Baustelle statt Saunafreuden: Das Wunnebad wird modernisiert. Foto: Gottfried Stoppel

Das Wunnebad in Winnenden ist zur Großbaustelle geworden. Die Saunalandschaft soll im Winter 2023 in Betrieb gehen, das Lehrschwimmbecken wird noch länger dauern. Die Badegäste sehen das entspannt.

Schwimmen macht gelassen. Zu diesem Schluss muss man kommen, wenn man sieht, wie unbeeindruckt die Schwimmer im Wunnebad ihre Bahnen ziehen, obwohl die Becken zurzeit rundum von Baustellen umgeben sind. Das Freizeitbad am Stadtrand von Winnenden ist seit März zur Großbaustelle geworden. Für 27 Millionen Euro wird das Bad an zwei Stellen gleichzeitig umgebaut – und das zwei Jahre lang.

 

Die Baustelle bietet immer Unterhaltung

Das Bad während der Bauarbeiten zu schließen war für Jochen Mulfinger, Geschäftsführer der Stadtwerke, keine Option. Dafür sei die Bauzeit zu lang und auch die Verantwortung zu groß. Schließlich sei das Wunnebad das einzige Bad für die Schulen in der Kreisstadt. Nun macht er mindestens einmal die Woche einen Rundgang über die Baustelle, um nach dem Rechten zu sehen. Bisher ist er dabei überwiegend auf Verständnis bei den Badegästen getroffen. Die meisten wissen es offenbar zu schätzen, welche Mühen die Stadtwerke auf sich nehmen, um Bade- und Baustellenbetrieb einigermaßen glatt nebeneinanderher zu organisieren. Auch Schwimmmeister Abdulfarah Wis hat den Eindruck, dass die meisten Badegäste den Baubetrieb tatsächlich eher als Vorteil sehen: Weil sie beim Schwimmen dann immer etwas zum Gucken haben.

Die Stadtwerke informieren per Bautagebuch auf Instagram

Aber nicht nur Vielschwimmer können verfolgen, wie die Bauarbeiten verlaufen. Im Bautagebuch berichten die Stadtwerke auf der Homepage und auf Instagram über die Fortschritte – trotz der Nachschubprobleme, die auf Baustellen gerade herrschen. Bei der Saisoneröffnung am 30. April waren noch die Presslufthämmer im Saunabereich zugange – der Bereich links der Rotunde also, wo später einmal der neue Saunabereich sowie ein Restaurant entstehen soll. Dort ist inzwischen nur noch Rohbau zu sehen. Dafür werden rechts der Rotunde gerade die ganz großen Geräte aufgefahren, um die Grube fürs künftige Schul- und Vereinsbecken auszuheben – dort also, wo sich einst der Flügel mit den Sommerumkleiden befand.

An dieser Stelle soll ein 25 Meter langes Innenbecken in einer eigenen Halle entstehen – das Wunnebad würde damit endlich über ein richtiges Hallenbad verfügen, das auch anspruchsvollen Wettkämpfen genug Platz bietet – und zwar eines, dessen Boden variabel eingestellt werden kann. Das ist für Anfänger- oder Schulschwimmkurse ein großer Vorteil. „Damit werden wir ein Bad sein, das allen Wünschen entspricht“, sagt Jochen Mulfinger freudig.

Das erste Freizeitbad der Region

Es ist nicht das erste Mal, dass Badegäste und Handwerker gleichzeitig im Bad zugange sind. Als das Wunnebad 1991 vom damaligen Oberbürgermeister Karl-Heinrich Lebherz eröffnet worden ist, waren noch große Teile der Liegewiese blankes Erdreich, und auf der Obstwiese reihten sich Maschinen und Container. Sieben Jahre hatte es damals vom Gemeinderatsbeschluss bis zur Eröffnung gedauert – weil nach und nach die Liste der Wünsche immer länger wurde. Dennoch war Winnenden die erste Stadt in der gesamten Region, die ein richtiges Freizeitbad ihr Eigen nennen durfte.

Lesen Sie aus unserem Plus-Angebot: Exklusiv für Digitalabonnenten – Ihr Haus von oben

Freizeitbäder gibt es inzwischen viele in der Region – und doch kommen bis heute viele Badegäste von auswärts. Denn das Wunnebad zeichnet inzwischen ein ganz besonderes Alleinstellungsmerkmal aus: Hier kann man auch im Winter im Freien baden – ein Umstand, den nicht nur Triathleten, sondern auch viele Freizeitschwimmer zu schätzen wissen. Die Öffnung des Schwimmerbeckens im Winter 2007/08 war eigentlich nur als Ersatz für das wegen Sanierung geschlossene Erlebnisbecken gedacht. Eine Initiative setzte sich dann dafür ein, dass aus dem Provisorium ein dauerhaftes Angebot wurde. Im Winter 2011 zählte die Stadt von Januar bis April im Schnitt täglich 689 Gäste. Auf die gesamte Wintersaison summierte sich das auf immerhin rund 100 000 Besucher.

Ein ganzjährig betriebenes Freibad gibt es sonst in Baden-Württemberg nur noch in Karlsruhe. Geheizt wird es mit einem Blockheizkraftwerk sowie der Abwärme der Eisbahn, die – noch ein Alleinstellungsmerkmal – seit 1998 ebenfalls zum Bad dazugehört.

Lesen Sie aus unserem Angebot: Das sind die schönsten Freibäder der Region

Ein Bad muss sich eben immer weiter entwickeln, sagt Jochen Mulfinger – sonst sei der Tod auf Raten vorprogrammiert. Das Schicksal des Cabrio-Bades in Weinstadt-Endersbach jedenfalls soll das Wunnebad nicht erleiden.