Harry Kane vom FC Bayern setzt sich nach dem Gewinn des Supercups selbst in Szene. Jetzt geht es in der Bundesliga los. Foto: AFP

Die Liga startet mit vielen Neuerungen und verspricht mehr Nähe in der Berichterstattung. Das verbessert aber nicht zwangsläufig das Produkt, meint unser Sportredakteur Carlos Ubina.

Die Fußballshow beginnt – und dem Meister gebührt die Ehre des ersten Auftritts. Der FC Bayern empfängt an diesem Freitagabend RB Leipzig zum Bundesligastart. Ein Flutlichtspiel bei elektrisierender Atmosphäre in der Münchner Arena. So wie es sich die Fans wünschen. Oder, wie es der Ligaverband DFL auf seine Art ausdrückt, ein Leuchtturmspiel. Eine Begegnung von herausragender Bedeutung, weil eine hohe Aufmerksamkeit auf ihr liegt und weil die Macher keinen Aufwand scheuen, um die beiden Mannschaften ins rechte Licht zu rücken.

 

Die Medienerlöse erreichten Rekordhöhe

Für die DFL sind Leuchtturmspiele vor allem ein Fernsehspektakel. Der Fußball soll sich von seiner besten Seite zeigen. Spannend, attraktiv, auf höchstem technischen Niveau produziert und ohne Klamauk bei der Präsentation. Das ist der Anspruch der Funktionäre aus Frankfurt, dem sie zu Beginn einer neuen TV-Rechte-Periode gerecht werden wollen. Fast viereinhalb Milliarden Euro hat die DFL an Medienerlösen für die nächsten vier Jahre erzielt – so viel Geld wie noch nie. Und nun sollen Clubs und Anhänger davon profitieren.

Die veränderten Bezahlsender, Abonnements und Preise sind bei den Übertragungen nicht die einzigen Neuerungen im traditionellen Geschäftsfeld der Bundesliga. Der Titelkampf ist auch ein Kampf um neue Zielgruppen. Denn das Publikum wird zunehmend älter und es geht darum, junge Zuschauer zu gewinnen und zu binden. Eine Selbstverständlichkeit ist das im digitalen Zeitalter nicht mehr. Dafür gibt es auf dem Unterhaltungssektor zu viel Konkurrenz und auch der Medienkonsum hat sich in den vergangenen Jahren zu stark verändert.

Mit dem Motto „closer to the game“ versucht die DFL nun, einen Trend in Deutschland zu setzen und mehr Nähe in der Berichterstattung herzustellen. An- und abgeschaut hat sie sich dabei einiges in den US-Profiligen sowie der Formel 1, um ein gemeinsames Erlebnis zu schaffen und Emotionen zu schüren. In den Stadien werden dafür bis zu 28 Kameras eingesetzt, zeitweise sogar an den Eckfahnen. Das ist höchster Standard, um Zweikämpfe und Gefühle auf dem Platz einzufangen – aus möglichst jeder Perspektive.

Mehr Bilder, mehr Geschichten, mehr Informationen

Doch es wird auch die Ankunft der Teambusse im Vorfeld gezeigt und sogar ein Blick in die Kabine gewährt. Allerdings in den leeren Umkleidetrakt, dort hängen dann nur die Trikots der Profis. Mehr war bei den Vereinen nicht herauszuholen. Innenräume der Mannschaften gelten als heilig und sollen geschützt bleiben. Noch. Denn Professionalisierung und Kommerzialisierung schreiten weiter voran. Die zahlenden TV-Sender verlangen nach mehr Bildern, mehr Geschichten, mehr Informationen.

Natürlich ergibt sich daraus eine Kontroverse, die den Fußball in der Diskussion zwischen Kurve und Kapital schon lange erfasst hat. Doch jetzt droht für die Traditionalisten die nächste Dimension. Jedenfalls steht zu befürchten, dass das Spiel um Tore und Titel angesichts der Datenflut, den künftigen Medienformaten und der ganzen Technologie seinen Zauber verliert. Ohne zusätzliche Statistiken, Grafiken, Expertenanalysen, interaktive Feeds und Schiedsrichterkameras wird es indessen nicht mehr gehen in der Medienwelt.

Bleibt die Frage nach dem Produkt. Als Premiumware wird der deutsche Fußball verkauft – aber ist er das im internationalen Vergleich noch? Die Ergebnisse sprechen eine klare Sprache: nein, jedenfalls nicht auf Spitzenniveau. Die Stars wandern ab. Viele sehen in der Bundesliga nur noch eine Ausbildungsliga für die englische Premier League und eine Handvoll europäischer Topclubs. Dennoch gilt von diesem Freitagabend an unter Flutlicht: „The show must go on“.