Auch wenn es von außen nicht so aussieht: Das Gebäude beherbergt einen Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Foto: Bernd Zeyer

Seit vielen Jahren steht in Neuwirtshaus ein Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg leer. Die Stadt möchte das Bauwerk gern verkaufen, allerdings steht es unter Denkmalschutz.

Zuffenhausen - Von außen sieht das Gebäude an der Föhrstraße 4 eher unscheinbar aus; dank der Arkaden an der Front ist es aber für manchen Architekturliebhaber sogar einigermaßen attraktiv. Innen freilich birgt es ein Geheimnis: Als 1941 der Zweite Weltkrieg tobte und die Luftangriffe auf deutsche Städte zunahmen, wurde das Haus als Bunker gebaut, der zwei Etagen tief in die Erde hinunter reicht. Jahrelang stand das Bauwerk leer, nun möchte die Stadt es samt dem dazugehörigen Grundstück verkaufen. Wer mindestens 160 000 Euro bietet hat noch bis zum 6. November Zeit, ein entsprechendes Angebot bei der Stadt abzugeben.

Der Bunker steht unter Denkmalschutz

„Wir haben einige Bunker im Bestand“, sagt Thomas Zügel, der Leiter des Liegenschaftsamtes. Das Gebäude in Neuwirtshaus sei schon einmal zum Verkauf ausgeschrieben gewesen; der damalige Interessent habe dann aber einen Rückzieher gemacht. Geplant gewesen sei dort ein Logistik- beziehungsweise EDV-Lager. Nun wird es erneut beworben. Sollte sich ein Investor finden, muss dieser sich an klare Vorgaben halten. Das Haus steht unter Denkmalschutz, Eingriffe in die Bausub-stanz (Fassade, Mauern, Ausstattung) sind nicht gestattet. Zudem ist die künftige Nutzung genehmigungspflichtig.

Der Bunker in Neuwirtshaus ist Teil eines Pilotprojektes der Stadt. Zusammen mit ihm waren auch zwei ehemalige Luftschutzräume in Stuttgart-Ost (Sickstraße und Talstraße) zum Verkauf angeboten worden. Der an der Talstraße hat bereits einen neuen Eigentümer; dort sollen Wohnungen entstehen. Das Gleiche gilt für den Hochbunker an der Sickstraße. Nach den Worten von Zügel gibt es hier bereits einen Vorvertrag.

In Neuwirtshaus stehen die Dinge anders: Aus Gründen des Denkmalschutzes und anderer Gegebenheiten (beispielsweise hat das Gebäude keine Fenster) hält Zügel eine Wohnnutzung für unrealistisch. Das Planungsrecht schreibt auf dem Areal eine eingeschossige Bauweise fest, ein Teil des Grundstücks ist als Verkehrsfläche ausgewiesen.

Verein Schutzbauten Stuttgart zeigt wenig Interesse

Nach Angaben des Liegenschaftsamtes ist das Gebäude im Wesentlichen in einem recht guten Zustand, teils gebe es Putz- und Feuchtigkeitsschäden, beziehungsweise Wasserpfützen auf dem Boden. Das hängt wohl damit zusammen, dass die Belüftungsanlage zwar funktioniert, aus Kostengründen aber normalerweise ausgeschaltet ist. Eine Heizung gibt es nicht.

Was mit dem alten Bunker passiert, interessiert auch die Siedlergemeinschaft Neuwirtshaus. Das Ausschuss-Mitglied Jürgen Kunert findet es grundsätzlich schade, dass das Gebäude leer steht. „Eine Wohnbebauung wäre uns am liebsten“, sagt er; irgendwelche Industriebetriebe sähe er dort nicht so gerne. Ein wenig Hoffnung setzt er auch auf den Verein Schutzbauten Stuttgart. Eventuell, so sein Gedanke, könnte dieser im Bunker Führungen anbieten. Beim Verein allerdings bekundet man eher wenig Interesse. Der Vorsitzende Rolf Zielfleisch bewertet das leer stehende Gebäude als „nicht besonders attraktiv“.

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