Fantasiewesen aus einer anderen Welt: Geflügelte Gestalten schwebten durch die illuminierte Altstadt von Waiblingen. Foto: Eva Herschmann

Für „Waiblingen leuchtet“ sind viele Häuser der Altstadt in bunte Farbspielereien getaucht worden. Lichtinszenierungen und -installationen an Fassaden und geflügelte Stelzenwesen in den Straßen verzauberten die Besucher.

Der Weg ins Lichtermeer war hell erleuchtet. Auf der Fassade des historischen Beinsteiner Turms, dem Portal zur Waiblinger Altstadt, erstrahlten viele bunte Blüten in poppigen Farben, von Dunkelrot über Leuchtendorange bis Grasgrün. Am Freitag hat sich der historische Stadtkern in den leuchtendsten Farben gezeigt. Für „Waiblingen leuchtet“ wurden Häuserfassaden zu bunten Leinwänden für Lichtkunst. Auch in den Geschäften und Einrichtungen drum herum blieben die Lichter länger an für Musik, Ausstellungen, Schnäppchen und Angebote für die kleinen Besucher.

 

Wenn die Tage kürzer werden, sehnen sich die Menschen nach Licht

Wenn die Tage kürzer werden, sehnen sich die Menschen nach Licht. Die Lange Einkaufsnacht mit leuchtenden Highlights ist deshalb stets Anfang Oktober ein beliebter Treffpunkt. Als die Sonne am Freitagabend untergegangen war, legten in Waiblingen nach und nach viele Gebäude ihr Alltagsgewand ab und verwandelten sich in bunte Gemälde. Vom Alten Postplatz bis zum Eva-Mayr-Stihl-Platz, dem ehemaligen Galerieplatz, wurden aber nicht nur die historischen Fachwerkhäuser zur Leinwand für Lichtkunst. Auch das Rathaus, ein schlichter, moderner Betonkubus, wurde dank Projektionstechnik zu einem 500 Quadratmeter großen Gesamtkunstwerk mit dem Titel „Waiblingen, schön dich zu sehen“. Die Licht-Video-Show zeigte schnell wechselnde Szenen aus der Stauferstadt, abstrakte Farbwelten oder unzählige Smileys, die auf das Treiben auf dem Rathausvorplatz herunterlächelten. Das konnten übrigens auch die Gäste, die bei einer Führung den Hochwachturm bestiegen, um sich das Farbspektakel mit fast 20 verschiedenen Leuchtobjekten von oben zu betrachten.

Auch der Hund geht mit Leuchthalsband an den Start

Eine Besucherin aus Schwaikheim hatte ihren Hund passend zum Lichterspektakel in Waiblingen mit einem roten Leuchthalsband ausgestattet. Ihre Augen strahlten beim Anblick der faszinierenden Farbspiele, die die vertrauten Straßen, Gassen und Plätze auf zauberhafte Weise verwandelten. Sie sei in den vergangenen Jahren fast immer zu „Waiblingen leuchtet“ gekommen, erzählte sie. „Ich habe gedacht, dass diesmal nicht so viel los ist, weil es vorher geregnet hat.“ Doch weit gefehlt. Bereits bevor ab 19 Uhr eine Fassade nach der anderen in Farben, Muster und Bilder getaucht wurde, wimmelte es von Menschen in der Altstadt. Der Regen verzog sich, und der bunte Trubel blieb ungestört bis zum Festende um 23 Uhr.

Kunstvoll wird die Nacht beleuchtet. Foto: Eva Herschmann

Manchen erinnert die Veranstaltung an einen Laternenlauf

Dass das Wetter bei „Waiblingen leuchtet“ auch mal schlechter sein kann, nehme sie in Kauf, erklärte die Schwaikheimerin, die nicht nur mit Hund, sondern auch mit Gatte gekommen war. „Für mich hat diese Veranstaltung ein bisschen was von einem Laternenlauf. Das passt einfach viel besser in den Herbst.“ Außerdem würde es im Sommer viel zu spät dunkel werden, und die Kinder hätten dann gar nichts von der spektakulären Lichtershow, die für die Erwachsenen zudem auch viel zu kurz ausfallen würde.

Doch wie die Kunst im Allgemeinen sind auch kreative Fassadenbilder Geschmackssache. Während die Schwaikheimerin begeistert über den kunterbunten Farbrausch war – und die Begegnung mit den drei übermenschlich großen, geflügelten Wesen, die durch die Stadt schwebten –, bruddelte ein Waiblinger. „Ich bin nicht jedes Jahr dabei, aber ich finde, es waren früher auch schon mal interessantere Motive“, sagte er kopfschüttelnd und bahnte sich mit seiner Frau einen Weg durch die Menschenmassen.

Auch Neues gab es zu entdecken, wie die Kunstausstellung „Papier ist (un-)geduldig“ in der Michaelskirche. Dort zeigte Angela Glajcar, eine der führenden Papierkünstlerinnen in Deutschland, außergewöhnlich beleuchtete Objekte und Installationen aus Papier. Ergänzt wurden die Werke durch Arbeiten von Sophie Casado aus dem gleichen Werkstoff und Fotografien von Peter Oppenländer, die sich kreativ mit dem Thema auseinandersetzen. Erstmals hatten außerdem Mädchen und Jungen der städtischen Kindergärten einen leuchtenden Sternenweg zwischen Apothekergarten und Nonnenkirchle gestaltet.

Nicht nur zum Gucken gab es jede Menge. Kinder und Erwachsene hatten ihren Spaß am Mitmachangebot in der Kunstschule Unteres Remstal und bastelten schrille Postkarten oder transparente Teelichthüllen mit Neonfarben. Die Taschenlampenführung durch das dunkle Haus der Stadtgeschichte war für kleine und große Entdecker ebenfalls ein besonderes Erlebnis. Zum bunten Treiben trugen die Wirte bei, die sich nicht nur über gut gefüllte Außenbereiche freuten, und die Musik, die an vielen Ecken spielte.

Zeitgleich kann beim Streetfoodmarkt geschlemmt werden

Ein wenig abseits, bei der Rundsporthalle, waren am Freitag die Buden für den Streetfoodmarkt aufgebaut. Die Besucherinnen und Besucher erwartete eine Vielzahl von internationalen Spezialitäten. Auf dem Schlemmerfest, mit dem der kommerzielle Anbieter Xclusive Events mit Sitz bei Augsburg von Stadt zu Stadt zieht, gab es Pasta aus dem Parmesanlaib, Slow Cooked Pulled Pork, amerikanische Corn-Dogs, mexikanische Burritos und Tacos sowie Musik von einem DJ. Viele hatten sich hier mit einem Imbiss für die bunte Lichterschau in der Altstadt gestärkt. Davon zeugte die volle gläserne Spendenbox am Eingang mit Getränkegutscheinen im Wert von einem Euro für die Erdbebenopfer in der Türkei und in Syrien.