Die CDU ist vorne, Marc Biadacz ist zufrieden. Er fährt ein sehr gutes Erststimmenergebnis ein. Foto: Eibner-Pressefoto/Vogel

Bei der Bundestagswahl 2025 sind CDU/CSU vorne, im Wahlkreis Böblingen setzt Marc Biadacz mit einem starken Erststimmenergebnis noch einen drauf. 37,4 Prozent holt der Böblinger. Bei der FDP ist der Jammer groß, die Liberalen und Florian Toncar sind raus. Auch für Tobias Bacherle (Grüne) reicht es nicht zum Wiedereinzug.

Als gegen 18 Uhr die ersten Prognosen über den Bildschirm flimmern, zeigt sich der Böblinger CDU-Kandidat Marc Biadacz noch ernüchtert. „Wir sind uns einig, da ist noch Luft nach oben“, sagt er bei der CDU-Wahlparty im Paladion in Böblingen zu den angekündigten rund 29 Prozent von CDU/CSU. Immerhin sei klar, dass der künftige Kanzler Friedrich Merz heißen werde. Gegen 18:45 Uhr hebt sich die Stimmung. Die ersten Ergebnisse aus dem Kreis Böblingen laufen ein, nach denen Marc Biadacz ein sehr gutes Resultat bei den Erststimmen hat.

 

Letztlich erhält der Christdemokrat
37,4 Prozent der Erststimmen, fast acht Prozentpunkte mehr als 2021. In einigen Ortschaften knackt er sogar die 40-Prozent-Marke. „Ein schöner Vertrauensbeweis“, freut er sich.

Die Stimmung bei der CDU in Böblingen wird besser Foto: Anke Kumbier

Die Böblinger SPD-Kandidatin Jasmina Hostert meint zu den ersten Prognosen: „Das hätte schlimmer kommen können.“ Obwohl ihre Partei um gut neun Prozentpunkte abgerutscht ist. Hostert selbst erreicht schließlich 16,8 Prozent der Erststimmen (nach 21,1 Prozent im Jahr 2021), dank ihres guten Listenplatzes wird sie wieder in den Bundestag einziehen.

Gemischte Stimmung bei Jasmina Hostert und der SPD.

Bei den Grünen und dem Böblinger Kandidaten Tobias Bacherle herrscht am frühen Abend Enttäuschung vor, aber auch ein gewisser trotziger Stolz. Man sei stolz auf den Wahlkampf, man sei stolz auf den deutlichen Mitgliederzuwachs, den die Partei im Kreis Böblingen seit dem Bruch der Koalition verzeichnet – und man bewahrt sich einen Rest von Optimismus. Tobias Bacherle kommt auf 13,5 Prozent der Erststimmen im Wahlkreis Böblingen – und muss bis spät in den Abend zittern, ob er es erneut in den Bundestag geschafft hat. Irgendwann ist klar: Es reicht nicht. Aus Baden-Württemberg kommen nur zwölf Grüne nach Berlin, Bacherle steht auf LIstenplatz 14.

Mittelmäßige Stimmung bei den Grünen im Kreis. Foto: Eddie Langner

Im Böblinger Wahlkreis mehr als verdoppelt hat die AfD ihr Ergebnis, bei der Wahlparty in Leonberg ist die Stimmung dementsprechend gut. Kandidat Markus Frohnmaier kommt mit Verspätung, macht dann aber deutlich, dass er von baldigen Neuwahlen ausgehe. Eine Dreier-Konstellation werde nicht lange halten. Merz könne weder die Grenzsicherung noch niedrige Energiepreise durchsetzen. „Wir kommen immer mehr in der Gesellschaft an. Die Bürger trauen sich, sich zur AfD zu bekennen.“ Er erhält 17,1 Prozent der Erststimmen (2021: 8,4).

Markus Frohnmaier in Eltingen Foto: Simon Granville

Die FDP hat stark verloren und bibbert um den Einzug in den Bundestag. In der Böblinger Kreisgeschäftsstelle schwanken die Gefühle zwischen Ernüchterung und Hoffnung. Als die Hochrechnungen für die FDP gegen 21 Uhr noch einmal auf 4,7 absacken, verfestigt sich die Misere. Um 21.23 Uhr ruft der Noch-Abgeordnete Florian Toncar ernüchtert von der Wahlparty im Berliner Hans-Dietrich-Genscher-Haus an: „Momentan würde es mich wundern, wenn es noch klappen würde.“ Im Kreis Böblingen sacken die Liberalen überraschend deutlich ab: Vor vier Jahren lagen sie hierzulande bei 18 Prozent der Zweitstimmen, jetzt sind es nur noch sieben. Toncar selbst kommt auf 6,1 Prozent der Erststimmen (nach 16,6 Prozent im Jahr 2021).

Die FDPler sind enttäuscht, hoffen aber noch. Foto: Jan-Philipp Schlecht

Der Linke-Kandidat Thomas Walz aus Aidlingen feiert mit 20 Leuten im Aixpress in Böblingen, im ehemaligen Eisenmann-Areal. „Ich habe nicht mit einem so guten Ergebnis gerechnet, aber wir haben einen guten Wahlkampf hingelegt und das Ergebnis ist verdient“, sagt Walz, der 4,9 Prozent der Erststimmen erhält.

„Das wird eine lange Nacht“, sagt wiederum Richard Pitterle, Kandidat des BSW im Wahlkreis Böblingen. Er ist mit 150 Parteikollegen im Alten Feuerwehrhaus in Stuttgart. Das BSW knabbert lange an der Fünf-Prozent-Hürde. Nur eines ist sicher: Selbst wenn das BSW den Einzug in den Bundestag schafft, wird Richard Pitterle nicht dabei sein, denn sein Platz vier auf der Landesliste ist zu weit hinten.

Der Wahlkreis 260 (Böblingen) deckt den Landkreis Böblingen ab – mit Ausnahme dreier Gemeinden. Steinenbronn und Waldenbuch zählen zum Wahlkreis 262 Nürtingen. Die Gemeinde Weissach zählt zum Wahlkreis 265 Ludwigsburg.