Nach nur einem Jahr ist der VfB in die Bundesliga zurückgekehrt – und muss sich umstellen. Foto: Baumann

Mit dem 1. FSV Mainz 05 kehrt an diesem Samstag die Bundesliga nach Stuttgart zurück – und damit auch eine ganz andere Art von Fußball. Wir tragen zusammen, was den VfB Stuttgart in der höchsten deutschen Spielklasse erwartet.

Stuttgart - So mancher Fan des VfB Stuttgart weint der zweiten Liga ja tatsächlich eine Träne hinterher. Nostalgische Momente auf dem Betzenberg und der Bielefelder Alm, Derbys gegen den KSC und natürlich das ständig wiederkehrende Gefühl des Siegens.

Doch damit ist es jetzt vorbei. Wenn an diesem Samstag (15.30 Uhr) der FSV Mainz 05 zum Heimspielauftakt in der Mercedes-Benz-Arena aufläuft, dürfte auch dem letzten klar werden: Jetzt beginnt wieder der Ernst des Lebens. Der VfB ist zurück in der Bundesliga. Zurück auf vertrautem Terrain. Wo doch alles wieder neu ist.

Diese Erfahrung musste die Mannschaft bereits am ersten Spieltag machen, als sie gegen Hertha BSC in Berlin nicht schlechter Fußball spielte als der Gegner, aber dennoch mit 0:2 verlor. Und Kapitän Christian Gentner richtig erkannte: „Fehler werden in der Bundesliga meist sofort bestraft. Das war vergangene Saison noch anders.“

Weniger Zweikämpfe, mehr Spielfluss

Weil die Qualität der Spieler eine Klasse höher eben eine andere ist. Und sich daraus auch eine völlig andere Art von Fußball ableitet. Nicht härter, aber schneller, spielerischer. Mit einem funktionierenden Passspiel als zentralem Element und weniger Spuren von Kampf. So kamen die Teams im Oberhaus in den vergangenen beiden Spielzeiten nach Daten des „Spiegel“ auf eine durchschnittliche Passquote von 75,4 Prozent. In der zweiten Liga landeten nur 72,3 Prozent dler Pässe beim Mitspieler. Auf zwei Jahre gerechnet ein großer Unterschied – der sich auch in einem anderen Punkt offenbart: Pro Mannschaft und Spiel werden deutlich weniger lange Bälle geschlagen, nämlich nur 69,9 gegenüber 75,7 in Liga zwei. Langholz scheint also tatsächlich ein Charakteristikum der unteren Spielklassen zu sein.

Genauso wie die rustikalere Gangart im Duell Mann gegen Mann: 16,6 regelwidrige Zweikämpfe stehen bei jeder Zweitligamannschaft im Schnitt zu Buche, in der Bundesliga kommen die Teams mit nur 14,6 Fouls pro Partie aus. Weil der Ball schneller und über mehrere Stationen läuft, verstricken sich die Bundesligaprofis in weniger Zweikämpfe. Den finalen Beweis dafür, dass in der Bundesliga tatsächlich ein gepflegterer Ball gespielt wird, liefern folgende Zahlen: Die meisten Tore, nämlich 58 Prozent, entspringen einer Kombination aus dem Spiel heraus. In der zweiten Liga sind es nur 51 Prozent, dafür sind dort die Standardexperten gefragt: Sie erzielen deutlich mehr Tore nach Ecken und Freistößen.

In der Bundesliga fallen deutlich mehr Tore

Was folgt nun für den Aufsteiger und seine Fans daraus? Dass sie von Samstag an tatsächlich wieder mehr Fußball-Feinkost serviert bekommen. Und häufiger eigene Tore bejubeln und gegnerische verdammen können. In der Bundesliga klingelt es nämlich auch deutlich öfter – zuletzt fielen fast 100 Treffer mehr pro Saison.

Gut, der müde Auftakt gegen die Hertha wäre auch als besserer Zweitligakick durchgegangen, weshalb VfB-Trainer Hannes Wolf sicher Recht hat, wenn er sagt: „Ich sehe die spieltaktischen Unterschiede mehr im Gegner denn in der Liga. Jedes Team, jeder Trainer spielt sein eigenes System.“ Weshalb er sich am Samstag schon wieder komplett umstellen muss. „Mainz lebt vom Gegenpressing und von hoher Laufbereitschaft. Wir werden mehr Intensität aushalten müssen als vergangene Woche in Berlin“, mutmaßt der Coach.

Grundsätzlich unterscheidet sich Wolfs Herangehensweise an die neue Liga als Aufsteiger und Underdog aber doch: „In der zweiten Liga waren wir ständig der Favorit, wollten immer den Ball haben. Das wird in der ersten Liga anders sein. Dennoch wollen wir nach vorne verteidigen und offensiv spielen“, sagt Wolf.

VfB in Liga zwei überall Spitze

Eine Strategie der Anpassung, die schon in der vergangenen Saison funktioniert hat. Auch in der zweiten Liga setzte der 36-Jährige auf die eigenen spielerischen Stärken (viel Ballbesitzfußball), ohne die Gepflogenheiten der Spezialisten aus Aue, Heidenheim und Bielefeld zu vernachlässigen – also Zweikampfhärte und die Stärke bei Standards. So rangierte der VfB am Ende in sämtlichen spieltaktischen Kategorien auf den vorderen Plätzen, bei der Quote der angekommenen Pässe (Platz 2) genauso wie bei Toren nach Eckbällen (2) und gewonnenen Zweikämpfen (5).

Top-Werte, an die der Aufsteiger in dieser Saison wohl nicht mehr heranreichen wird. Trotzdem werden die Fans der zweiten Liga nicht länger nachtrauern, wenn der Ball erst einmal rollt – und der VfB wieder das bietet, was man in Stuttgart gewohnt ist: Erstklassigen Fußball.

VfB Stuttgart - 1. Bundesliga

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