Rund 1400 Narren zogen am Samstag durch die Gemeinde – zum letzten Mal nahm Daniel Gött als Bürgermeister am Fasching teil.
Eine Hexe bringt es auf den Punkt: „Wenn man in Bewegung ist, dann friert man auch nicht.“ Recht hat sie. In Deckenpfronn bewegen sich am Samstagnachmittag rund 1400 Närrinnen und Narren durch die Straßen, und jene, die den Wegesrand säumen und ihnen zuschauen, stehen auch nicht still.
Die Hexe hat ihr Tageswerk schon getan, ist noch immer in Bewegung. Es ist eine Deckenpfronner Hexe, sie heißt Elke Faissler, sie schaut zottelig drein und sie ist sehr zufrieden: „Wir hatten schöne Umzüge in diesem Jahr“, sagt sie, „aber es war auch sehr anstrengend.“ Viel Konfetti flog umher, wurde in arglose Zuschauer hineingestopft, aber so viel Konfetti wie in früheren Jahren war es nicht – manche Gemeinden untersagen die bunten Papierschnitzel mittlerweile.
66 Narrenzünfte sind dabei
Der Deckenpfronner Faschingsumzug 2025 beginnt mit einer sehr langen Aufstellung der Zünfte entlang der Südstraße. Dort warten vermummte Gestalten auf ihren Auftritt, dort dröhnt Musik ohrenbetäubend aus vielen Lautsprechern. Die eigentliche Strecke ist kurz – die große, scheppernde, bunte und qualmende Prozession biegt um eine Ecke, marschiert aufs Rathaus zu, und löst sich auf. Allen voran marschieren die Gastgeber. Vor dem Rathaus steht ein Festwagen, auf dem Zunftmeister Rainer Schneider überschwänglich moderiert. „Ein kräftiges Narri-Narro!“, ruft er ins Mikrofon. „Haut nei, jawoll!“ Zu Beginn leistet Daniel Gött, Bürgermeister Deckenpfronns, ihm noch Gesellschaft auf dem Wagen. Es wird Götts letzter Fasching als Bürgermeister sein, und er verrät, dass er den Trubel wohl kaum missen wird. Obwohl: „Einmal im Jahr kann man das schon machen.“ 66 Narrenzünfte sind dieses Mal mit dabei. Brav dreinschauende Figuren gehen gleich neben scheußlichen Teufeln. Der Musikverein Deckenpfronns spaziert stolz mit gut 50 Spielern und einer kleinen Schar musikalischer Kinder, geführt von seinem Dirigenten. Manch eine Zunft ist mit monumentalen Traktoren und Schleppern gekommen. Hilmar Roller und Gundula Rentschler stehen als Moderatoren auf einem zweiten Wagen und jubeln den Vorüberziehenden herzhaft zu.
Auch Deckenpfronn setzte erstmals verschärfte Sicherheitsvorkehrungen um, riegelte alle Straßen, die zum Umzug führen, mit Fahrzeugen ab. Rund 3500 Menschen besuchen den Umzug als Zuschauer. Die Stimmung ist ungetrübt. Die Rohrauer Narren haben ihr hartes Geschäft ebenfalls schon erledigt, feiern nun an ihrem Wagen. „Die Leute sind einfach lustig“, sagt Andreas Bilwachs, Zunftmeister a.D.. „Sie erfreuen sich an der Fasnet. Genau so soll es sein.“
Freude an der Fasnet – so soll es sein!
Am Rande des großen Strudels, der noch durch die Straße schäumt, halten sich derweil fünf Frauen auf, kunterbunt in häuslicher Funktionskleidung. Sie trinken Eierlikör aus kleinen Bechern, stellen sie ab auf einem mitgebrachten Bügelbrett. „Wir sind die Putzfrauen!“, verkünden sie. „Wir putzen und bügeln! Wir haben uns schon heute Vormittag getroffen, wir haben eine Garagenparty gefeiert und gekocht.“ Sie heißen Tanja, Corinna, Michaela, Merle und Petra – sie kommen entweder direkt aus Deckenpfronn oder sind zugereist, aus Herrenberg oder Effringen, und sie stoßen schon wieder an, während der tosend laute Umzug an ihren Schultern vorbeizieht.