Anlässlich der Vorstellung der neuen Linienführungen präsentierte das Unternehmen Frank & Stöckle zwei neue Elektrobusse. Foto: Giacinto Carlucci

Zum 1. Juni soll der Busverkehr in Göppingen verbessert werden: Mit dichteren Takten, neuen Linienführungen und Ausweitungen – vor allem auch die Stadtteile.

Kurz nach 12 Uhr rangieren am Freitag zwei Elektrobusse auf dem Göppinger Bahnhofsvorplatz: ein größerer im orangefarbenen VVS-Design und ein kleinerer. Beide Fahrzeuge stammen vom Busunternehmen Frank & Stöckle aus Hattenhofen. Der Anlass für die Fahrzeugschau: Das Linienbündel Göppingen 01, in dem eine bestimmte Zahl von Buslinien zusammengefasst ist, war im Rahmen des neuen Nahverkehrsplans europaweit neu ausgeschrieben worden. Gewonnen hat Frank & Stöckle, das Verkehrsunternehmen bleibt damit der Betreiber des Busverkehrs im Stadtgebiet Göppingen.

 

Gezielte Anbindung von Wohngebieten

Zum 1. Juni soll das Angebot deutlich verbessert werden. Mit dichteren Takten, neuen Linienführungen und Ausweitungen wollen der Landkreis Göppingen als Träger des öffentlichen Nahverkehrs, die Stadt Göppingen und der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) gemeinsam für eine Aufwertung sorgen. Jörg Wienecke, Amtsleiter Mobilität und Verkehrsinfrastruktur im Landratsamt Göppingen, sprach bei dem Vor-Ort-Termin auf dem Göppinger Bahnhofsvorplatz von einem „deutlich attraktiveren Angebot für die Bürgerinnen und Bürger“. Die Kassenlage sei aber weiterhin sehr angespannt. Die Verbesserungen seien daher „durch Optimierungen bei den bisherigen Linienverläufen erreicht worden sowie durch Umschichtungen von Leistungen – mehr Geld investieren wir nicht.“ Der Landkreis erhoffe sich so eine erhöhte Nachfrage, „was am Ende auch die Einnahmenseite stärkt und so zu einer finanziellen Entlastung beitragen kann“, erläuterte Wienecke.

Der Göppinger Oberbürgermeister Alex Maier hob insbesondere die Verbesserungen für die Stadtteile hervor. „Das erweiterte Fahrplanangebot für Bartenbach, den Galgenberg und den Stauferpark ist ein wichtiger Schritt, um lange bestehende Wünsche der Stadt umzusetzen“, betonte der Rathauschef. Die Stadt verbessere damit gezielt die Anbindung von Wohngebieten. In finanziell angespannten Zeiten sei dies „keine Selbstverständlichkeit“. Es habe eine lange Vorbereitung und viele Diskussionen mit dem Landratsamt gegeben, und die Stadt habe versucht, „das Maximum für Göppingen herauszuholen“. Der Landkreis und der VVS seien „gute Partner“ für die Stadt, lobte Maier.

Alle 200 Haltestellen sollen barrierefrei werden

Parallel zu den am 1. Juni greifenden Verbesserungen begleitet die Stadt „diese Entwicklung perspektivisch mit der Umgestaltung und Aufwertung von Haltestellen im Stadtgebiet“, sagte Maier. Die rund 200 Haltestellen sollen in den kommenden Jahren alle barrierefrei werden. Der OB erwähnte auch den geplanten Neubau des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB) – mit dem Vorteil von größeren Kapazitäten und Barrierefreiheit. „Wir von Frank & Stöckle freuen uns, den Stadtverkehr in Göppingen weiterhin betreiben und die Verbesserungen aktiv mit umsetzen zu können.

Es sei ein großer Vorteil, wenn die Fahrerinnen und Fahrer das Verkehrsgebiet schon kennen würden. „Wir sind zuversichtlich, dass alles gut anlaufen wird, bitten aber um Verständnis, wenn es an der einen oder anderen Stelle vielleicht noch nicht rund läuft“, meinte der in Hattenhofen ansässige Busunternehmer Carsten Frank bei dem Termin am Freitag.

Alle Linienbündel sollen bis Ende 2027 fertig geschnürt sein

Auch VVS-Geschäftsführer Jan Neidhardt unterstrich die Bedeutung der Anpassung des Göppinger Stadtverkehrs: „Mit dichteren Takten und klareren Linienführungen erhöhen wir die Attraktivität des städtischen Busverkehrs.“ Neidhardt betonte, wie wichtig beim Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs die gemeinsamen Planungen aller Partner seien: „Zusammen haben wir einen Blick aufs ganze System, das macht das Angebot aus, das wir unseren Fahrgästen bieten können.“ Der VVS-Geschäftsführer sprach von einem „echten Wochenendangebot für Maitis und hoch nach Hohenstaufen“.

Seit 2009 ist die EU-Verordnung Nr. 1370/2007 in Kraft. Sie gibt vor, dass alle Buslinien, die öffentlich gefördert werden, nach bestimmten Vergabevorschriften ausgeschrieben werden müssen. Damit nicht jede einzelne Linie extra vergeben werden muss, wurden Linienbündel geschnürt, in diesem Fall das Bündel 01 im Landkreis Göppingen. Zu diesem zählen die Linien 901, 901A, 902, 903, 904, 905, 906, 908, 933, 933A, 980, 980A, 997 und N94. Die Firma Frank & Stöckle ist Gewinner des Wettbewerbsverfahrens. Insgesamt wurden zehn Linienbündel im Landkreis Göppingen neu ausgeschrieben, das jetzt vorgestellte Linienbündel Göppingen 01 ist das dritte von zehn. Bis Ende 2027 sollen alle zehn Bündel im Landkreis Göppingen fertig geschnürt sein.