Auf Klingeltour in Weilimdorf: SPD-Kandidat Schäfstoß (rechts) mit Wahlhelfer Christoph Schmid. Foto: Peter Petsch

Am 22. September ist Bundestagswahl. Wen schicken die Stuttgarter nach Berlin? Wir stellen die Kandidaten der fünf im Bundestag vertretenen Parteien in Kürze vor. Heute: Nicolas Schäfstoß (SPD).

Stuttgart - Es ist fünf am Nachmittag und brütend heiß in Weilimdorf. Der Kandidat Nikolas Schäfstoß macht das, was er seit einem Dreivierteljahr mehrmals die Woche tut. Er geht von Haustür zu Haustür, um den Leuten sich, den SPD-Bundeskandidaten für den Wahlkreis Stuttgart II, vorzustellen. Er sagt sein Sprüchlein auf, bietet einen Flyer und einen Glückskeks an. Knackt man den Keks, liest man: „Guter Lohn für gute Arbeit! Mit uns keine Glückssache.“

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Kein einfaches Terrain, das sich Schäfstoß heute ausgesucht hat. Ein Mann im Unterhemd, Mitte dreißig, lugt aus einem Dachfenster. Nein, er habe kein Interesse an Politik. Gewählt habe er noch nie. Und das werde er auch diesmal nicht tun. Ein älterer Mann, mit einer Gartenhacke bewaffnet, kommt hinterm Haus hervor: „Verlassen Sie sofort mein Grundstück!“ Eine Straßenecke weiter wohnen Gegner von Stuttgart 21, die auf die SPD nicht gut zu sprechen sind. „Eine Ausnahme“, sagt Schäfstoß, „bei den meisten Leuten, die ich treffe, spiele das Thema kaum noch eine Rolle.“

Stuttgart, Ostendplatz. Neun Uhr morgens. Schäfstoß’ Viertel. Hier kommt er her. Er trinkt Kaffee, schwarz. Um sieben war er schon in Stuttgart-Rot, hat seine Flyer an Stadtbahnhaltestellen verteilt. „In Rot riecht es noch nach Sozialdemokratie“, sagt er. Die Frage, warum er sich das antue, lässt er nicht gelten. Er tue sich nichts an, sagt er. Er mache das freiwillig, weil er glaube, dass es wichtig sei, dass die Menschen an die Wahlurnen gehen, „sonst verlieren Politiker ihre Legitimation“.

Angenehme Stimme, auch wenn er laut wird

Nicolas Schäfstoß hat eine gute Art, auf Menschen zuzugehen. Er kann zuhören – weiß aber, wann es genug ist. Etwa dann, wenn er wieder mal zu hören bekommt, dass Politiker Verbrecher seien und sich nur bereichern wollten. Bei solchen Stammtischparolen, sagt er, muss man den Leuten erklären, dass die meisten Politiker in Deutschland auf kommunaler Ebene arbeiten, wo es kaum etwas zu verdienen gibt.

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Auch wenn er laut wird, klingt seine Stimme angenehm. Vielleicht sollte er ab und zu singen. Vor seinem Geografiestudium hat er sich überlegt, Gesang zu studieren. Weil der Bassbariton keinen Studienplatz bekam, nahm er privat Gesangsunterricht. Jetzt, da er um Wählerstimmen kämpft, kommt er nicht mehr zum Singen. Und zum Laufen, noch so eine Passion, auch nicht mehr.

Als Statistiker ist Schäfstoß in der Welt der Zahlen daheim. Er weiß, dass er mit Platz 32 auf der Landesliste nur eine Chance auf ein Bundestagsmandat hat, wenn er ­seinen Wahlkreis gewinnt. Beobachtet man ihn dabei, wie er mit Menschen umgeht, ­beginnt man zu glauben, dass ihm das gelingen könnte.

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