Jürgen Wurmthaler, seit 2002 beim Verband Region Stuttgart als Leitender Direktor zuständig für die Bereiche Verkehr und Wirtschaft, hört Ende 2026 auf. Wer ihm nachfolgt, steht vor der großen Aufgabe, einen neuen S-Bahnvertrag auszuhandeln.
Der Verband Region Stuttgart (VRS) muss sich auf Personalsuche für einen seiner wichtigsten Posten machen: Der unter anderem für den S-Bahnverkehr in Stuttgart und den Kreisen Ludwigsburg, Rems-Murr, Esslingen und Böblingen zuständige VRS-Direktor, Jürgen Wurmthaler, strebt keine weitere Amtszeit an. Entsprechende Informationen unserer Redaktion wurden aus Verbandskreisen bestätigt.
Drei Amtszeiten
Noch bleibt Zeit für die Personalakquise. Wurmthaler wolle bis zum Ende seiner Amtszeit im Dezember 2026 an Bord bleiben. Dann endet eine lange Laufbahn beim Verband, die für den Bauingenieur Wurmthaler mit Gründung des VRS 1994 als Referent begann. Seit 2002 ist er Leitender Direktor. Eine Position, die von der Regionalversammlung per Wahl vergeben wird. Acht Jahre dauert die Amtszeit, aktuell absolviert Wurmthaler seine dritte. Zuletzt war er im Juli 2017 mit 72 von 78 Stimmen und mit viel zeitlichem Vorlauf wiedergewählt worden: seine dritte Amtszeit begann am 1. Dezember 2018.
Die Aufgaben sind vielfältig und gliedern sich in die Bereiche Wirtschaft und Verkehr. Auch wenn Wurmthaler und sein Mitarbeiterstab so unterschiedliche Felder beackern wie das regionale Verkehrsmanagement, den Tourismus, Europafragen, wirtschaftliche Zusammenarbeit und die Abfallwirtschaft so wird er häufig vor allem mit einem Thema in Verbindung gebracht, zu dem viele der rund 2,8 Millionen Menschen, die im Verbandsgebiet leben, Berührungspunkte haben: der S-Bahnverkehr.
Dicker Vertrag regelt den S-Bahnverkehr
Den plant und bestellt die Region – und unterhält mittlerweile eine wachsende Flotte von eigenen Zügen, die aktuell von Personal der Deutschen Bahn bewegt wird. Geregelt sind die Details in einem mehr als 700 Seiten starken Vertrag – der zwar nicht wie beim Beginn der Laufzeit im Jahr 2013 im Jahr 2028 endet, sondern bis 2032 verlängert wurde. Gleichwohl wird eine der Hauptaufgaben von Wurmthalers Nachfolger oder Nachfolgerin darin bestehen, einen neuen Kontrakt auszuhandeln zu Bedingungen, die auch von den Mitgliedern der Regionalversammlung diktiert werden.
Immer wieder klingt in den Sitzungen des regionalen Verkehrsausschusses an, dass die Regelungen mit dem noch zu findenden Eisenbahnverkehrsunternehmen, das im Auftrag der Region auf dem ausgedehnten S-Bahnnetz unterwegs ist – gefahren werden jährlich mehr als zwölf Millionen Kilometer – enger zu fassen sind. Die Regionalräte konnten in den zurückliegenden Jahren häufig nur zusehen, wie die erbrachte Leistung häufig nicht dem entsprach, was man vereinbart hatte.
Veränderungen im Netz stehen an
Am augenscheinlichsten wurde das Ende 2023, als die Bahn zur Stabilisierung ihres aus den Fugen geratenen Fahrplans bekannt gab, 2024 nicht mehr die vertraglich vereinbarte Leistung zu bringen und den Takt reduzierte. Das gehört seit dem jüngsten Fahrplanwechsel der Vergangenheit an, zeigt aber, dass der neu zu schließende Vertrag nicht ohne Fallstricke ist.
Der oder die Neue wird bei Amtsantritt im Dezember 2026 womöglich ein gegenüber heute verändertes S-Bahnnetz vorfinden. Wenn die Bahn Wort hält, dann geht bereits im September 2026 als Vorbote von Stuttgart 21 die neue Haltestelle Mittnachtstraße in Betrieb, an der sämtliche Linien des S-Bahnnetzes halten werden. Zudem soll es zu diesem Zeitpunkt auch dank neuer Sicherungstechnik möglich sein, dass eine vierte S-Bahnlinie aus der Innenstadt zumindest bis Stuttgart-Vaihingen verlängert wird.
Warten auf den Wettbewerb
Der Vorsitzende der Regionalversammlung, Rainer Wieland, hat das Aushandeln des neuen S-Bahnvertrags im Interview mit unserer Redaktion als „Dekadenaufgabe“ bezeichnet. Der werde „nicht in einem Jahr verhandelt sein“. Wieland ist mit Blick auf die Lage vieler Eisenbahnunternehmen gespannt, „ob es überhaupt Interessenten für einen Wettbewerb gibt. Wichtig ist, dass wir uns über diese lange Zeit keine Entwicklungsmöglichkeiten verbauen“.