Judith Skudelny auf dem Marktplatz in Nürtingen: Für ihre Arbeit als Bundestagsabgeordnete ist ihr der direkte Kontakt mit den Menschen wichtig. Foto: Peter Petsch

Am 22. September ist Bundestagswahl. Wen schicken die Stuttgarter nach Berlin? Wir stellen die Kandidaten der fünf im Bundestag vertretenen Parteien in Kürze vor. Heute: Judith Skudelny (FDP).

Stuttgart - Zehn Minuten vor ihrem Auftritt im Nikolaus-Cusanus-Haus trifft Judith Skudelny ein. Das ist Zeit genug, um mit dem Leiter des anthroposophischen Seniorenheims im Stuttgarter Stadtbezirk ­Birkach verbindliche Worte zu wechseln und auf die Sekunde genau um 14 Uhr im Festsaal des Heims zu stehen. Die FDP-Bundestagsabgeordnete begrüßt die zwei Dutzend anwesenden Seniorinnen und Senioren mit Handschlag.

Dass sie im Seniorenheim ist, hindert Skudelny nicht daran, die Probleme des demografischen Wandels klipp und klar zu benennen: Altersarmut infolge der steigenden Lebenserwartung bei frühem Ausscheiden aus dem Beruf. „Deshalb muss jeder für sich selbst sorgen und Geld zurücklegen“, sagt sie. Die Zuhörerinnen und Zuhörer nicken. Auch die Energiepolitik spricht sie an. Sie habe sich mit Leidenschaft in das Thema eingearbeitet.

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Was sie da verändern wolle, will eine Zuhörerin wissen. Da Energie die Grundlage für privaten und sozialen Wohlstand sei, müsse Strom sicher, sauber und bezahlbar sein, antwortet die Kandidatin und will sich dafür einsetzen, dass das Erneuerbare-Energien-Gesetz zügig geändert wird. Dass das Thema auch den Senioren auf den Nägeln brennt, bestätigt FDP-Mann Feller nach der Veranstaltung. „Die Bewohner haben alle einen anthroposophischen Hintergrund. Jeder achtet darauf, dass nicht unnötigerweise Licht brennt und Energie verschwendet wird.“

„Die Familie ist und bleibt Mittelpunkt meines Lebens“

Skudelny will in den Bundestag gewählt werden, denn sie ist überzeugt, dass sie der Politik was zu bieten hat: Kompetenz, Engagement und Leidenschaft. Wer mit Leidenschaft bei einer Sache sei, könne was bewegen. Ehemann, zwei kleine Kinder, Politik und ihren Beruf als Insolvenzanwältin: Das alles will Skudelny unter einen Hut bringen. Das geht nur, wenn die Familie mitspielt. „Für mich hab’ ich es richtig gemacht. Die Familie ist und bleibt Mittelpunkt meines Lebens.“

So zufrieden die 37-Jährige mit ihrem Familienmodell ist, es muss nicht für jeden passen. „Deshalb muss die Kinderbetreuung ausgebaut werden“, folgert sie und ist bei ihrem zweiten politischen Thema: der Familienpolitik, mit der sie bei den Wählern punkten will. Dass sie trotz Wahlkampfs den Kroatien-Urlaub nicht ins Wasser fallen- und Mann und Kinder allein los fahren lässt, versteht sich.

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Das Thema Energie ist nicht nur Skudelnys „Steckenpferd“. Energie besitzt sie auch. Knapp vier Stunden geht sie ohne Pause auf die Passanten zu, verwickelt sie in Gespräche: „Am wichtigsten ist, dass Sie zur Wahl gehen. Am zweitwichtigsten, dass Sie die FDP wählen“, empfiehlt Skudelny wieder und wieder. Ein freischaffender Künstler will wissen, was die FDP tut, um Menschen wie ihm eine sichere Rente zu garantieren. Skudelny gibt zu, sich erst schlau machen zu müssen, und sagt, dass sie sich melden werde. Davon, dass das kein leeres Versprechen ist, ist eine ehemalige FDP-Stadträtin in Nürtingen überzeugt: „Das macht die. Ich kenn’ die Judith. Die hält ihre Versprechen.“

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