Frauen der Alliance Citoyenne vergnügen sich im Burkini im Freibad von Grenoble und posten die Aktion auf Facebook. Foto: Screenshot

Eine Gruppe französischer Frauen will sich das Recht auf ihre Burkinis erkämpfen. Vertreter des rechtsextremen Rassemblement National wittern hinter der Aktion eine hinterhältige „islamistische Provokation“.

Paris - Der Kampf um die französische Republik wird im Freibad von Grenoble ausgetragen. Einige muslimische Frauen wollen sich dort ihr Recht erkämpfen, im Burkini baden zu gehen. Dazu setzen sie auch auf medienwirksame Guerilla-Aktionen. Die Bürgerrechtsgruppe Alliance Citoyenne (Bürgerallianz) veröffentlichte im Internet ein kurzes Video, auf dem eine Handvoll fröhlicher Frauen zu sehen, die im Wasser planschen und singen „Wir baden, wir werden baden“. Sie tragen Burkinis, einem Ganzkörper-Badeanzug, der auch den Kopf bedeckt. Das aber ist in Frankreich eigentlich verboten, wird in manchen Städten allerdings toleriert.

Kampf für die Rechte der Frauen

Vertreter des rechtsextremen Rassemblement National wittern hinter der Aktion eine hinterhältige „islamistische Provokation“, einen Angriff auf die Freiheit der Frauen und deren Recht auf Selbstbestimmung. Vertreterinnen der Alliance Citoyenne kontern, dass sie es seien, die für die Frauenrechte kämpften – nämlich baden zu gehen, wann und wie die Frauen wollen.

Bürgermeister Éric Piolle steht nun zwischen den offensichtlich unversöhnlichen Fronten. Denn in Frankreich ist das zur Schau stellen religiöser Symbole sehr streng reglementiert. Religion hat laut Verfassung nicht nur keine staatliche, sondern auch keine öffentliche Funktion. Das heißt etwa, dass religiöse Symbole oder Bekenntnisse in öffentlichen Einrichtungen tabu sind. Die Burkini-Kämpferinnen aber argumentieren, dass sie kein „religiöses Symbol“ tragen, sondern einen einfachen Badeanzug – nur eben mit mehr Stoff.

Eine Gefahr für die Gesellschaft?

Matthieu Chamussy, konservativer Oppositionsführer im Gemeinderat von Grenoble, wittert hinter der Aktion wesentlich mehr, als die bloße Forderung, Sport zu treiben oder sich bei der Hitze abzukühlen. „Die Frauen stellen sich als Opfer dar“, sagt er. Das alles sei Teil einer Strategie, die geltenden Werte in Frage zu stellen und auf diese Weise die französische Gesellschaft zu spalten.

Der Kampf um die Freiheitsrechte hat nach der Aktion der Alliance Citoyenne im Freibad von Grenoble eine neue Eskalationsstufe erreicht. Auf Facebook hat sich inzwischen eine Gruppe mit dem Namen Les Jours heureux (Glückliche Tage) zu Wort gemeldet und ruf zur Verteidigung des säkularen Staates auf. Auch wollen im Schwimmbad der ostfranzösischen Stadt baden gehen: nackt! Die Alliance Citoyenne wolle die Errungenschaften der Aufklärung auslöschen, heißt es auf der Facebook-Seite, „lasst aus diesem Grund die Bademäntel fallen.“

Bürgermeister Éric Piolle greift angesichts der drohenden Konfrontation zum äußersten Mittel. „Die Bademeister sind für die Sicherheit zuständig, und sie können sie nicht gewährleisten, wenn sie sich um einen Menschenauflauf kümmern müssen“, heißt es auf dem Rathaus. Die Konsequenz: die Schwimmbäder von Grenoble bleiben trotz der herrschenden Hitzewelle vorerst geschlossen.

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