Rund 177 000 Bürger werden im Wahlkreis Backnang-Schwäbisch Gmünd zu den Urnen gerufen. Foto: Stoppel/Archiv

Wer holt ein Bundestagsmandat im Wahlkreis Backnang-Schwäbisch Gmünd? Zwei Kandidaten haben wohl besonders gute Karten. Wir stellen alle Aspiranten in einer Bildergalerie vor.

Backnang/Schwäbisch Gmünd - Seit dem Bestehen des Bundestagswahlkreises Backnang/Schwäbisch Gmünd ist der Urnengang eine vergleichsweise einseitige Sache: Das Direktmandat gewinnt immer der Kandidat der CDU. Auch in diesem Jahr spricht wenig dagegen, dass die Christdemokraten ihr Abonnement wieder einlösen werden. Zumal in Norbert Barthle nicht nur ein Bewerber antritt, der darin bereits reichlich Erfahrung hat. Der ausgebildete Sport- und Deutschlehrer tut dies auch erstmals aus der Position eines Staatssekretärs heraus. Gleiches gilt zwar ebenso für Christian Lange (SPD), doch ein Sieg der Roten über die Schwarzen wäre wohl mit einer Sensation gleichzusetzen.

CDU-Mann holt mehr als die Hälfte aller Stimmen

Beim jüngsten Wahlduell der beiden erhielt Barthle 55,4 Prozent der Erststimmen, Lange kam mit 24,8 Prozent noch nicht einmal auf die Hälfte der Voten für den CDU-Mann. Noch überraschender wäre ein Sieg der übrigen Bewerber, von denen nur die FDP-Kandidatin Gudrun Wilhelm zumindest kommunalpolitisch seit längerer Zeit in Erscheinung getreten ist. Ihre Vorgängerin, Lisa Strotbek, sammelte vor vier Jahren allerdings gerade einmal 2,8 Prozent der Erststimmen ein.

CDU: Norbert Barthle ist zur Hälfte der auslaufenden Legislaturperiode unter Verkehrsminister Alexander Dobrindt zum parlamentarischen Staatssekretär ernannt worden. In dieser Eigenschaft setzen vermutlich einige staugeplagte Ortschaften, etwa Mögglingen im Ostalbkreis, große Hoffnungen auf ihn. Zuvor war der 65-jährige gebürtige Schwäbisch Gmünder sechs Jahre lang haushaltspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundesfraktion. Im Zusammenhang mit dem Schuldenabbau im öffentlichen Haushalt sagt er von sich selbst unbescheiden: „Die schwarze Null trägt auch meine Handschrift.“ Barthle ist der klare Favorit für das Direktmandat – das er aber auch braucht, denn auf der Landesliste seiner Partei taucht er nicht auf.

SPD: Christian Lange dürfte ebenfalls keine Schwierigkeiten haben, zum fünften Mal in das Parlament einzuziehen, seine Platzierung auf der Landesliste der SPD ist eine beruhigende Startposition: Lange rangiert dort auf Platz zwei, hinter der Landeschefin Leni Breymaier. Wie auch Barthle hat der 53-jährige Jurist, der in Saarlouis geboren ist, vor vier Jahren erstmals einen Job als parlamentarischer Staatssekretär angetreten – im Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Davor war er lange Jahre der parlamentarische Geschäftsführer seiner Fraktion.

FDP: Gudrun Wilhelm wird vermutlich vor allem die Aufgabe des Zweitstimmensammelns für ihre Partei zukommen. Die erfahrene Kommunalpolitikerin aus Kirchberg an der Murr hat auf Platz 18 der FDP-Landesliste keine realistischen Chancen, in das Parlament einzuziehen. Die 63-Jährige hat Erfahrung in Sachen Bundestagskandidatur – auch leidvolle. 2002 war sie, wie schon 1998, von ihrer Partei nominiert worden, ehe sie sich mit dem Kreisvorstand überwarf. Der damalige Vorsitzende Ulrich Theurer hatte für einen guten Landeslistenplatz den Waiblinger Neueinsteiger Hartfrid Wolff favorisiert. Statt Wilhelm trat dann Gunnar Stuhlmann an.

Grüne: Melanie Lang hat noch nie für eine Bundestagswahl kandidiert. Die 28-jährige selbstständige Webdesignerin erweitert zurzeit ihren Abschluss zum Staatsexamen im Lehramt in den Fächern Politik/Wirtschaft und Philosophie/Ethik. Vor drei Jahren ist sie erstmals für die Grünen in den Backnanger Gemeinderat gewählt worden. Sie tritt als Kandidatin die Nachfolge von Michael Straub an, der seinerzeit 8,2 Prozent der Erststimmen geholt hatte. Langs Platz 21 auf der Landesliste wird allerdings wohl nicht zum Einzug ins Parlament reichen.

Linke: Alexander Relea-Linder aus Schwäbisch Gmünd hat mit seinen 24 Jahren bereits Wahlkampferfahrung. Für einen Sitz im Landtag hat es für den Student der Sozialwissenschaften im vergangenen Jahr freilich nicht gereicht. Relea-Linder holte 2,8 Prozent der Stimmen für die Linke. Platz 8 auf der Landesliste wird bei einem solchen Ergebnis auch für den Bundestag nicht ausreichen.

AfD: Daniel Lindenschmid ist ebenfalls 24 Jahre jung, und auch er hat im vergangenen Jahr für den Landtag kandidiert, allerdings im Auftrag der AfD. Im Wahlkreis Nürtingen hat der Informatiker, der in Fellbach wohnt, immerhin 14,4 Prozent der Stimmen geholt. Dennoch hat ihn seine Partei nicht auf deren Landesliste platziert.

MLPD und NPD mit auf dem Wahlzettel

Sonstige: Als Einzelkandidaten werden am 24. September zwei weitere Bewerber auf dem Wahlzettel stehen. Für die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) kämpft die 27-jährige Oberkochener Einzelhandelskauffrau Marina Djonovic (27) um Erststimmen, für die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschland (MLPD) die 59-jährige Bürokauffrau Marianne Kolb aus Schwäbisch Gmünd. Der Kreiswahlausschuss hat die Kandidaten-Vorschläge am Freitag zugelassen. Eine Voraussetzung ist, dass mindestens 200 Unterstützungsunterschriften vorgelegt werden können oder die Partei des Bewerbers mit mindestens fünf Mandaten im Bundestag oder in einem Landesparlament vertreten ist.

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