Rot schimmerndes Kreuz: Eli Kölz ist ausgezeichnet worden. Foto: Horst Doemoetoer

Eli Kölz ist seit Jahrzehnten als Suchthelferin aktiv. Nun ist die Kornwestheimerin mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Wie sie schwere Zeiten meisterte – und dabei nie ihren Humor verlor.

Kornwestheim - Eigentlich sei ihr „der ganze Trubel“ ja zuviel, sagt Elisabeth Kölz, die von allen nur „Eli“ genannt wird. „Die Öffentlichkeit“, sagt sie, „ist nicht so mein Ding.“ Eli Kölz aus Kornwestheim (Kreis Ludwigsburg) ist ein Mensch, der nicht groß fragt, sondern anpackt und der hinter den Kulissen wirkt. Sie ist jemand, der einfach da ist.

Kürzlich kam die 79-Jährige aber ums Rampenlicht nicht herum. Im Rahmen der städtischen Kultur- und Sportlerehrung wurde ihr für langjähriges ehrenamtliches Engagement das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Eli Kölz hilft Suchtkranken

Es sagt viel über sie aus, dass sie die Angelegenheit schon vorab mit den Worten kommentierte: „Wer hat mir das wohl eingebrockt ...“ – um dann spitzbübisch zu lächeln. Ein bisschen überrascht sei sie schon gewesen, als im Juni der Brief von Ministerpräsident Winfried Kretschmann im Briefkasten lag. Und sie hat’s zunächst gar nicht glauben wollen, hat vermutet, dass sie jemand „veräppeln“ will. „Natürlich ist das eine große Ehre“, sagt Eli Kölz dann und wird ernst.

Kölz hat sich vor allem um die Suchthilfe verdient gemacht. Sie selbst ist trockene Alkoholikerin, hat die Krankheit Ende der 1970er-Jahre mit einer Langzeittherapie besiegt und dann beschlossen, selbst helfen zu wollen. Sie bildete sich beim Freundeskreis Ludwigsburg zur Suchthelferin fort. „Mir ist geholfen worden, also helfe ich auch“, dachte sie sich. In Zusammenarbeit mit der Arbeiterwohlfahrt (Awo) entstand in den 80er-Jahren die Suchthilfegruppe für Alkoholkranke in Kornwestheim – und Eli Kölz war von Anfang an federführend mit dabei. Donnerstags leitete sie die Suchtgruppen mit an, erzählt sie, dienstags die Kurse der Menschen, die wegen Alkohols ihren Führerschein verloren hatten und ihn nun wiederhaben wollten.

Eine starke Frau

Jahrzehntelang hörte sie zu, beriet die Kursteilnehmer. Viele hatten ihre Telefonnummer. Sie wussten: Wenn der Schuh drückt, wenn gar der Rückfall droht – Eli ist da und hat ein offenes Ohr. Nicht jede Geschichte war dramatisch, über viele kann sie auch noch heute schmunzeln. Einmal rief beispielsweise an Weihnachten eine ältere Dame verzweifelt an. „Frau Kölz, bei mir piept es.“ Es war nur der defekte Rauchmelder. Auch über die Suchtgruppen hinaus war Elisabeth Kölz viel bei der Awo aktiv. Gab es irgendwo einen Tisch zu decken, war sie nicht weit, sie half beispielsweise beim Café Jedermann im Schafhof oder beim Tanzcafé.

Aufgewachsen ist Eli Kölz in Göppingen, 1962 heiratete sie. Zuerst lebten die Eheleute in Neckarweihingen, dann ging es nach Kornwestheim. Eli Kölz arbeite als Verkäuferin, fast 30 Jahre davon allein bei Feinkost Sigle. Als eine „starke Frau“ beschreibt die Kornwestheimer Oberbürgermeisterin Ursula Keck die Bundesverdienstkreuzträgerin, als jemanden, dem viel Respekt gebührt. Während der Laudatio vor wenigen Tagen sprach Keck auch mehrfach von dem schweren Schicksalsschlag, den Elisabeth Kölz verkraften musste. Vielen Kornwestheimern ist der schlimme Brand in der Bebelstraße noch gut in Erinnerung, bei dem Elisabeth Kölz Mann und Tochter verlor. Sie selbst hatte jahrelang in dem Haus gewohnt. In der Folge wurde sie erst bei der Awo untergebracht, mittlerweile hat sie wieder eine eigene Wohnung, in der es ihr gut gefällt, wie sie erzählt. Dort hat die Christin auch einen Sinnspruch aufgehängt: „Wie unergründlich sind Gottes Wege?“

Ein Geben und Nehmen

Eli Kölz hat sich berappelt. „Ich kann wieder lachen“, sagt sie. Sie unternimmt viel mit ihrem Enkel Sascha und seiner – die beiden haben erst kürzlich geheiratet – Frau Sina. Sie waren ihr eine große Stütze. Auch Kornwestheimer Seelsorger, voran Pfarrer Ulrich Theophil, halfen Eli Kölz durch die schweren Zeiten.

Mittlerweile ist sie auch wieder ehrenamtlich aktiv. Mindestens einmal die Woche ist sie im Awo-Heim, wo sie den Bewohnern Lachen und Gespräche schenkt und nicht weniger oft mit ihnen spazieren geht. „Bis 90 will ich mindestens noch ehrenamtlich arbeiten“, sagt Eli Kölz, und die Augen blitzen.

Wie sie all die Jahre im Ehrenamt empfunden hat? Eli Kölz überlegt einen Moment. Dann lächelt sie wieder. „Man gibt ja nicht nur“, sagt sie. „Man bekommt auch so unendlich viel von den Menschen zurück, soviel Dankbarkeit.“

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