Bundeswehr Der Kampf der Veteranen

Von Claudia Lepping, Berliner Redaktion 

Ex-Soldatinnen der Bundeswehr haben Krieg erlebt und helfen heute ihren Kameraden.

Berlin - Zehntausende Frauen und Männer waren an Mandaten der Bundeswehr beteiligt. Nach ihrer Dienstzeit müssen sie feststellen, dass sich ihr Leben nach dem Einsatz radikal verändert hat.

Frau, 35 Jahre alt. Geboren in Osnabrück. Jeansjacke. Athletisch. Geschwungene Brauen. Keine Schminke. Sonnenbrille in kurzen dunklen Haaren. Die Stirn beim Sprechen leicht umwölkt. Offener Blick. Lachfältchen säumen die Augen.

Frau, 40 Jahre alt. Geboren in Gießen. Roter Pulli. Zart. Gebräunter Teint. Dezent geschminkt. Die langen blonden Haare fallen unterm Mittelscheitel. Der Gesichtsausdruck beim Sprechen gedankenverloren. Fester Blick. Lachen vermutlich auch aus Verlegenheit.

Zwei Gesichter, die einen das Umdenken lehren. Daniela Matijevic und Heike Groos entsprechen nicht dem Bild, welches die Deutschen von einem Veteranen haben. Matijevic hat den Deutschen Veteranenverband gegründet; Groos ist zweite Vorsitzende des Bundes Deutscher Veteranen. 2010 hat die Bundesrepublik zwei Veteranen-Organisationen. Hier sitzen nicht Männer um die neunzig, die ergreifend von Stalingrad sprechen. Schlimm war das damals. Sofort werden Bilder wach im Blitzlicht der Erinnerung - lebendig selbst für die große Mehrheit der mehr und weniger Jüngeren, die den Wahnsinn des Zweiten Weltkriegs nur aus Erzählungen kennen oder aus Dokumentationen. Es fällt einem die Liedzeile der Kölner Rockband BAP ein, in der Wolfgang Niedecken singt: "Ich kenn von all dem zwar nur Bilder, doch die kenn ich ganz genau."

Genau. Daniela Matijevic sagt auch immer: genau. Vor allem dann, wenn die Fragen ihrer Gesprächspartner immer länger werden, weil denen während des Sprechens immer klarer wird, was die Frau erlebt hat. Gesehen hat. Verarbeiten muss. "Genau." Und dies alles gar nicht auf einmal kann. Genau, sagt sie dann, als wolle sie den Bildern, die beim Zuhören im Kopf entstehen, nicht durch zu viel Worte die Wucht nehmen. Hier trifft Niedeckens Textzeile nicht zu: Es gibt kaum Bilder, die die Deutschen kennen. Genau oder ungenau.

Der Krieg in Afghanistan spielt sich kaum in den Köpfen der Deutschen ab. Weit weg ist er, am Hindukusch eben. Eine Mehrheit der Gesellschaft lehnt es ab, dass auch deutsche Soldaten dort kämpfen, und will den sofortigen Rückzug der Bundeswehr, was Umfragen regelmäßig bestätigen. In den Köpfen von Daniela Matijevic und Heike Groos ist der Krieg dauerpräsent.

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