Bundestagswahl Im zweiten Anlauf soll der große Sprung klappen

Von Wolfgang Berger 

Das Wachthaus ist neben dem Hohenneuffen ein Herzensort Foto: Ines Rudel
Das Wachthaus ist neben dem Hohenneuffen ein Herzensort Foto: Ines Rudel

Vor vier Jahren hat Renata Alt (FDP) ein Bundestagsmandat noch verpasst. Doch stehen die Chancen für die Kirchheimerin diesmal deutlich besser. Sie ist auf der Landesliste vorgerückt, und von der Bundespartei gibt es Rückenwind.

Kirchheim - Renata Alt blickt gerne über den Tellerrand hinaus. Deshalb und weil sie sehr gerne in der Natur wandert, zählt der Hohenneuffen zu einem ihrer favorisierten Ziele. „Die Burgruine hat für mich auch Symbolcharakter. Denn von hier oben aus sehe ich den Wahlkreis als Ganzes“, sagt die Kirchheimerin, die bei der Bundestagswahl am 24. September für die FDP im Wahlkreis Nürtingen antritt.

Innere Sicherheit ist ein Schwerpunkt der Kandidatin

Schon einmal, vor vier Jahren, hatte die heute 51-Jährige zum Sprung nach Berlin angesetzt. Damals gelang ihr dieses Kunststück nicht, zu weit hinten war sie auf der Landesliste ihrer Partei und zu schlecht schnitten die Liberalen insgesamt ab. Doch rechnet sich die Kirchheimer Stadträtin für dieses Mal zu Recht deutlich bessere Chancen aus. Denn auf der Parteiliste hat sie sich von damals Platz 19 jetzt auf den siebten Platz vorgearbeitet. Hinzu kommt, dass die FDP in Umfragen bei circa acht Prozent liegt. Sollte die Partei in zwei Wochen dieses Ergebnis tatsächlich erzielen, könnte es für Renata Alt schließlich reichen.

Neben dem Hohenneuffen hat die liberale Kandidatin einen weiteren Herzensort – das Alte Wachthaus in Kirchheim. Das italienische Restaurant ist früher einmal eine Polizeiwache gewesen. „Das Alte Wachthaus ist für mich ein Sinnbild für die innere Sicherheit“, sagt Renata Alt. Es sei ihr „wichtig, dass der Staat ein Entstehen von rechtsfreien Räume nicht toleriert“, sagt sie. Die Krawalle während des G 20-Gipfels etwa hätten ihr „gar nicht gefallen“.

Für ein einiges und selbstbewusstes Europa

Neben der inneren Sicherheit ist die Außen- und Europapolitik ein weiterer Schwerpunkte von Renata Alt. Sie vermisst eine gemeinsame Sicherheits-, Außen- und Energiepolitik. Europa müsse insgesamt mehr an einem Strang ziehen. „Eine starke Stimme, die auf Diplomatie und Gespräche setzt, ist entscheidend“, sagt die 51-Jährige mit Blick auf die beunruhigenden Entwicklungen in den USA. Mit Blick auf den autoritären Schwenk der Türkei unter Erdogan ist die Politikerin für ein Ende der EU-Beitrittsverhandlungen. „Wir sind eine Wertegemeinschaft“ – auf diese Feststellung liegt die Bewerberin auch aufgrund ihrer Herkunft besonderen Wert.

Die Erinnerungen an das Leben unter dem Kommunismus sind bei der gebürtigen Tschechoslowakin noch frisch. 24 Jahre lang lebte sie in Unfreiheit. Dann kam der Mauerfall. „Ich kann mich erinnern, wie euphorisch und glücklich wir waren, dass wir der EU beitreten konnten“, sagt Renata Alt. Dieses positive Gefühl gegenüber Europa, das vielen abhanden gekommen sei, gelte es wiederzubeleben.

Eine Power-, aber keine Quoten-Frau

Vor 15 Jahren schickte das Auswärtige Amt in Prag Renata Alt nach München, wo sie im tschechischen Generalkonsulat als Wirtschaftsattaché arbeitete. Die Chemie-Ingenieurin ist Vorsitzende der liberalen Frauen im Bezirksverband Stuttgart und auch stellvertretende Vorsitzende der liberalen Frauen im Land. Einer Frauenquote kann die Powerfrau übrigens nichts abgewinnen. „Ich will keine Quotenfrau sein“, sagt sie, besteht aber darauf, dass Leistung und nicht das Geschlecht über den individuellen Erfolg entscheidet. Zwar freut sich Renate Alt über den Rückenwind der FDP, verlassen will sie sich darauf aber nicht. „Ich kämpfe bis zum Schluss, auf Umfragewerte verlasse ich mich nicht“, sagt sie.

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