Ein Realschüler hat den Zustand mehrer Melchinger-Busse fotografiert. Bei diesem sind Stellen mit Klebeband abgeklebt. Foto: privat

Seit die Firmen FMO und Melchinger auf den Fildern mehrere Buslinien übernommen haben, funktioniert vieles nicht mehr gut. Fahrgäste stellt das vor ein echtes Problem. Nun wehren sich Schüler, Eltern und Rektoren.

Filderstadt - Einem Jungen schießen ganz kurz die Tränen in die Augen. Das Thema Hin- und Rückweg zur Schule ist längst emotional geworden; so viel Stress bedeuten die fehlende Zuverlässigkeit und der Zustand der Busse für diejenigen, die in Filderstadt zur Schule gehen. Viele pendeln aus dem Aichtal auf die Filderebene; eine Strecke, die die meisten nicht mit dem Fahrrad oder dem Elterntaxi zurücklegen, sondern mit einem der Linienbusse, die dort fahren. Doch eben dies ist in letzter Zeit schwierig geworden. Erkundigt man sich unter Schülern und Eltern der Filderstädter Schulen, wie es mit den Bussen klappe, wird man regelrecht überladen mit Reaktionen. Der Frust, die Wut und die Verzweiflung sind immens.

Von Anfang an gab es immer wieder Ärger

„Die Busse sind eigentlich immer zu spät, kommen oft gar nicht, und der Zustand der Fahrzeuge ist katastrophal“, fasst es Lasse zusammen. Der 15-Jährige besucht die 10. Klasse der Realschule Bonlanden. Sein Klassenkamerad Erik (16) ergänzt: „Seit FMO beziehungsweise Melchinger die Busse übernommen haben, ist alles sehr viel schlechter geworden.“ Einzelne Bushaltestellen wurden gestrichen, Routen werden teilweise spontan geändert, Anschlussbusse oft nicht erreicht.

Seit knapp zwei Jahren sind mehrere Buslinien auf den Fildern in der Hand der Deutschen-Bahn-Tochter Friedrich-Müller-Omnibus (FMO), vor einem Jahr kamen weitere Linien hinzu. FMO wiederum hat die Firma Melchinger für einige Linien als Subunternehmer beauftragt. Von Anfang an gab es mit FMO und Melchinger immer wieder Ärger. „Aber seit diesem Herbst ist es katastrophal“, sagt Simone Bessing. Sie ist Elternbeiratsvorsitzende der Realschule Bonlanden sowie Elternvertreterin einer fünften Klasse am Elisabeth-Selbert-Gymnasium Filderstadt. Dadurch bekommt sie viel mit, zuletzt viel Frust.

Schüler klagen über rüpelhaftes Verhalten

„Wir kommen an drei bis vier Tagen zu spät oder beinahe zu spät in die Schule“, sagt ein Realschüler. Zudem seien die Fahrzeuge „schrottreif“. Kürzlich hätte wieder einmal bei einem Bus die hintere Tür nicht funktioniert. Während der Fahrer versucht habe, die Tür zu reparieren, sei der Bus plötzlich losgerollt – führerlos, aber mit Fahrgästen darin. Gerade noch rechtzeitig habe der Fahrer nach vorne rennen und die Bremse ziehen können. „Man muss froh sein, wenn man heil ankommt“, sagt der Zehntklässler. Mehrere Schüler haben auch Fotos und Videos vom Inneren der Busse gemacht, welche unserer Zeitung vorliegen, aus rechtlichen Gründen aber nicht veröffentlicht werden. Auf den Bildern sieht man kaputte Sitze, lose Kabel und fehlende Notfallhebel.

Vor allem für jüngere Fahrgäste ist auch das teils rüpelhafte Verhalten mancher Fahrer schlimm. Einmal sei ein Schüler mit einer unflätigen Bemerkung betitelt worden, weil der Fahrer dachte, dass dieser permanent den Stoppknopf drückte, sagt ein Junge. Tatsächlich aber sei der Stoppknopf defekt gewesen. „Und kürzlich ist ein Fahrer so nah auf den Gehweg gefahren, dass er uns fast erwischt hätte. Als wir ihn darauf angesprochen haben, sagte er: ‚Was soll die Scheiße? Fahr doch nächstes Mal selbst‘“, berichtet ein 17-jähriger Schüler. Dazu kommt, dass viele Fahrer wenig Deutsch sprechen würden, die Gegend nicht kennen und bei den Fahrgästen nachfragen müssten, wie die Strecke verlaufe und wo die Haltestellen seien.

Schüler ist von Bernhausen nach Bonlanden gelaufen

Lehrer und Schulleiter wollen den Zustand nicht länger hinnehmen. Der Rektor der Bonlandener Realschule, Thomas Dreher, sagt: „Durch die Verspätungen der Busse fällt Unterrichtszeit aus. Und das Zuspätkommen der Schüler bringt Unruhe in den Unterricht.“ Aus diesem Grund hätten sich einige Schulleiter zusammengetan, im Dezember soll es eine Art Krisentreffen geben. „Wir haben zwei Anliegen: Pünktlichkeit und Sicherheit.“

Vor Kurzem sei ein Schüler die mehr als drei Kilometer lange Strecke von Bernhausen nach Bonlanden gelaufen, weil der Bus wieder einmal nicht gekommen sei, berichtet Rektor Dreher. „Er kam dann natürlich zu spät in der Schule an – und hat sich deshalb nicht mehr hinein getraut. Wir haben deshalb die Eltern angerufen, wo der Junge bleibt – die dachten natürlich, er sei in der Schule.“ Schließlich fanden Lehrer das Kind verängstigt an der Bushaltestelle sitzen. So etwas solle sich nicht wiederholen, betont der Rektor.

Derzeit laufen Befragungen der Busfahrer

Einzelne Schulleiter sind bereits auf die Stadt Filderstadt und das Landratsamt Esslingen zugegangen. Die sind nämlich gemeinsamer Auftraggeber des Busunternehmens. „Die Thematik ist durchaus ärgerlich“, sagt der Filderstädter Oberbürgermeister Christoph Traub. „Wir haben von Beginn an immer wieder von Nachteilen gehört, seitdem die neue Firma dort fährt.“ Aus diesem Grund stünde das Filderstädter Ordnungsamt derzeit in ständigem Kontakt mit dem Landratsamt Esslingen sowie den Busfirmen. „Wir erkennen den Bedarf, dass man nachsteuert“, sagt Christoph Traub. Dem Busunternehmen den Auftrag zu entziehen, ist unterdessen nicht ganz einfach. FMO – und damit auch Melchinger – hat den Zuschlag für acht Jahre erhalten. Allerdings ist Vertragsbrüchigkeit zumindest theoretisch ein Grund, einem Unternehmen den Zuschlag vorzeitig zu entziehen.

Melchinger reagiert auf die schriftlichen Fragen unserer Zeitung nicht. Am Telefon würgt eine Mitarbeiterin ab: „Wir wollen dazu keine Stellung beziehen.“ Auf Nachfrage bei FMO sagt der Verkehrs- und Betriebsmanager Axel Koffmane, dass einige der Probleme bekannt seien und man derzeit „in enger Zusammenarbeit mit Melchinger versuche, diese Probleme zu beseitigen“. Derzeit würden beispielsweise Befragungen der einzelnen Busfahrer laufen. „Wir gehen den Vorwürfen nach und bitten auch darum, dass uns Fahrgäste Probleme melden, damit wir diese auswerten können.“ Wünschenswert für die Busfahrgäste wäre jedenfalls, dass bald eine Verbesserung eintritt.

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