Bis zu 10.000 Kamele will die australische Regierung töten lassen. (Symbolbild). Foto: dpa/Benno Schwinghammer

Als Folge der seit Monaten anhaltenden extremen Dürre hat Australien mit der Zwangstötung von bis zu 10.000 Kamelen begonnen. Wegen einer für die kommenden Tage erwarteten Hitzewelle ordneten die Behörden zudem neue Evakuierungen an.

Canberra - Als Folge der seit Monaten anhaltenden extremen Dürre hat Australien mit der Zwangstötung von bis zu 10.000 Kamelen begonnen. Die Tiere gefährdeten entlegene Ortschaften der Ureinwohner, teilten die Behörden am Mittwoch zur Begründung mit. Für die kommenden Tage wird mit neuen Hitzewellen gerechnet, die die Dürre und damit auch die Buschbrände im ganzen Land verstärken dürften. Die Behörden ordneten deshalb neue Evakuierungen an.

Scharfschützen sollen die Kamele von Hubschraubern aus abschießen. Die Tötung erfolge nach höchsten Tierwohl-Standards, betonte das Umweltministerium des Bundesstaates South Australia. Riesige Herden von Kamelen seien auf der Suche nach Wasser und Nahrung inzwischen bis in Gemeinden der Aborigines vorgedrungen, hätten das Trinkwasser verschmutzt und die knappen Lebensmittelvorräte geplündert.

Kritik an Vorhaben aus Somalia

Die Tötung ist die erste dieser Art in dem Bundesstaat und findet in Anangu Pitjantjatjara Yankunytjatjara (APY) statt, einem Verwaltungsbezirk, in dem etwa 2300 Aborigines leben. Sie diene nicht nur dem Schutz der Menschen, sondern auch dem Wohl der Herden, erklärte das Ministerium. Es seien bereits Tiere verdurstet oder hätten sich gegenseitig totgetrampelt.

Aus dem afrikanischen Somalia kam Kritik am Vorhaben der australischen Behörden: Auf Twitter haben Dutzende User Australiens Regierung aufgefordert, auf die Tötung zu verzichten. Die Tiere sollten stattdessen nach Somalia gebracht werden. In Somalia hat die Kamelzucht eine Jahrhunderte alte Tradition, die Tiere sind kulturell bedeutsam. Es gibt sogar Gedichte, die die ihre Schönheit thematisieren. Traditionell wird der Reichtum eines Somaliers daran abgelesen, wieviele Kamele er besitzt.

1 Million Kamele leben in Australien

In Australien wurden Kamele dagegen erst nach der Kolonisierung Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Briten eingeführt, um sie für die Erschließung des riesigen Binnenlandes zu nutzen. Heute leben in der australischen Wüste vermutlich so viele wilde Kamele wie nirgendwo sonst auf der Welt, wahrscheinlich mehr als eine Million Tiere. Sie gelten als Plage, da sie Quellen verseuchen und bei der Futtersuche die natürliche Flora zertrampeln. Menschen, die in der APY-Region Land besitzen, fangen seit Jahren Kamele ein und verkaufen sie. In jüngster Zeit seien sie der großen Zahl von Tieren, die wegen der Dürre in das Gebiet strömten, jedoch nicht mehr Herr geworden, teilte das Umweltministerium mit.

2019 war das trockenste Jahr in Australien seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die extreme Dürre ist einer der Hauptgründe für die Buschbrände im Land. Diese drohen sich mit einer bevorstehenden Hitzewelle erneut zu verstärken. In mehreren Regionen wurden deshalb erneut Evakuierungen ausgerufen. „Gehen Sie - und vor allem: Gehen Sie rechtzeitig“, forderte am Mittwoch die Polizeiministerin des Bundesstaates Victoria, Lisa Neville. Mit der erneuten Evakuierungsaktion hätten die Behörden „schlicht und ergreifend ein einziges Ziel: Leben retten“.

Auch Känguru-Insel teilweise evakuiert

In Victoria betrifft die neue Evakuierungsanordnung vor allem mehrere Ortschaften im Osten des Bundesstaates. Auch auf der bei Touristen beliebten Känguru-Insel südlich von Adelaide im Bundesstaat South Australia wurden Menschen aus ihren Häusern geholt und an sichere Ort gebracht.

Im Kampf gegen die Flammen starb derweil erneut ein Feuerwehrmann, es war bereits das vierte Todesopfer in den Reihen der Einsatzkräfte. Insgesamt starben bei den Bränden damit seit September 26 Menschen. Mehr als 2000 Häuser zerstörten die Brände aktuellen Angaben zufolge. Etwa acht Millionen Hektar Land - in etwa die Größe Kaliforniens oder Irlands - wurden Opfer der Flammen. Der Rauch von den Bränden zog inzwischen auch ins 12.000 Kilometer entfernte Südamerika, wo er am Dienstag (Ortszeit) Brasilien erreichte.

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