BW-Bank-Vorstand Michael Horn sagt, die Bank müsse sich damit befassen, die Negativzinsen an Kunden mit hohen Einlagen weiterzugeben. Foto: andreas pohlmann

380 Stellen hat die BW-Bank in den vergangenen Jahren abgebaut, weil die Filialen zu wenig genutzt werden. Nach Kritik von Kunden nimmt das Institut nun einen Teil der Streichungen zurück.

Stuttgart - Wie geht es weiter bei der BW-Bank?

Herr Horn, die BW-Bank hat ja in den vergangenen drei Jahren einen Teil der Filialen in reine Beratungscenter umgewandelt. Wie ist das neue Konzept bei den Kunden angekommen?

 Mit dem Konzept „BW morgen“ ging eine weitreichende Umstrukturierung unseres Filialnetzes einher. Die Umsetzung ist zwar noch nicht ganz abgeschlossen, aber schon jetzt zeigt sich, dass wir in einem Punkt wohl einen Schritt zu weit gegangen sind. Denn die Beratungscenter haben beim Kunden nicht die erwartete Akzeptanz gefunden. Deshalb steuern wir nun nach.

Woran liegt die unzureichende Akzeptanz?

Die Erfahrung der vergangenen drei Jahre hat gezeigt, dass viele Kunden eine Hemmschwelle überwinden müssen, um diese Center zu nutzen. Wenn sie zum vereinbarten Termin erscheinen, müssen sie in der Regel durch den Vorraum mit dem Geldautomaten gehen und dann klingeln oder sich abholen lassen. Diese Situation schafft bereits eine gewisse Hemmschwelle. Zudem sind manche Kunden so an eine Filiale gewöhnt, dass sie bei Beratungscentern auch für alltägliche Bankgeschäfte geklingelt haben. Der Berater musste dann entweder das Gespräch unterbrechen oder den Kunden draußen stehen lassen. Das war einfach nicht optimal.

Wie reagieren Sie auf diese Erfahrungen?

Wir werden nun schrittweise einen Teil der Beratungscenter wieder mit dem vollen Angebot einer Filiale ausstatten. Nicht alle Menschen möchten ihre Bankgeschäfte ausschließlich über das Internet abwickeln. Viele unserer Kunden suchen weiterhin den persönlichen Kontakt. Dafür stellen wir auch zusätzliche Mitarbeiter ein. Und wir werden einige Center in SB-Standorte umwandeln, wo die Kunden an Terminals ihre Bankgeschäfte sicher und schnell selbst erledigen können.

Sie haben ja in den vergangenen drei Jahren 380 Arbeitsplätze abgebaut. Wie viele besetzen Sie wieder neu?

Wir suchen derzeit rund 100 Mitarbeiter, darunter 70 zusätzliche Servicekräfte, die wir für das erweiterte Angebot an Dienstleistungen benötigen. Außerdem haben wir 30 offene Stellen in der Kundenberatung, die wir ebenfalls besetzen wollen.

Dann können Sie ja einen Teil der Beschäftigten, die seit 2016 die Bank verlassen haben, wieder zurückholen.

Nein, wir schreiben die Stellen ganz normal aus. Es tut uns als Bank gut, wenn wir für den Service auch Mitarbeiter aus anderen Branchen gewinnen können.

Viele Sparer klagen darüber, dass die Nullzinsen den Wert ihrer Vermögen dahinschmelzen lassen. Können Ihre Berater diesen Kunden helfen?

Die Kunden tragen riesige Summen an Liquidität zu uns, denen keine Verzinsung mehr gegenübersteht. Für einen Teil von ihnen wäre es durchaus sinnvoll, zumindest zur Beimischung in Aktien oder auch in Fonds zu gehen. Doch die Scheu gegenüber solchen Anlageformen, die neben Ertragschancen zwangsläufig auch ein Risiko mit sich bringen, ist nach wie vor groß.

Bedroht ein dahinschmelzendes Vermögen auf lange Sicht nicht die Vorsorge fürs Alter?

Viele Menschen haben noch gar nicht erkannt, in welches Risiko sie da hineinlaufen. Den Zinseszinseffekt, durch den Geldvermögen über die Jahre beträchtlich wachsen konnten, gibt es faktisch nicht mehr. Das trifft vor allem Menschen mit kleineren Vermögen, die auf diesen Effekt angewiesen sind. Und mit jedem Jahr, das die Niedrigzinsphase anhält, wächst die Lücke. Das bereitet mir große Sorgen.

Aktien und Wertpapierfonds bieten ja zumindest die Chance, das Vermögen trotz Nullzinsen zu mehren. Können Sie auch Kleinsparern zu diesen Anlageformen raten?

Als Stadtsparkasse haben wir einen guten Einblick, wie die Vermögen in der Region verteilt sind. Die hohe Liquidität der Kundschaft darf nicht den Blick dafür verstellen, dass ein beträchtlicher Teil der Menschen ein Geldvermögen von 15 000 Euro und weniger besitzt. Man muss deshalb sagen, dass bei vielen die Ersparnisse einfach nicht ausreichen, um Geld so langfristig zu binden, wie dies für eine Anlage in Aktien nötig ist. Aber Fondssparpläne, mit denen man jeden Monat auch kleine Beträge in Wertpapieren anlegen kann, sind hier eine gute Alternative.

Somit verdienen die vermögenden Anleger am jahrelangen Boom auf dem Aktienmarkt, während die weniger Begüterten schon froh sein können, wenigstens von Minuszinsen auf dem Girokonto verschont zu bleiben.

Wer von der Wertsteigerung bei Wertpapieren und auch bei Immobilien profitiert, kann den fehlenden Zins gut verschmerzen. Der Teil der Bevölkerung, der sich solche Anlagen nicht leisten kann, zieht dagegen den Kürzeren.

Wie viel Hoffnung können Sie den Menschen machen, dass die Zinsen wieder steigen werden?

Steigende Zinsen wird es so schnell leider nicht geben. Zur Wahrheit gehört aber auch: Ein deutlicher Anstieg der Zinsen würde in dem einen oder anderen EU-Land vermutlich zu einigen wirtschaftlichen Problemen führen.

Und der deutsche Staat profitiert davon, dass er seinen Gläubigern weniger zurückzahlen muss, als sie ihm geliehen haben.

Das ist richtig. Deutschlands öffentliche Haushalte können mit den Niedrigzinsen auf ihre Schulden sehr gut leben.

Was geschieht in dieser Situation mit den Geldern, die Ihre Kunden auf dem Girokonto stehen haben?

Die Kunden stellen uns derart viel Geld zur Verfügung, dass wir gar nicht anders können, als einen Teil davon bei der Europäischen Zentralbank anzulegen. Weil deren Zinssatz minus 0,4 Prozent beträgt, bekommen wir am Morgen weniger zurück, als wir am Abend eingezahlt haben. Den Verlust tragen wir bislang selbst, so dass der Privatkunde davon nichts spürt.

Wie lange kann das gutgehen?

Alle Banken stoßen hier an ihre Grenzen. Ich schließe deshalb nicht aus, dass auch wir uns so wie viele unserer Wettbewerber mit dem Thema Negativzinsen werden befassen müssen. Das würde sich dann aber nur auf sehr hohe Barvermögen beziehen, nicht auf den kleinen Sparer.

Wie lukrativ ist für die BW-Bank eigentlich die Anlageberatung von Kleinanlegern?

Die Regulierung ist in der Anlageberatung mittlerweile so weitreichend, dass sie für eine Bank in der Tat oftmals nicht mehr kostendeckend darstellbar ist. Das bereitet mir wirklich Sorge, weil die Konsequenz daraus ist, dass sich Banken mehr und mehr auf die lukrativere Beratung von vermögenden Kunden konzentrieren. Für die BW-Bank gilt aber ganz klar: Bei uns bekommt auch jeder Kleinanleger einen Termin zum Vermögensaufbau oder der Altersvorsorge bei seiner Beraterin oder seinem Berater.

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