Die Ludwigsburger Stadträte haben erneut gegen die Abschaffung des Stadttickets gestimmt und so bleibt es trotz Kostendruck erhalten. Zumindest bis Ende des Jahres.
Auch, wenn es im Wirtschaftsausschuss im Voraus kurzfristig anders erschien, ist das Ludwigsburger Stadtticket nicht kleinzukriegen. Oder besser: einzusparen. Der Gemeinderat hat am Mittwochabend zum dritten Mal darüber diskutiert, ob das durch die Stadt subventionierte Busticket eingestellt wird. Bei wenig Entscheidungen waren sich die Stadträte in der Abstimmung auch innerhalb ihrer Fraktionen so uneinig.
Seit August 2018 gibt es für die Ludwigsburger einen vergünstigten Fahrschein für das gesamte Stadtgebiet. Heute bezuschusst die Stadt das vier Euro teure Einzeltagesticket mit 2,51 Euro und das acht Euro teure Gruppentagesticket mit 4,64 Euro. Seit der Einführung sind die Ticketpreise und damit die Zuschüsse der Stadt immer wieder gestiegen. 2025 wurden monatlich rund 21.500 Einzel-Stadtttickets verkauft.
Weil der VVS im September die Tarife erhöht, und damit der städtische Zuschussbetrag steigt, gab es nun die Möglichkeit, zum 31. August aus dem Stadtticket auszusteigen. Andere Kommunen wie Tamm, Asperg, Marbach und Remseck haben das bereits getan. Die finanzielle Situation der Stadt ist bekannt: Die bereits angespannte Lage hat sich durch den Einbruch der Gewerbesteuer deutlich verschärft. Mit dem Ausstieg aus dem Ticket würden sich Einsparungen für den Nachtragshaushalt 2026 in Höhe von circa 280.000 Euro und für den städtischen Haushalt ab dem Jahr 2027 jährlich in Höhe 750.000 bis 900.000 Euro ergeben.
25 Millionen Gewerbesteuer fehlen
„Das Stadtticket ist eine Erfolgsgeschichte“, sagt OB Matthias Knecht. „Die Streichung zu diskutieren, fällt uns allen schwer, weil das Stadtticket gesellschaftliche Auswirkungen hat und die Kürzung das Unternehmen LVL treffen würde, das uns am Herzen liegt.“ Dennoch müsse man auch an liebgewonnenen Maßnahmen ansetzen.
Die Stadt hat 2025 Bürgerinnen und Bürger zur Nutzung des Stadttickets befragt. Das Ergebnis: 90 Prozent der Stadtticket-Nutzer würden ein anderes Ticket kaufen, „eine Abschaffung würde die Attraktivität des ÖPNV also kaum beeinträchtigen“, sagt Denise Kamp, Leiterin der Abteilung Mobilität.
Mit ihrem Team hatte sie sich nach einem Antrag der Grünen angeschaut, wie LudwigsburgCard-Inhaber in der Stadt weiterhin vergünstigt Bus fahren können. „Wenn wir das schaffen, verlieren wir nur wenige Nutzer“, so Stadtrat Michael Vierling in der Aussprache. Die Stadt hatte dazu vorgeschlagen, LudwigsburgCard-Inhabern pro Jahr ein 10er-Tagesticket oder ein Monatsticket zu erstatten.
„Wir brauchen ein Gesamtpaket“
Zwar verwiesen viele Stadträte darauf, dass sich die Situation seit der Einführung 2018 verbessert habe und viele Menschen durch andere Ticketangebote preiswert Bus fahren. Mit einem 10er-Tagesticket würden die Bürger beispielsweise pro Tagesticket 1,10 Euro mehr als mit dem Stadtticket zahlen. Schwer tat sich die Mehrheit jedoch damit, das Stadtticket als einzelne Sparmaßnahme zu beschließen. „Wir wären bereit, das Stadtticket in einem Paket einzubringen, das der Gemeinderat mehrheitlich beschließt und sich dann gemeinsam vor die Bevölkerung stellt“, sagte Daniel O’Sullivan (SPD). „Denn eigentlich können wir uns gar nichts mehr leisten – auch das Stadtticket nicht.“
Schlussendlich stimmte die Mehrheit gegen die Streichung des Stadttickets, nur sieben Stadträte stimmten dafür, fast genau so viele enthielten sich. „Damit geht uns die Munition für dieses Jahr verloren“, sagte Knecht, und kündigte an, das Thema rechtzeitig zum Ausstieg Ende des Jahres wieder auf den Tisch zu bringen – dann mit einer ausgearbeiteten Lösung für einkommensschwache Ludwigsburger.