"Ich gratuliere Stefan Kaufmann (rechts) zum Direktmandat", schreibt Cem Özdemir am Sonntag an die Presse. "Gegen den Merkel-Bonus und den Bundestrend war schwer anzukommen." Foto: dpa

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann schlägt Grünen-Chef Cem Özdemir erneut. Sein Sieg des Direktmandats fällt noch klarer aus als 2009.

Stuttgart - Seinen Konkurrenten erwähnt Stefan Kaufmann (CDU) nur mit einem Satz. „Cem Özdemir hat gewusst, dass er heute Abend nichts zu feiern hat – darum ist er in Berlin geblieben“, sagt Kaufmann um 19.45 Uhr im Stuttgarter Rathaus und taucht wieder ein in jubelnde Menschen, die ihn und Karin Maag (CDU), die Gewinner der zwei Stuttgarter Direktmandate, durch den Abend und die Nacht tragen.

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„Ich triumphiere nicht – aber Freude kann ich sicher nicht verhehlen“, gibt Kaufmann zahlreichen Zeitungs-, Radio- und TV-Journalisten zu Protokoll. Das Duell des 44-jährigen Bundestagsabgeordneten gegen Özdemir, den Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/Grüne, hat weit über die Stadt hinaus Interesse geweckt. „Wir zeigen, dass die CDU mit einer modernen, toleranten und bürgernahen Politik Wahlen gewinnen kann“, sagt Kaufmann.

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Er habe „keine Angst“ gehabt, dass er, der im Gegensatz zu Özdemir nicht über die Landesliste abgesichert war, am Ende leer ausgehen könnte. Eine „schlaflose Nacht“, nachdem sein Kandidat 2012 die Stuttgarter OB-Wahl verloren hatte, räumt der CDU-Kreisvorsitzende ein. Mehr nicht. „Jetzt feiern wir die Nacht durch“, kündigt Kaufmann an. Auf der CDU-Party wird er später noch bekannt geben, dass er und sein Lebenspartner sich im Frühjahr 2014 das Ja-Wort geben. Ein Wahlsieg beflügelt.

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Um 21.03 Uhr senden die Grünen eine Mail an die Presse. „Ich gratuliere Stefan Kaufmann zum Direktmandat“, erklärt darin Özdemir. „Gegen den Merkel-Bonus und den Bundestrend war schwer anzukommen.“ Er werde sich im neuen Bundestag für Stuttgart und Baden-Württemberg einsetzen und für alle Menschen im Wahlkreis „ein offenes Ohr haben“, verspricht er.

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Ursprünglich hatte der 47-jährige die Wahl persönlich in Stuttgart und erst später in Berlin bewerten wollen. Als sich das miserable Abschneiden der Grünen am Samstag abzeichnete, disponierte Özdemir um. Zumal das Ziel, das Direktmandat im Wahlkreis Stuttgart I nach der Niederlage 2009 im zweiten Anlauf zu erringen, in weite Ferne rückte.

Anders als 2009 fair geblieben

„Ein Direktmandat gewinnt man, wenn es von der Partei Rückenwind gibt, wenn man auf der Welle des Erfolges surfen kann“, sagt am Sonntagabend Stuttgarts OB Fritz Kuhn (Grüne). Von einer sofortigen Personaldebatte – etwa um den Bundesvorsitzenden – hält er nichts. „Man gewinnt gemeinsam und man verliert gemeinsam“, betont Kuhn.

Im Wahlkampf hatten sich Kaufmann und Özdemir nichts geschenkt, sind aber, anders als 2009, fair geblieben. Beide konzentrierten sich auf sich und ihr eigenes Parteiprogramm. Özdemir gelang es sogar, das für die Grünen heikle Thema Stuttgart 21 zu entschärfen. Beim persönlichen Profil machte Kaufmann mit seiner offenen gelebten Homosexualität und der „Authentizität als Stuttgarter Kandidat für Stuttgart“ Punkte, während Özdemir seine gelungene Integration und seine Fähigkeit, Brücken zu den Menschen zu bauen, betonte.

Kaufmann wird am Sonntag von 63 461 Bürgern direkt gewählt. Für Özdemir werden 21 941 Stimmen weniger abgegeben. Vor vier Jahren waren es nur 6401 Stimmen Differenz. Die mediale Prominenz des Bundespolitikers, die er lange als größte Herausforderung sah, hat für Kaufmann jetzt ihren Schrecken verloren. „Nicht jeder, der Özdemir kennt, wählt ihn auch“, hatte er bereits am Samstag vermutet und prognostiziert: „Der Hype der Grünen ist vorbei.“ 

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