Die neue Koalition will vorerst nicht zurück zur Wehrpflicht. Sie setzt auf Freiwilligkeit. Als erster Schritt ist das der richtige, meint unsere Berliner Korrespondentin Rebekka Wiese.
Jetzt soll es plötzlich schnellgehen: Ein Dreivierteljahr ist es her, dass der bisherige und wahrscheinlich auch künftige Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sein neues Modell für den Wehrdienst vorgestellt hat. Doch dann zerbrach die Ampelkoalition – und es war nicht mehr klar, ob Pistorius‘ Plan je realisiert würde.
Nun aber steht das Modell im Koalitionsvertrag. Es ist ein Vorschlag, der zunächst auf Freiwilligkeit setzt. Zwar soll jeder von der Bundeswehr angeschrieben werden, der 18 Jahre alt wird. Doch ob man dann den Wehrdienst leistet, steht erst einmal jedem frei.
Es gibt viele, die glauben, dass das nicht reicht. Die Union hätte gern die Rückkehr zur Wehrpflicht im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Doch als erster Schritt ist der freiwillige Wehrdienst die richtige Lösung. Auch wenn es auf lange Sicht wohl wieder eine Pflicht geben muss.
Dass die Bundeswehr mehr Personal braucht, steht außer Frage. Ihr fehlen nicht nur Streitkräfte, sondern auch viele Reservisten. Dies besonders im Heimatschutz: In diesem Monat wurde eine neue Division aufgestellt, deren Aufgabe es wäre, Häfen, Straßen oder Brücken zu sichern – zum Beispiel für den Fall, dass ein Nato-Land wie Estland oder Litauen angegriffen wird. Niemand hofft, dass es dazu je kommt. Aber seit dem russischen Überfall auf die Ukraine ist klar: Man sollte vorbereitet sein. Deshalb muss sich bei der Rekrutierung etwas ändern.
Bei einer schnellen Rückkehr zur Wehrpflicht wäre die Bundeswehr aktuell jedoch schlicht überfordert. Es fehlen die Ausbilder, die Kasernen, das Material. Die Hände in den Schoß zu legen, bis diese Strukturen geschaffen sind, kann aber nicht die Lösung sein. Es ist deshalb gut, dass nun zunächst der freiwillige Wehrdienst kommt. Auch wenn man auf Dauer wohl nicht umhinkommen wird, zur Pflicht zurückzukehren. Vorerst aber gilt: ein Schritt nach dem anderen.