstadt Pforzheim einzusammeln, diese durch Einschmelzen und chemische Prozesse von Verunreinigungen zu befreien und so aus Abfällen wieder reines Edelmetall herzustellen. Das Recycling der wertvollen Rohstoffe in einer Scheideanstalt ist bis heute das Kerngeschäft von C. Hafner. Gingen Gold und Silber früher überwiegend zurück an die Schmuckindustrie, so sind inzwischen weitere Einsatzmöglichkeiten erschlossen, etwa für den Dentalbereich, Komponenten für die Medizin-, Mess- und Regeltechnik und sogar für die Luft- und Raumfahrttechnik. In der Folge von steigenden Goldpreisen werden auch Feingoldbarren hergestellt und gehandelt.

Firmengeschichte
Die Firmengeschichte von C-Hafner ist im Internet unter https://175.c-hafner.de/ ausführlich dargestellt