Mit Slogan und Seifenblasen: Bundespolizei und Anna-Haag-Haus reagieren auf eine Graffiti-Schmiererei. Foto: Bundespolizei

Unbekannte wollten die Bundespolizei in Stuttgart mit einem Kürzel an der Hauswand beleidigen – darauf haben die Ordnungshüter ungewöhnlich reagiert.

Stuttgart - Warum die unbekannten Sprayer die Bundespolizei provozieren wollten, ist unklar. Mit dem Kürzel A.C.A.B hatten sie am Samstag die Stirnseite des Dienstgebäudes der Bundespolizeiinspektion an der Martha-Schmidtmann-Straße in Bad Cannstatt beschmiert. Alle Polizisten als Bastarde zu bezeichnen, dafür steht die Abkürzung für „All Cops Are Bastards“ nämlich, erfüllt den Tatbestand der Beleidigung. Nun schlugen die Beamten ungewöhnlich zurück: „Vielfältig, offen und vor allem bunt“, sagt Inspektionsleiter Reinhard Pürkenauer.

Zusammen mit den Nachbarn vom Anna-Haag-Mehrgenerationenhaus gibt es nunmehr ein buntes Foto mit Slogan und Seifenblasen. „Wir setzen ein Zeichen für die ­Vielfältigkeit und Toleranz“, so Pürkenauer. Die Geschäftsleitung und Angehörige von Seniorenzentrum, Bildungseinrichtung und Kindertagesstätte zeigten sich solidarisch mit der anderen Interpretation der Buch­staben: All Colours Are Beautiful – alle ­Farben sind wunderschön.

Graffiti-Delikte: Dreimal täglich

Freilich erwartet die Täter nicht nur ­Seifenblasen. Graffiti, gleich welcher Botschaft, werden von den Ermittlern der ­Bundespolizei als Straftat gewertet. Der auf 1,5 Quadratmeter Hauswand verbreitete Schriftzug an der Hauswand gilt als Sach­beschädigung. Ein Delikt, das die Bundespolizei statistisch dreimal täglich beschäftigt: „Die Zahl der Fälle ist im vergangenen Jahr um zwei Prozent auf 1065 Delikte ­gestiegen“, sagt Bundespolizeisprecher ­Daniel Kroh. Zu zwei Dritteln haben die ­Täter dabei Züge ins Visier genommen. „Die Zahl der Straftaten ist auf einem gleich­bleibend hohem Niveau“, sagt Kroh.

Dabei häufen sich abseits von Bahn-Tatorten die politisch motivierten Schmierereien. Mitte Juli wurden Polizei-Beleidigungen auch im Kreis Ludwigsburg in Vaihingen/Enz-Horrheim an das Bärentürmle geschmiert. Während im Rems-Murr-Kreis Hakenkreuze verbreitet werden, sind es im Kreis Ludwigsburg Aktivitäten eher linksgerichteter Gruppierungen.

Mancher Sprayer geht ins Netz

Dabei können Graffiti-Sprayer nicht immer einfach spurlos verschwinden. Den jüngsten Ermittlungserfolge vermeldet die Polizei in Leonberg (Kreis Böblingen), wo vergangene Woche ein 17-Jähriger erwischt wurde. Kurz zuvor konnten in Asperg (Kreis Ludwigsburg) ein 20-Jähriger von der Polizei auf frischer Tat ertappt und festgenommen werden.

Die Schmiererei an der Dienststelle der Bundespolizeiinspektion in Bad Cannstatt ist am Mittwoch restlos entfernt worden. In Aachen wäre dies oftmals nicht so leicht möglich – dort gibt es vor allem Probleme mit den entsprechenden Autokennzeichen. Dabei liefert das Kürzel A.C.A.B. doch eine heiße Spur: Außergewöhnliche Crew Agiler Bundespolizisten.

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