Vertragsverlängerung: Otto Becker betreut die deutschen Springreiter bis 2020 weiter.Otto Becker hat lange überlegt, ehe er bis 2020 verlängerte. Foto: Baumann

Der alte und neue Bundestrainer hat lange überlegt, ehe er bis 2020 verlängerte. Jetzt startet er mit seinen Springreitern bereits in die Saison 2017. In der Stuttgarter Schleyerhalle beginnt das 32. German Masters.

Stuttgart - Manchmal ist Otto Becker ganz nahe am Wasser gebaut. Als seine Equipe in Rio die Bronzemedaille erkämpft hatte und Ludger Beerbaum tags darauf den Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekannt gab, musste der Bundestrainer, angesprochen auf diese neue Lage in seinem Beritt, erst einmal tief Luft holen – nur mühsam konnte der 57-Jährige die Tränen zurückhalten. Der gelernte Winzer aus Großostheim im nördlichen Franken ist nun mal ein emotionaler Typ. Gleichwohl, für die Antwort auf die wichtigste Frage danach, nämlich, ob er seinen Vertrag als Bundestrainer der Springreiter verlängern möchte – dafür ließ er sich wochenlang Zeit: „Es stimmt, ich habe lange überlegt, schließlich habe ich drei Töchter, die zur Schule gehen, außerdem daheim im Münsterland einen eigenen Reitbetrieb, und auch meine Frau Julia ist eingespannt im Familienunternehmen“, sagt Otto Becker jetzt, unmittelbar vor dem Beginn des 32. German Masters in der Schleyerhalle.

Erst vor Kurzem hat Otto Becker seiner Verbandsspitze in Warendorf signalisiert, dass er nach reiflichem Abwägen dazu bereit ist, seine dritte Olympiade anzugehen – also die nächsten vier Jahre bis zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio. Was hat ihn dazu bewogen? Schlüssige Antwort: „Seit 2009 sind wir als Trio im Amt, mein Co-Trainer Heiner Engemann, unser Tierarzt Jan Swagemakers und ich. Für die Reiter und das Trainerteam waren das acht sehr gute Jahre: Wir waren Europameister und Weltmeister, wir haben drei Weltcup-Finals gewonnen, dieses Jahr Bronze in Rio sowie wichtige Nationenpreise in Aachen und Hickstead, im September auch noch das Finale im Nationscup in Barcelona.“ Nur in London 2012, das fuchst Becker bis heute, sei man knapp an der Medaille vorbeigeschrammt. Ganz unausgesprochen schwingt da sein großer Traum mit: 2000 in Sydney war er auf Cento Mannschafts-Olympiasieger – 2020 in Tokio möchte er das auch als Nationaltrainer schaffen.

Ludger Beerbaums Ausscheiden ist eine Zäsur

Wie könnte das gelingen, nachdem sein langjähriger „Leitwolf“ Ludger Beerbaum künftig nur noch für sich und nicht mehr für Deutschland satteln wird? Otto Becker ist da zuversichtlich: „Natürlich ist Ludgers Ausscheiden für uns eine Zäsur, gar keine Frage. Außerdem wissen wir, dass es gerade im Springsport immer schwieriger wird, Erfolg zu haben, weil nur noch die Tagesform entscheidet.“ Trotzdem freue er sich „jeden Tag darüber, dass alle meine Reiter so gut mitziehen – wir alle sind mit Herzblut dabei, deshalb macht es auch so viel Spaß, obwohl es eine Menge Arbeit ist und Reiserei“. Gegen Ende dieser erfolgreichen olympischen Saison 2016 stelle er sich die Frage, „wer von unseren jüngeren Reitern nach vorne kommt und mit in die Nationalequipe hineinwachsen kann“?

Der aktuelle Blick auf die Startliste beim German Masters gibt leicht Auskunft über die Situation im deutschen Springsport: Christian Ahlmann kommt als die Nummer eins der Weltrangliste, Marcus Ehning hat vergangenen Sonntag in München die nationale Riderstour gewonnen und startet in Stuttgart als „Rider Of The Year“, Daniel Deusser siegte kürzlich im Weltcup-Springen von Lyon. Meredith Michaels-Beerbaum schont ihren Schimmel Fibonacci, sucht mit jungen Pferden wieder Anschluss an die Weltelite. Otto Becker sagt: „Ich setze große Hoffnungen auf Janne-Friederike Meyer und ihren Goja, aber auch auf Jungs wie Andreas Kreuzer, David Will, Phillip Houston, Tobias Meyer, Andreas Kreuzer, Patrick Stühlmeyer, Philipp Rüping und viele andere.“ Der deutsche Springsport, so der alte und neue Bundestrainer, brauche „sich um die Reiter der Zukunft keine Sorgen zu machen, allerdings wird es für uns immer schwerer, herausragende Pferde zu finden und sie im Land zu halten“.

Wie zum Beweis seiner kühlen These sagt Otto Becker: „Wir kommen nicht in die Schleyerhalle, um uns auszuruhen. Der Große Preis am Sonntag ist eine wichtige Qualifikation zum Weltcup-Finale, das im April 2017 in Nebraska/USA stattfindet. Dort möchte ich mit einer starken Truppe antreten. Außerdem fahren wir im August zur nächsten Europameisterschaft nach Göteborg. Auch den Nationscup gibt’s 2017 wieder – das Finale erneut in Barcelona.“ Das sind die Saisonziele des Bundestrainers für 2017. Auf dem Weg dorthin ist Stuttgart, wie immer, eine wichtige Station. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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