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Am Tag nach seiner Wahl trifft der neue Bundespräsident in seinem Amtssitz in Berlin ein.

Berlin - Der erste Tag der neuen Zeitrechnung im Schloss Bellevue ist wolkenlos, ein frischer Wind weht über die Spree, aber die Sonne wärmt schon wohlig. Krokusse blühen im Park. Die Mitarbeiter des Präsidialamtes warten auf ihren neuen Chef - und auf wichtige Personalentscheidungen, die er mitbringt.

Wenige Minuten vor 11.00 Uhr öffnet sich das Portal zum Schloss. Genau hier haben am 6. Januar die Sternsinger ihre guten Wünsche hinterlassen. „Christus segne dieses Haus“ - die Kreidezeichen sind auch heute noch zu lesen. Dem damaligen Hausherrn Christian Wulff hat das kein Glück gebracht. Zu tief war er damals schon im Affärensumpf versunken.

Christian Wulff - schmal und ohne Ehefrau Bettina

Auf die Treppe vor dem Schloss treten Horst Seehofer und Frau. Der Bayer hat für vier Wochen als Staatsoberhaupt amtiert. Und Christian Wulff ist auch da, noch schmaler geworden, irgendwie jünger. Seine Frau Bettina ist nicht mitgekommen. Drei schwere Limousinen rollen über den Kies. An der ersten weht die Standarte des Bundespräsidenten. Joachim Gauck steigt aus, an der Seite Daniela Schadt, die Lebensgefährtin. Sie stellt sich zwischen Wulff und Gauck, legt ihren Arm um den Vorgänger, als ob sie ihn trösten wolle. Wulff lächelt tapfer. Die Uhr schlägt elf.

Für Joachim Gauck hat sich mit dem neuen Amt schon einiges geändert. Er kommt nicht mit dem Taxi, schon gar nicht mit dem Fahrrad, sondern in der Staatskarosse. Ob die Freude überwiege oder der Respekt, wird er gefragt. „Respekt“, sagt er, und auf sein Herz schlagend gesteht er: „Es pochert hier drin.“ Angst ist nicht so sein Thema, das hat er schon am Sonntag vor der Bundesversammlung wissen lassen, aber eine gewissen Bangigkeit - „dass ich jetzt so viel lernen muss“ - gibt er zu. Dann sagt er „Ciao“, ganz locker, und entschwindet im Schloss.

David Gill wird Chef des Bundespräsidialamts

Dass dies ein besonderer Tag ist für die gut 150 Mitarbeiter ist nicht zu übersehen. Zwischen Sicherheitsleute, Abteilungsleiter und Pressesprecher mischen sich schon ein paar neue Figuren, die viele noch nicht kennen. David Gill etwa eilt vom dunklen Oval des Präsidialamtes hinüber ins Schloss, freundlich grüßend, an seiner Seite Johannes Sturm, der Gauck als persönlicher Referent unterstützen wird. Auch Andreas Schulze ist nicht weit. Er wird wenig später zum neuen Sprecher Gaucks ernannt.

Die meisten Mitarbeiter des Präsidialamtes müssen sich keine Sorgen um ihre Jobs machen, denn ihre Verträge sind nicht an die Person des Präsidenten geknüpft. Einige aber schon. Petra Diroll etwa, kommissarische Sprecherin des Amtes seit dem Abgang des umstrittenen Strippenziehers Olaf Glaeseker, hat einen Vertrag nur noch bis Mai. Am Nachmittag wird sie „von ihren Aufgaben entbunden“.

An David Gill (45) jedenfalls kommt künftig keiner mehr vorbei. Um 14 Uhr ist der Jurist und Oberkirchenrat auch offiziell Chef des Präsidialamtes. Er ist damit der ranghöchste aller Staatssekretäre, nimmt an Kabinettssitzungen teil und hält den Kontakt zu Bundeskanzlerin Angela Merkel. Gill ist SPD-Mitglied, Sohn eines Bischofs, und war schon Anfang der 90er Jahre Sprecher und enger Mitarbeiter Gaucks.

Andreas Schulze (48), der Ostberliner Grüne und Ex-Punk, wird zunächst kommissarischer Sprecher Gaucks, angeblich soll er später auf eine andere Leitungsstelle im Amt wechseln. Schulze war früher Sprecher der Grünen-Agrarministerin Renate Künast, ihr Wahlkampfmanager und schon 2010 Organisator der Wahlkampagne für Gauck. Er nimmt für sich in Anspruch, überhaupt die Idee gehabt zu haben, Gauck ins Rennen zu schicken.

Auch Johannes Sturm (31) war schon 2010 dabei, als Gauck gegen Christian Wulff antrat. Er war Pressereferent in der SPD-Zentrale und gehörte zum Wahlkampfteam des Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier 2009. SPD und Grüne können jedenfalls zufrieden sein mit Gaucks ersten Personalentscheidungen, ob ihnen diese langfristig Einfluss sichern, ist aber noch nicht gesagt.

„Wie wäre es mit einem Spaziergang durch den Schlosspark?“, wird Gauck von frechen Reportern gefragt. Der antwortet fröhlich: „Heute nicht, aber das machen wir dann später beim Sommerfest.“ Das sind noch gut drei Monate, bis dahin wird Gauck angekommen sein im Schloss, spätestens.


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