Die Peschmerga werden von der Bundeswehr auf den Kampf gegen den IS vorbereitet. Foto: Schiermeyer

Die Unterstützung der Peschmerga-Soldaten mit deutschem Kriegsgerät ist umstritten. Manche Waffen sind schon in IS-Händen gelandet. Dennoch liefert die Bundeswehr nun weitere Raketen und Munition. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen die Terrormiliz.

Erbil - Ohne den mutigen Einsatz der Kurden gäbe es im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ sowohl im Irak als auch in Syrien vermutlich kaum Erfolge zu vermelden. Die Peschmerga-Kämpfer sichern der internationalen Koalition wichtige Geländegewinne – ohne dass diese eigene Bodentruppen ins blutige Gefecht schicken muss. Vor allem jetzt, da es darum geht, Mossul als die zweitgrößte Stadt des Irak dem IS zu entreißen, ist man dringend auf die kurdischen Einheiten angewiesen.

Somit bekräftigt die Bundeswehr ihre Unterstützung der Peschmerga nicht nur mit einer intensivierten Ausbildung, sondern notwendigerweise auch mit weiteren Waffen. 70 Tonnen Material aus eigenen Beständen wurden jetzt nach Erbil, Hauptstadt der kurdischen Autonomieregion, geflogen.

Besonders beliebt bei den kurdischen Soldaten sind die Milan-Raketen. Dabei handelt es sich um eine Jahrzehnte alte Panzerabwehrwaffe, die mit Elektronik mehrfach modernisiert wurde. Bis auf eine Reichweite von fast zwei Kilometern kann der Peschmerga damit von seiner Schulter aus IS-Fahrzeuge durchbohren – dank Wärmebildkamera sogar nachts.

Die Milan wird von deutschen Verantwortlichen in Erbil als „die Erfolgsgeschichte“ bewertet. In vielen Bereichen habe sie die Entscheidung herbeigeführt. Zahlreiche Abschüsse von gepanzerten Fahrzeugen mit Sprengstoff oben drauf belegten das. Nun haben die Peschmerga 100 weitere sogenannte Lenkflugkörper erhalten. Zudem lieferte die Bundeswehr 1500 der hierzulande ins Gerede gekommenen Gewehre G36 von Heckler & Koch, eine Million Patronen, drei geschützte Dingo-Fahrzeuge sowie Ersatzteile.

2000 Tonnen an Militärgütern

Die erste Lieferung mit Waffen und Munition war schon vor knapp zwei Jahren erfolgt. Seither transportierte die Bundeswehr auch Feldküchen, Funkgeräte, Minensonden, Nachtsichtgeräte, Zelte sowie zahlreiche Fahrzeuge vom Typ Dingo und Wolf plus Tanklastzüge über Bagdad nach Erbil. Insgesamt sind mehr als 30 solcher Transporte im Gesamtvolumen von etwa 2000 Tonnen in den Irak gegangen.

Hierzulande sind die Lieferungen umstritten, weil deutsches Kriegsgerät schon in Hände des IS und von Waffenhändlern gelangt ist. Die kurdische Regionalregierung muss sich in einer sogenannten Endverbleibserklärung verpflichten, die Ausrüstungsgüter nicht an Dritte weiterzugeben. Dennoch gab es hin und wieder schon Verluste. Die Bundeswehr im Nordirak mahnt diesbezüglich eine „realistische Sicht“ an: Der Verlust einer Waffe könne in einer Gefechtssituation oder bei der Gefangennahme von Peschmerga kaum vermieden werden, heißt es. Wenn man die wenigen Dutzend beim IS aufgetauchten Waffen ins Verhältnis zu den mehr als 20 000 gelieferten setze, werde das Thema in Deutschland überbewertet.

Wiederaufnahme nach Untersuchungsbericht

Nach Bekanntwerden derartiger Vorwürfe hatte das Verteidigungsministerium im Frühjahr die Lieferungen gestoppt und auf einen Untersuchungsbericht der Regionalregierung gedrängt. Demnach konnte der Verbleib von insgesamt 88 verschwundenen Waffen nachvollzogen werden. Daraufhin wurde grünes Licht für eine weitere Waffenhilfe gegeben.

Unabhängig vom Gerät hat die Bundeswehr mit derzeit 137 Soldaten vor Ort ihre Trainingsmission intensiviert. Während das erste ausgebildete Bataillon der Peschmerga an der mehr als 1000 Kilometer langen Frontlinie die IS-Milizen zurückdrängt, läuft nun eine weitere Ausbildungsreihe. Dazu ist im Camp Bnslawa bei Erbil binnen kurzer Zeit ein modernes Übungsdorf quasi aus dem Nichts entstanden.

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