Wegen des niedrigen Bordsteins müssen Fahrgäste an der Haltestelle Hans-Rehn-Stift einen großen Schritt in und aus dem Bus machen. Foto: Sandra Hintermayr

Die Stadt tut bereits viel in Sachen Barrierefreiheit. Doch ausgerechnet die Bushaltestelle am Hans-Rehn-Stift, an der viele gehbehinderte Menschen einsteigen, ist nicht auf dem neusten Stand. Wann kommt der Umbau?

Rohr - Ein Höhenunterschied von 20 Zentimetern erscheint wenig. Doch Menschen, die nicht mehr ganz so gut zu Fuß sind, stellt er vor enorme Schwierigkeiten. Diesen Höhenunterschied gilt es zu überwinden, wenn man an der Haltestelle Hans-Rehn-Stift in den Bus einsteigen möchte. „Gerade hier sind viele gehbehinderte Menschen unterwegs, aber auch Eltern mit Kinderwagen“, sagt Roland Wörner vom Heimbeirat des Hans-Rehn-Stifts. Doch ausgerechnet die Haltestelle am Pflegeheim ist nicht barrierefrei.

Dabei ist die Stadt durchaus bestrebt, die Barrierefreiheit bei der Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs auszubauen, etwa durch ertastbare Blindenleitplatten auf dem Boden oder durch höhere Bordsteine an Bushaltestellen. Von diesen Spezialbordsteinen gibt es bereits einige in Stuttgart, informieren die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB). Die Randsteine sind 18 Zentimeter hoch. Wenn der Bus beim Halten abgesenkt wird, bleibt ein Höhenunterschied von circa sieben Zentimetern – davon ist die Haltestelle am Hans-Rehn-Stift weit entfernt. Roland Wörner hat nachgemessen: Der Bordstein in der Kurve, in der der Bus hält, ist fünf Zentimeter hoch. Selbst durch das Absenken des Busses bleibt ein großer Höhenunterschied beim Ein- und Ausstieg. Wörner wünscht sich, dass die Stadt beziehungsweise die SSB die Haltestelle zügig umbauen. Einen entsprechenden Vorschlag hat er bereits in den Bürgerhaushalt eingebracht.

Die Haltestelle soll mit dem Neubau des Stifts umgebaut werden

Auf Anfrage erklärt Birte Schaper, Pressesprecherin der SSB, dass der Umbau der Haltestelle am Pflegeheim in Planung sei. „Beim Neubau des Hans-Rehn-Stifts wollen wir die Haltestelle barrierefrei gestalten“, sagt Schaper. Zuständig für die Planungen und die Umsetzung sei aber die Stadt.

Roland Wörner ist mit dieser Aussage nicht zufrieden. „Das Stift wird frühestens 2023 abgerissen, und der Neubau dauert sicher zwei, drei Jahre“, sagt der Heimbeirat. Bis zu einer barrierefreien Bushaltestelle würden demnach noch mindestens sechs Jahre vergehen. Das sei zu lange, findet Roland Wörner. „Wenn die Stadt sich jetzt ranhält und eine schnelle Lösung findet, haben die Leute, die jetzt und in den kommenden Jahren im Stift wohnen, noch etwas davon“, sagt Wörner. Zudem sei der Bereich, in dem die Haltestelle liegt, gar nicht von den Baumaßnahmen betroffen. „Die Baustellen würden einander nicht tangieren“, sagt Wörner.

Ein vorzeitiger Ausbau ist im Gespräch

Dem widerspricht das Tiefbauamt. Für den Ausbau seien Flächen des Stifts notwendig. „Im Vorfeld des Wettbewerbs zum Neubau des Hans-Rehn-Stifts gab es Planungsvarianten und einen Fahrversuch der SSB vor Ort, wie an dieser Stelle eine barrierefreie Bushaltestelle realisiert werden kann“, teilt das Tiefbauamt schriftlich mit. Ursprünglich sollte die Haltestelle nach dem Umbau des Pflegeheims barrierefrei werden, bestätigt die Stadt. Das Tiefbauamt sei aber in Kontakt mit dem Eigenbetrieb Leben und Wohnen, dem Betreiber des Hans-Rehn-Stifts, um zu prüfen, „ob an dieser Stelle ein vorzeitiger barrierefreier Ausbau möglich ist“. Das Tiefbauamt stimme derzeit Details mit dem Eigenbetrieb ab und könnte die Haltestelle gegebenenfalls nächstes Jahr barrierefrei umbauen, schreibt die Stadt.

Roland Wörner sucht derweil den Kontakt zur Arbeitsgruppe Barrierefrei, die sich aus dem Vaihinger Bezirksbeirat gegründet hat. Deren Mitglieder engagieren sich seit Jahren dafür, die Barrieren im Stadtbezirk abzubauen. So haben sie mittlerweile erreicht, dass die Bushaltestelle am Rathaus im Vaihinger Zentrum barrierefrei ausgebaut wird. Einen genauen Zeitplan dafür gibt es aber noch nicht.

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