Die Stuttgarter im Freudentaumel: Vedad Ibisevic, Cristian Molinaro, Christian Gentner, Martin Harnik und Torwart Sven Ulreich (von rechts) bejubeln den 1:3 Foto: dpa

Die Roten sind beim FC Augsburg erfolgreich und festigen durch den 3:1-Sieg Rang fünf in der Tabelle.

Augsburg - 20 Minuten lang sah es am Dienstagabend so aus, als könnte die Erfolgsserie des VfB Stuttgart beim FC Augsburg reißen. 20 Minuten lang drängte der abstiegsbedrohte Aufsteiger seine Gäste in die eigene Hälfte, spielte mutig nach vorne und lag seit der fünften Minute mit 1:0 in Führung. Wenig deutete zu diesem Zeitpunkt darauf hin, dass der VfB rund 70 Minuten später als klarer Sieger vom Platz gehen würde.

Doch den Roten gelang in der ausverkauften SGL-Arena etwas, das noch vor wenigen Monaten undenkbar gewesen wäre. Die Elf von Trainer Bruno Labbadia blieb nach dem Rückstand seelenruhig, sie ließ sich nicht beirren und versuchte weiter voller Selbstbewusstsein, ihr Spiel durchzuziehen. Es gelang. „Wir haben heute im Stile einer Spitzenmannschaft gespielt“, sagte der Coach, „das war enorm effektiv.“ Serdar Tasci (24.) und Martin Harnik (34.) drehten die Partie noch vor der Pause, Vedad Ibisevic machte in der 84. Minute alles klar. Nun sind die Roten seit acht Spielen in Folge ungeschlagen – und die Europa-Liga ist längst kein Traum mehr.

Mit einem Traumpass setzt Hajnal Stürmer Martin Harnik perfekt in Szene

VfB-Manager Fredi Bobic musste nach dem Schlusspfiff trotzdem erst einmal ganz tief durchschnaufen. „Mal ganz ehrlich“, sagte er dann: „Das war eng!“ Und wie. Augsburg hatte einen perfekten Start erwischt – auch dank VfB-Torhüter Sven Ulreich, der nach vier Minuten Marcel Ndjeng kurz vor der Außenlinie völlig unnötig von den Beinen geholt hatte. Schiedsrichter Guido Winkmann entschied zu Recht auf Elfmeter, und Nando Rafael ließ sich nicht lange bitten. Der Aufsteiger führte mit 1:0 und blieb auch im Anschluss stark. Ja-Cheol Koo (12.) hatte durch einen Distanzschuss die nächste gute Gelegenheit. Der VfB fand bis dahin kaum statt. „Wir hatten große Probleme, ins Spiel zu finden“, sagte Bobic. Bis aus dem Nichts der Ausgleich fiel. Nach einer Ecke von Tamas Hajnal, der kurz zuvor an FCA-Keeper Simon Jentzsch gescheitert war, stand Kapitän Serdar Tasci goldrichtig und machte per Kopf das 1:1 (24.). Nun waren die Roten aufgewacht, sie standen hinten sicherer, und das Angriffsspiel kam etwas besser in Schwung. Vor allem Hajnal war ein ständiger Unruheherd. Der Ungar war es auch, der in der 34. Minute mit einem Traumpass Stürmer Martin Harnik perfekt in Szene setzte. Der Österreicher bedankte sich mit seinem 15. Saisontreffer und beendete damit seine fünf Spiele andauernde Torflaute.

Fredi Bobic konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, als er sagte: „So stark waren wir in der ersten Hälfte gar nicht.“ Recht hatte er – und dasselbe galt für die zweite. Da konnte einem der FC Augsburg fast leidtun. Die Elf von Trainer Jos Luhukay spielte leidenschaftlich und kämpfte beherzt. Ndjeng scheiterte zunächst mit einem Freistoß an Ulreich (51.), dann wurde er aus kurzer Distanz erst vom eingewechselten Cristian Molinaro am Ausgleich gehindert (60.). „Augsburg hat das klasse gemacht. Wir waren sehr gefordert“, lobte Labbadia. Doch Augsburg belohnte sich nicht. Stattdessen machte Vedad Ibisevic mit der einzig echten Chance für den VfB im zweiten Durchgang das 3:1. Es war der achte Treffer des Winterneuzugangs im elften Spiel im Trikot mit dem Brustring.

Schon am Freitag (20.30 Uhr/Sky, Liga total) geht es für die Roten weiter. Gegen den Tabellensechsten Werder Bremen erwartet sie in der Mercedes-Benz-Arena ein „Spiel um Europa“ (Bobic). Nicht mit dabei ist dann Zdravko Kuzmanovic, der in Augsburg seine fünfte Gelbe Karte sah. Ein Sieg gegen Werder könnte die ganz großen Optimisten unter den VfB-Fans noch von mehr träumen lassen – der Tabellenvierte Borussia Mönchengladbach ist nur noch sieben Punkte entfernt. Bobic lachte nur. „Ich bin froh, wenn wir Platz fünf halten“, sagte er. Und manchmal braucht es dafür wie gegen den FC Augsburg auch einen etwas dreckigen Sieg.

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