Die Graf-Stauffenberg-Kaserne in Sigmaringen wird im Zuge der Bundeswehrreform geschlossen. Foto: dpa

Noch prägt die Bundeswehr das Stadtbild von Sigmaringen. Doch nach und nach werden es weniger Soldaten, die in der dortigen Graf-Stauffenberg-Kaserne stationiert sind. Ende 2015 wird die Garnisonsstadt von der militärischen Landkarte verschwunden sein. Was kommt danach?

Noch prägt die Bundeswehr das Stadtbild von Sigmaringen. Doch nach und nach werden es weniger Soldaten, die in der dortigen Graf-Stauffenberg-Kaserne stationiert sind. Ende 2015 wird die Garnisonsstadt von der militärischen Landkarte verschwunden sein. Was kommt danach?

Sigmaringen - Die Menschen in Sigmaringen waren nie große Fans der Bundeswehr. Doch die Soldaten in ihren tarnfarbenen Feldanzügen prägten das Stadtbild und veränderten den Alltag. „Akzeptanz für die Bundeswehr zu schaffen wird künftig schwieriger werden“, sagt Bürgermeister Thomas Schärer. „Wir haben sie akzeptiert, sie waren ein Teil von uns.“

Nun stehen alle Zeichen auf Abzug: Der Standort wird im Zuge der Bundeswehrreform geschlossen. Obwohl die Kaserne planmäßig erst Ende 2015 geräumt sein soll, verabschiedet sich die Bundeswehr mit Appell und Großem Zapfenstreich schon jetzt von Sigmaringen. Denn Tag für Tag werden es weniger Soldaten - von insgesamt 1860 Dienststellen, die es vor der Verabschiedung der Reform 2011 noch gab, sind noch rund 600 besetzt. Gerade genug, um den Festakt abzuhalten, sagt Presseoffizier Alexander May.

Für jeden Soldaten sei im Einzelnen entschieden worden, wie und wo es weiter gehe, berichtet er. Für die einen komme der Abzug zeitgleich mit der Pensionierung, für die anderen gehe es anderswo weiter. „In einem Soldatenleben ist es nichts Überraschendes, an einen anderen Ort versetzt zu werden“, sagt May. „Wir sind Ausführer der Politik und wenn ein Standort geschlossen wird, dann ist es unsere Aufgabe, das vernünftig abzuwickeln.“ Ganz so einfach scheint es dann aber doch nicht zu sein. „Wir verschwinden aus der Fläche“, fügt May hinzu. „Also wird man uns auch weniger wahrnehmen.“

Der Südwesten verliert rund 38 Prozent der Stellen

Von der Verkleinerung der Bundeswehr ist der Südwesten besonders stark betroffen: Im Zuge der Umstrukturierung verliert Baden-Württemberg laut Innenministerium rund 38 Prozent der Stellen. Vier Kasernen im Land werden ganz, weitere vier Standorte fast vollständig geschlossen. Insgesamt fallen rund 9700 Dienststellen weg. Sigmaringen ist einer der größten Standorte bundesweit, der der Reform zum Opfer fallen.

Bürgermeister Schärer begreift den Abzug als Chance, obwohl beim Thema Standortschließung rasch die negativen Folgen für Wohnungsmarkt, Beschäftigungsmöglichkeiten und kommunale Finanzen zur Sprache kommen. Auf der Homepage wirbt die Stadt für die Infrastruktur und die Gewerbeflächen, die so groß sind wie 73 Fußballfelder. „In Kürze frei“, heißt es da. Zukünftig soll das Gelände gemischt genutzt werden. Von der Hochschule etwa oder von Unternehmen, für neue Wohnformen oder Sportanlagen. „Bislang sind das reine Ideen“, sagt Schärer. „Jetzt heißt es: Planungsrecht schaffen.“

Trotz Tatendrang weiß der Bürgermeister, dass sich die Stadt verändern wird. Sportvereine und die Freiwillige Feuerwehr schöpften Potenzial aus der Bundeswehr. Und die Musik auf dem Rathausplatz, die werde fehlen. Mit dem Abzug der Bundeswehr gehen mehr als 200 Jahre Militärgeschichte zu Ende. Und Sigmaringen verschwindet von der militärischen Landkarte.

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