Nur zwei Prozent derer, die könnten, wollen den deutschen Pass Foto: dpa

Entgegen dem Bundestrend ist die Zahl der Einbürgerungen in Baden-Württemberg vergangenes Jahr gestiegen – allerdings insgesamt von einem recht niedrigen Niveau aus.

Stuttgart - Was die Einbürgerung von Ausländern angeht, geht der Trend in Baden-Württemberg seit zehn Jahren nach oben – allerdings auf einem insgesamt recht niedrigen Niveau. Nur rund zwei Prozent aller, die könnten und dürften, lassen sich auch einbürgern. Im bundesweiten Vergleich ist der Südwesten bei den Einbürgerungen trotzdem spitze – zumindest laut den Zahlen von 2014, die das Statistische Bundesamt am Montag veröffentlichte.

Demnach ließen sich 2014 bundesweit 108 420 Ausländerinnen und Ausländer einbürgern – ein Minus von 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Baden-Württemberg hingegen stieg die Zahl der Einbürgerungen gegen den Bundestrend weiter an, und zwar um 4,6 Prozent.

16 804 Personen erhielten 2014 im Land einen deutschen Pass – die höchste Zahl seit dem Jahr 2003 (19 454). Integrationsministerin Bilkay Öney (SPD) führt dies auch darauf zurück, dass die grün-rote Landesregierung die Einbürgerungspraxis konsequent liberalisiert und dabei die Spielräume im Bundesgesetz konsequent genutzt habe.

Im August 2013 hatte das Land per Verwaltungsvorschrift eine Reihe von Maßnahmen zur Erleichterung von Einbürgerungen auf den Weg gebracht. Unter anderem wurden deutsche Bildungsabschlüsse stärker gewichtet und die Einbürgerungstests gelockert. Man werfe aber Ausländern den deutschen Pass nicht hinterher, wie die CDU gern behaupte, so Öneys Sprecher.

Man halte sich vielmehr an die strengen Voraussetzungen nach Bundesrecht. Deutscher kann werden, wer mindestens acht Jahre in Deutschland lebt, über ausreichend Deutschkenntnisse verfügt und nicht wegen einer Straftat verurteilt wurde.

Jede fünfte Einbürgerung entfielt 2014 auf einen Türken. 90 Prozent mussten dafür ihren alten Pass abgeben. Auf Platz zwei schossen die Kroaten hoch. Ihre Zahl stieg, was Einbürgerungen angeht, um das Doppelte. Ein Grund dafür dürfte sein, dass Kroatien seit Mitte 2013 EU-Mitglied ist. Bürger aus diesen Staaten können bei einer Einbürgerung ihren alten Pass behalten.

Die Zahl der Einbürgerungen von Griechen ist 2014 um 20 Prozent zurückgegangen. Ob dieses starke Minus mit dem Streit zwischen Griechenland und Deutschland über eine solide Haushaltspolitik zusammenhängt, sei Spekulation, so ein Sprecher des Bundesamts. Denkbar sei es aber.

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