Joachim Gauck mit Imam Abdallah Hajjir beim muslimischen Fastenbrechen. Foto: Getty Images Europe

Nach den Attentaten der Terroristen des Islamischen Staates schüren manche Vorurteile gegenüber Muslimen. Joachim Gauck setzt ein Zeichen für mehr Verstehen: Als erster Bundespräsident besucht er ein öffentliches Fastenbrechen.

Berlin - Bundespräsident Joachim Gauck setzt angesichts der Angst vor islamistischem Terror auf mehr Begegnung von Muslimen und Nichtmuslimen zum Abbau von Misstrauen und Distanz. „Begegnung zu fördern, ist besonders wichtig in einer Zeit, in der es viel gegenseitiges Misstrauen gibt“, sagte er am Montag bei einem öffentlichen Fastenbrechen während des muslimischen Fastenmonats Ramadan in Berlin. Er ergänzte: „In jüngster Zeit erleben wir eine gesellschaftliche Polarisierung. Aber gleichzeitig wächst doch auch das Bemühen, Misstrauen und Distanz abzubauen.“

Gauck ist der erste Bundespräsident, der an einem öffentlichen Fastenbrechen teilnahm. Er würdigte die Symbolkraft des Treffens. Es signalisiere, dass Muslime und Nichtsmuslime bereit seien, mit Respekt aufeinander zuzugehen. Dies sei wichtig, da man oftmals wechselseitig noch zu wenig voneinander wisse.

Angst vor Muslimen

Zum Fastenbrechen waren rund 500 Gäste angemeldet, darunter neben Politikern Vertreter von Muslimen, der christlichen Kirchen und Flüchtlingsorganisationen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) war im vergangenen Jahr bei einer solchen Veranstaltung dabei.

Bei manchem sei die Angst vor islamistischem Terror zur Angst vor den Muslimen geworden, sagte Gauck. „Das ist nicht gut.“ Nicht wenige Muslime sähen sich durch einen Generalverdacht ausgegrenzt, sagte der Bundespräsident unter Applaus. Zunehmend höre er aber auch auf muslimischer Seite Stimmen, die gegen die fundamentalistische Lesart des Koran ihr friedliches Religionsverständnis setzten. Dies sei eine wichtige Botschaft auch für die Andersgläubigen.

Unter Nichtsmuslimen registriere er, wie verstärkt um Toleranz für andere Lebensstile und Glaubensrichtungen geworben werde, während die Kritik an extremistischen Glaubensformen nicht länger gescheut werde, sagte Gauck. Dies sei eine Unterstützung für die friedliebenden Muslime, die in der Gesellschaft die weit überwiegende Mehrheit darstellten. „Und es erschwert jenen das Handwerk, die den Islam missbrauchen, um abscheuliche Verbrechen zu rechtfertigen.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: