Als Stuttgart vor 15 Jahren ein Kindermuseum bekam, war das eine Sensation. Jetzt wird Geburtstag gefeiert: mit der Mitmach-Schau „BUNT“. Warum sich der Besuch lohnt.
Zuhause gäbe es vermutlich ein Donnerwetter. Hier ist es dagegen erlaubt, die Wände hemmungslos zu bemalen. Und das tun die Kinder offenbar begeistert, denn die neue Kinderausstellung im Jungen Schloss wurde zwar erst an diesem Wochenende eröffnet, aber die Wand ist schon komplett vollgekritzelt.
Schon zum Auftakt der neuen Mitmach-Ausstellung „BUNT“ wurde emsig gezeichnet und geklebt, geschnitten und gefädelt. Es war ein großes Hallo im Alten Schloss, das zur Eröffnung der Kinderausstellung an diesem Wochenende auch den 15. Geburtstag des Kindermuseums gefeiert hat. Als das Junge Schloss 2010 eröffnet wurde, war das eine Sensation, denn Kindermuseen sind bis heute rar. Die Junge Kunsthalle in Karlsruhe war 1973 ein Pionier.
Breites Angebot – viele Unterstützer
Erst in den vergangenen Jahren haben einige Städte nachgezogen. Das Jüdische Museum in Berlin betreibt inzwischen ein eigenständiges Kindermuseum, und Heilbronn besitzt das wegweisende Science Center „Experimenta“.
Wie groß der Bedarf an solchen Angeboten ist, bewiesen nicht nur die vielen Kinder, die am Wochenende zu den Konzerten kamen, in der Dürnitz lustige Hüte bastelten oder sich an den Spielstationen im Schlosshof austobten. Auch die 750 000 kleinen und großen Besucherinnen und Besucher der vergangenen 15 Jahre zeigen, dass es die richtige Entscheidung war, ein Kindermuseum zu eröffnen. Es wird nicht allein von der öffentlichen Hand finanziert, sondern kann sein breites Angebot nur deshalb bieten, weil es von zahlreichen Spendern, Unternehmen und Stiftungen mitfinanziert wird. Auch bei „BUNT“ ist die Liste der Unterstützer lang.
Themen im Wandel
Zu Beginn versuchte man auch in den Kinderausstellungen, Bezüge zu den Sammlungsbeständen des Württembergischen Landesmuseums herzustellen. Da ging es um die Kelten, die Römer, um Ritter oder die „7 Superschwaben“. Im Lauf der Jahre entfernte man sich aber zunehmend von kulturgeschichtlichen Fragen und machte auch Kinderbücher zum Thema wie Otfried Preußlers „Räuber Hotzenplotz“ oder „Die kleine Hexe“. „Müllmonster-Alarm“ oder „Ran an den Stoff!“ befassten sich wiederum mit aktuellen Fragen, auch ökologischer Art.
Es geht um ästhetische Bildung
In „BUNT“ wurden zwar auch vereinzelte Objekte aus der Sammlung integriert, aber freiwillig schauen sich die Kinder nicht die Gefäße aus der Jungsteinzeit an, dabei ist es bemerkenswert, dass die Menschen schon vor 5500 Jahren Muster aus Punkten und Linien gestalteten. Spannender sind da die bunten Borsten, durch die man sich drücken kann wie ein Auto durch die Waschstraße, oder die gepolsterten Riesenbauklötze zum Stapeln. Die 15 Jahre Junges Schloss spiegeln, wie sich kulturelle Bildung verändert hat. Inklusion spielt heute eine große Rolle, weshalb Videos in Gebärdensprache und Audiostationen so selbstverständlich sind wie Tafeln in Braille-Schrift. Vor allem geht es nicht mehr primär um die Vermittlung von Kulturgut, sondern um ästhetische Bildung: Die Kinder sollen lernen, zu differenzieren, ihre Sinne zu schulen und die Welt bewusster wahrzunehmen. Und wer auf bunten Papieren verschiedene Strukturen und Muster durchpaust, der schult nebenbei noch seine Motorik und übt sich in Konzentration.
Sinnliche Erfahrungen sind wichtiger als digitale
In „BUNT“ gibt es ein Video der schwedischen Band Wintergatan, in dem eine Murmelmaschine Rhythmen und Klänge produziert. Es ist das einzige digitale Angebot, denn wichtiger sind reale sinnliche Erfahrungen. So kann man an gelben Säckchen schnuppern und blaue Säckchen schütteln, in denen es scheppert, knirscht oder klingelt, während es bei grünen Objekten ums Fühlen geht – hier ein kuschelweicher Putzpuschel, dort ein spröder Peelingwaschlappen. Auch diese Ausstellung wurde mit dem Kinderbeirat entwickelt, der den Kuratorinnen und Kuratoren zurückmeldet, ob ihre Ideen taugen oder nicht. Denn am Ende ist die wichtigste Botschaft, die alle Kinder mitnehmen sollten: Museumsbesuche machen Spaß und bieten etwas, das bereichert und bestens unterhält.
BUNT: Mitmachausstellung. Altes Schloss, Kindermuseum Stuttgart. Bis 2. August 2026. Geöffnet Di bis So 10 bis 17 Uhr.