CDU-Mitglieder oder ihre Angehörige posieren auf den Werbebildern als Altenpflegerinnen, Klimatechniker oder Polizistinnen. Darüber ist nun eine Debatte entbrannt – dabei würde auch ein anderer Aspekt Anlass zur Aufregung bieten, meint unser Autor.
Berlin - Der beginnende und von dröhnender Inhaltsleere gekennzeichnete Bundestagswahlkampf ist um eine weitere Nichtigkeit reicher. Die CDU hat ihre Wahlplakate vorgestellt. Auf den Heile-Welt-Idyllen posieren von der Altenpflegerin über den Klimatechniker bis zur Polizistin keine Menschen, die tatsächlich diese Berufe ausüben, sondern CDU-Mitglieder oder deren Angehörige in entsprechender Dienstkleidung.
Das ist alles. Das reicht, um eine Debatte darüber entbrennen zu lassen, dass hier getäuscht werde, das echte Leben also nur vorgespielt und die Polizei gar missbraucht würde. Als wenn irgendjemand davon ausginge, dass Werbefiguren echt wären – jeder Herr Kaiser ein veritabler Versicherungsvertreter und jeder Zahnpasta empfehlende Kittelträger ein leitender Oberarzt.
„Deutschland gemeinsam machen“
Es wirft ein bezeichnendes Licht auf den Stand unserer politischen Debatten, dass sich dagegen niemand darüber aufregt, wie Plakate, die mit dem Slogan „Deutschland gemeinsam machen“ werben, eine persilweiße Gesellschaft zeigen, die in ihrer Homogenität eher das Land der 50-er Jahre als das moderne und immer diverser werdende Deutschland abbilden.
Es wird Zeit, dass dieser Wahlkampf endlich in die Spur findet. Es geht tatsächlich um viel. Um eine Regierung zum Beispiel, die in der Lage ist, mit entschlossenen Schritten dafür zu sorgen, dass Deutschland seine Klimaschutzziele erreichen kann. Um eine Koalition, die das Gesundheitssystem finanzierbar hält und faire Chancen unabhängig von geografischer Lage oder sozialer Stellung garantiert. Zu all diesen Fragen haben die Parteien höchst unterschiedliche Positionen. Darüber lohnt der Streit.
Nicht darüber, ob die CDU mit Laien oder Profis wirbt. Andreas Scheuer stellt schließlich auch seit vier Jahren den Bundesverkehrsminister dar, ohne dass jemand… Aber vielleicht sollte man diesen Gedanken nicht zu weit treiben.